WM 2026: Gigantomanie mit 48 Teams und drei Gastgebern stösst auf Kritik
Die erste WM in drei Ländern startet am 11. Juni mit Mexiko gegen Südafrika. 104 Spiele, 16 Stadien und 48 Nationen machen das Turnier zum grössten der Geschichte – doch der neue Modus weckt Zweifel.

Am 11. Juni eröffnet die 23. Fussball-Weltmeisterschaft im mexikanischen Estadio Azteca mit der Partie Gastgeber Mexiko gegen Südafrika – und sie schreibt schon vor dem Anpfiff Geschichte. Erstmals teilen sich drei Nationen die Ausrichtung: die USA, Mexiko und Kanada. In 16 Stadien, verteilt über vier Zeitzonen, werden 48 statt 32 Mannschaften antreten. 104 Partien stehen zwischen dem 11. Juni und dem 19. Juli auf dem Programm, so viele wie nie zuvor; das Endspiel steigt im MetLife Stadium von East Rutherford, New Jersey. Die FIFA hat die Teilnehmerzahl damit um die Hälfte erhöht und das Turnier um eine Woche verlängert – eine Expansion, die selbst den Vergleich mit der letzten Co-Austragung 2002 in Japan und Südkorea winzig erscheinen lässt.
Aus nordamerikanischer Perspektive dominieren Vorfreude und ein gewaltiger Sicherheitsapparat. In den USA, wo 78 der 104 Spiele und elf der 16 Spielorte liegen, hat das FBI mit Bundesbehörden eine der grössten Schutzoperationen der Sportgeschichte aufgespannt; Spezialeinheiten für Geiselbefreiung, Bombenentschärfer und Drohnenabwehr sind im Einsatz. Mexiko und Kanada setzen auf kulturelle Inszenierung: Zum Auftakt wird es erstmals drei separate Eröffnungsfeiern geben – am 11. Juni nacheinander in Mexiko-Stadt, später in Toronto und Los Angeles, mit Stars wie Maná, Alejandro Fernández, Belinda und J Balvin. Wirtschaftlich verspricht die Veranstaltung Rekordgewinne; die lukrativen K.o.-Runden ab dem Viertelfinale konzentrieren sich fast vollständig auf die USA.
Doch nicht überall herrscht Euphorie. Aus asiatischen und europäischen Fankreisen mehren sich kritische Stimmen, die den aufgeblähten Modus als Angriff auf die sportliche Qualität werten. Ein indonesisches Sportportal fragte: «Mehr Länder, mehr Spiele, aber nicht unbedingt mehr Klasse.» Die neue Gruppenphase mit zwölf Vierergruppen und einer Zwischenrunde der besten 32 Teams führe zu taktischem Rechnen und Verwässerung des Wettbewerbs. Für das deutschsprachige Publikum kommt die Zeitverschiebung hinzu; Anstosszeiten am frühen Morgen oder späten Abend könnten die TV-Begeisterung dämpfen.
Die FIFA verteidigt den Wachstumskurs. Das Turnier kehrt nach mehr als drei Jahrzehnten erstmals nach Nordamerika zurück – 1994 trug die USA allein aus – und kopiert das Erfolgsmodell der EM 2016 mit 24 Teams. Die dreifache Co-Austragung könnte zudem als Blaupause für Länder mit begrenzter Infrastruktur dienen. Ob der Gigantismus dem Fussball nützt oder seine Seele untergräbt, wird sich ab dem 11. Juni erweisen. Das historische Experiment birgt die Chance auf globale Begeisterung, aber auch das Risiko der Massenabfertigung.
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