Irans Visum-Drama vor der WM: FIFA schlägt Ausweichlager in Tijuana vor
Wenige Tage vor Turnierbeginn harrt die iranische Delegation weiter der Einreiseerlaubnis. Während die FIFA ein Camp im mexikanischen Grenzgebiet organisiert, laufen dort umfassende Sicherheitsvorkehrungen an.

Die Vorbereitungen der iranischen Fußballnationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft 2026 werden von einer akuten Visum-Krise überschattet. Weniger als zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel hat der iranische Verband FFIRI nach eigenen Angaben noch keine gültigen Einreisedokumente für die USA und Mexiko erhalten. In einem offiziellen Schreiben an den Weltverband FIFA forderte Teheran „Transparenz und Klarheit“ über den Bearbeitungsprozess, wie aus Verbandskreisen verlautete. Die ursprünglich geplante Unterkunft in Tucson, Arizona, ist damit vorerst nicht zu nutzen – ein Umstand, der die logistische Planung des Teams massiv belastet.
Aus Teheraner Sicht verdichten sich die Hinweise auf eine politisch motivierte Verzögerung. Mehdi Mohammadnabi, Vizepräsident des FFIRI, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, es würden zwingend Visa für die mehrfache Einreise benötigt, um zwischen den Spielorten pendeln zu können. Das derzeitige Trainingslager im türkischen Antalya, wo die Mannschaft kürzlich ein Testspiel gegen Gambia bestritt, könne nur eine Übergangslösung sein. Laut Mohammadnabi habe die FIFA signalisiert, dass das administrative Verfahren „voraussichtlich noch in dieser Woche“ abgeschlossen werde – eine Zusage, die angesichts der langen Vorgeschichte von Visaproblemen für iranische Sportler mit Skepsis aufgenommen wird.
Die FIFA selbst hat unterdessen einen Ausweichplan vorangetrieben: Das Team soll seine Zelte in Tijuana aufschlagen, jener mexikanischen Grenzstadt, die nur wenige Kilometer von der US-Metropole San Diego entfernt liegt. Aus mexikanischer Sicht ist dies eine Frage der nationalen Reputation und Sicherheit. Wie die Behörden in Baja California mitteilten, wird die Nationalgarde einen Großverband von mehr als 300 Einsatzkräften abstellen, um die iranische Delegation zu schützen. Koordiniert wird das Aufgebot mit der Flughafenverwaltung, den Einwanderungsbehörden und – aufgrund der unmittelbaren Grenznähe – auch mit US-amerikanischen Stellen. Gouverneurin Marina del Pilar Ávila Olmeda bestätigte, dass die Sicherheit der Gäste oberste Priorität habe.
Für Beobachter in westlichen Hauptstädten illustriert der Fall das fortwährende Spannungsfeld zwischen Sport und Geopolitik. Washingtons Visapolitik gegenüber iranischen Staatsbürgern ist seit Jahrzehnten von gegenseitigem Misstrauen geprägt; schon bei der WM 1998 in Frankreich kam es zu politisch aufgeladenen Begegnungen. Die nun erzwungene Interimslösung in Tijuana könnte sich als logistische Herausforderung erweisen, da das Team für Spiele in den USA jedes Mal die Grenze passieren muss. Sollte die FIFA nicht bald eine verbindliche Zusage erwirken, droht dem Turnier ein Eklat, der weit über den Rasen hinaus Wirkung entfalten würde.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die mexikanischen Behörden richten in Tijuana einen großen Sicherheitseinsatz für das iranische Team ein, während der Verband in Teheran noch auf die Visa-Bewilligung wartet. Das logistische Unternehmen umfasst Hunderte Einsatzkräfte und grenzüberschreitende Abstimmung, ohne jeden politischen Kommentar.
Das iranische Team steckt in der Visums-Limbofalle und trainiert in der Türkei mit Notfallplänen, während die Weltmeisterschaft vom Krieg überschattet wird. Diplomatische Ungewissheit macht die sportliche Vorbereitung zum Spiegel internationaler Spannungen.
Der iranische Verband hat die FIFA schriftlich um Klarheit und ein festes Datum für Mehrfachvisa gebeten, kurz nach dem Testspielsieg gegen Gambia in der Türkei. Der Verband wird gezeichnet als wartend auf eine klare Antwort, die ausbleibt – wenige Wochen vor dem Turnier.
Der Schatten des Krieges fällt auf die WM: Irans Team hat noch immer keine Einreisevisa. Die bürokratischen Hürden werden zum Sinnbild dafür, wie geopolitische Konflikte den Sport weit jenseits des Spielfelds beeinflussen.
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