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Zwischen Kriegslogik und Spielplan: Irans WM-Team quartiert sich in Tijuana ein

Erstmals steht ein WM-Gastgeber mit einem Teilnehmer im Krieg. Die iranische Nationalelf bezieht ihr Basislager in Mexiko und darf nur an Spieltagen US-Boden betreten – ein Novum mit ungewissen sportlichen Folgen.

Sport8 Quellen6 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 03:24

Die iranische Nationalmannschaft ist am Sonntagmorgen in Tijuana eingetroffen, nicht wie ursprünglich vorgesehen in Arizona. Unter massivem Sicherheitsaufgebot mexikanischer Kräfte bezog das Team sein Quartier für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2026 – doch schon die Ankunft geriet zum Symbol einer historisch beispiellosen Situation. Erstmals in der WM-Geschichte befindet sich ein Gastgeberland, die USA, in einem aktiven militärischen Konflikt mit einer teilnehmenden Nation. Die iranische Delegation, die wegen des Krieges im Nahen Osten ohnehin unter verschärften Reisebedingungen leidet, musste ihr ursprüngliches Camp in den Vereinigten Staaten aufgeben und stattdessen nach Mexiko ausweichen.

Die Reise stand von Beginn an unter diplomatischen Spannungen. Nach Angaben aus Washingtoner Regierungskreisen wurden der Mannschaft zwar Visa für die eigentlichen Spieltage erteilt – eine Entscheidung, an der FIFA-Präsident Gianni Infantino maßgeblich mitgewirkt haben soll. Dreizehn iranische Funktionäre erhielten dagegen keine Einreiseerlaubnis; ihnen werden Verbindungen zur iranischen Revolutionsgarde vorgeworfen. Aus Teheraner Sicht wird dies als „politische Einmischung“ und „diskriminierende Behandlung“ gewertet. Die mexikanischen Behörden in Tijuana erklärten, das Team werde während des gesamten Aufenthalts von Sicherheitskräften begleitet, um unerwünschte Zwischenfälle zu vermeiden.

Die logistischen Folgen sind gravierend. Das iranische Team wird nur an den Spieltagen selbst kurzzeitig in die USA einreisen dürfen – zu den Gruppenspielen gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten in Los Angeles und Seattle. Anders als alle anderen Teilnehmer kann es sich nicht dauerhaft im Wettkampfland akklimatisieren. Die heimische Liga wurde wegen der Kriegshandlungen ausgesetzt, die physische Vorbereitung gilt als lückenhaft. In einem von der iranischen Föderation veröffentlichten Video versuchen die Spieler Normalität zu bewahren: Man sieht den Stürmerstar Mehdi Taremi lesend, andere ruhen oder schauen Filme. Doch die Trainingseinheiten finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, abgeschirmt vom medialen und sportlichen Austausch, der für WM-Teilnehmer sonst selbstverständlich ist.

In der ohnehin schon von Kontroversen begleiteten WM, die mit 48 Teams erstmals in drei Ländern ausgetragen wird, schafft der Fall Iran einen Präzedenzfall. Während die Organisatoren um Trump und Infantino auf einen störungsfreien Ablauf drängen, beobachten europäische Diplomaten in Genf und Brüssel die Entwicklung mit Sorge. Die iranische Mannschaft, die sportlich im Schatten von Belgien um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen wird, muss ihre historisch schwierige Aufgabe unter politischen Ausnahmebedingungen bewältigen. Ob die ständigen Grenzübertritte und die unsichere Lage den Fussballern mental und physisch zusetzen, wird sich auf dem Rasen zeigen – doch schon jetzt ist klar: Der Konflikt zwischen Teheran und Washington hat den Sport längst erreicht.

Diese Geschichte erschien in

8 Quellen · 6 Sprachen · 24h-Fenster

France 248. Juni, 17:07
La Gaceta8. Juni, 19:09
Panorama8. Juni, 17:08
The Ghana Report8. Juni, 23:16
Metrópoles9. Juni, 02:54
G19. Juni, 01:16
Tages-Anzeiger8. Juni, 23:14
Neue Zürcher Zeitung (NZZ)8. Juni, 17:07