Leere Ränge beim zweiten WM-Spiel: FIFA gerät wegen Ticketpreisen unter Druck
Tausende freie Sitze in Guadalajara trotz offiziell nahezu ausverkauftem Stadion entfachen eine Debatte über die dynamische Preisgestaltung und die Glaubwürdigkeit der Zuschauerzahlen.

Der zweite Spieltag der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat die FIFA in eine prekäre Erklärungsnot gebracht. Während das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika im Aztekenstadion vor ausgelassenen 80.000 Zuschauern stattfand, bot die Partie Südkorea gegen Tschechien in Guadalajara ein gänzlich anderes Bild: Tausende rote Sitze blieben unbesetzt, obwohl der Weltverband eine offizielle Kulisse von 44.985 Besuchern bei einer Kapazität von rund 46.000 Plätzen vermeldete. Die Diskrepanz zwischen den visuellen Eindrücken und den Zahlen der FIFA war so eklatant, dass sie umgehend internationale Kritik auslöste. Ein Sprecher des Verbands verteidigte die Angaben mit dem Hinweis, viele Ticketinhaber hätten sich in den Wandelgängen aufgehalten und nicht auf ihren zugewiesenen Plätzen gesessen; die Zählung erfasse alle Personen, die das Stadiongelände betreten. [A3][A5][A9]
Die leeren Ränge sind der sichtbare Ausdruck einer seit Wochen schwelenden Kontroverse um die Ticketpreise. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die dynamische Preisgestaltung kurz vor Turnierbeginn mit Verweis auf die NBA-Finals gerechtfertigt und von einer Nachfrage gesprochen, die die Erwartungen "um mindestens das Zehnfache" übertroffen habe. [A1] Gleichzeitig waren rund 180.000 Eintrittskarten noch nicht verkauft, und für das Endspiel kursierten Preise von bis zu 5.785 Dollar, in Spitzenkategorien sogar fünfstellige Summen. [A4] Politiker in New York und New Jersey leiteten eine formelle Untersuchung der Ticketverkaufspraktiken ein, nachdem Beschwerden über mangelnde Transparenz laut geworden waren. [A4] Aus asiatischer Perspektive kamen weitere Hürden hinzu: Indonesische und spanische Medien berichteten, dass hohe Reisekosten und restriktive Visabestimmungen viele Fans aus Südkorea und Tschechien von der Reise nach Mexiko abgehalten hätten. [A6][A11]
Die geografische Verteilung der Reaktionen offenbart unterschiedliche Schwerpunkte. In den USA, die gemeinsam mit Kanada und Mexiko als Gastgeber fungieren, richtet sich der Blick besorgt auf die kommenden Gruppenspiele mit weniger zugkräftigen Mannschaften – die Bilder aus Guadalajara nähren Zweifel, ob das erweiterte 48-Team-Format auch in den nordamerikanischen Arenen volle Häuser garantieren kann. Europäische Blätter wie "La Repubblica" und "The Independent" hoben den Glaubwürdigkeitsverlust der FIFA hervor, die noch kurz zuvor einen beispiellosen Ansturm auf Tickets verkündet hatte. [A1][A4] In der arabischen Welt titelte "Al Ittihad" zugespitzt, die FIFA "lüge oder schönige" die Zahlen. [A10] Das Forbes-Magazin analysierte, dass die Leerstände vor allem in den teuren Hospitality-Bereichen entlang der Mittellinie zu beobachten waren – ein Indiz dafür, dass das Premiumsegment die Nachfrage überschätzt hat. [A7]
Für den weiteren Turnierverlauf wirft der Vorfall grundsätzliche Fragen auf. Die FIFA muss sich nicht nur mit dem Vorwurf auseinandersetzen, offizielle Zuschauerzahlen systematisch zu beschönigen, sondern auch mit der kommerziellen Tragfähigkeit ihres neuen Formats. Sollten sich die leeren Ränge bei Partien wiederholen, die keine lokalen Mannschaften oder globale Top-Nationen involvieren, dürfte der Druck auf eine Korrektur der Preisstrategie wachsen. Für deutschsprachige Fans, die etwa Spiele der tschechischen Auswahl oder anderer europäischer Teams in Nordamerika verfolgen wollen, sind die Signale wenig ermutigend: Die Kombination aus hohen Eintrittspreisen, Reisekosten und Visa-Auflagen könnte die WM 2026 zu einem Turnier machen, das in den Stadien exklusiver wirkt, als es die FIFA verspricht.
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