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Wasserkrise in Teheran und Amerikas Südwesten: Reservoire auf historischen Tiefstständen

In Iran kämpft die Hauptstadt mit halbgeleerten Stauseen, während in den USA sechs große Reservoirs die niedrigsten Mai-Pegel seit 30 Jahren verzeichnen – eine transkontinentale Bestandsaufnahme drohender Engpässe.

Energie & Klima6 Quellen3 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 19:01

Die Wasserversorgung zweier Metropolregionen auf verschiedenen Kontinenten steht in diesem Frühjahr unter außergewöhnlichem Druck. Aus Teheran melden die Behörden einen alarmierenden Start in das neue Wasserjahr: Die fünf Talsperren, von denen die iranische Hauptstadt abhängt, verfügten zu Beginn der Saison über lediglich 250 Millionen Kubikmeter Wasser – kaum die Hälfte dessen, was in Dürrejahren üblich ist, und weit entfernt von den 800 Millionen Kubikmetern, die für eine ausgeglichene Bilanz benötigt werden. Zeitgleich hat die US-Bundesbehörde Bureau of Reclamation für sechs große Stauseen – darunter die landesweit größten, Lake Mead und Lake Powell – die niedrigsten Mai-Pegelstände seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1990 dokumentiert. Während die Ursachen regional verschieden sind, eint beide Hemisphären die wachsende Sorge vor sommerlichen Versorgungsengpässen.

Die Zahlen aus dem Einzugsgebiet des Elburs-Gebirges zeichnen ein präzises Bild der Knappheit. Nach Angaben des staatlichen Wasserwirtschaftsunternehmens ist der Amir-Kabir-Damm noch zu 66 Prozent gefüllt, doch der Lar-Stausee, einst eine zentrale Säule der Hauptstadtversorgung, weist mit 73 Millionen Kubikmetern nur noch eine Füllmenge von acht Prozent auf – zehn Prozentpunkte weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Grund ist ein Niederschlagsdefizit von rund dreißig Prozent in der Provinz Teheran sowie in den angrenzenden Gebieten um Qom, Alborz und den Namak-See, wo die Verteilung der Regenfälle in den Einzugsgebieten der Staudämme heuer besonders ungleichmäßig ausfiel. Aus Teheraner Sicht spitzt sich damit eine Entwicklung zu, die schon in den vergangenen Dürrejahren immer wieder zu Rationierungen führte und die Widerstandsfähigkeit der urbanen Infrastruktur infrage stellt.

Im amerikanischen Südwesten offenbart sich ein ähnliches, geografisch jedoch anders gelagertes Problem. Die sechs Reservoirs, die der Behörden-Dashboard als historische Tiefststände ausweist, erstrecken sich über mehrere Bundesstaaten, wobei die Einzugsgebiete des Colorado River die besorgniserregendsten Werte liefern. Lake Mead und Lake Powell, die gemeinsam einen Großteil der Trinkwasser- und landwirtschaftlichen Versorgung von Kalifornien bis Arizona gewährleisten, sind für Ende Mai auf ein Niveau gesunken, das selbst die langjährigen Vergleichsdaten seit 1990 unterbietet. Ein von Newsweek zitierter Experte spricht von “beunruhigenden” Pegeln. In Washington werden die Daten als weiteres Warnsignal für einen bereits überbeanspruchten Fluss gedeutet, dessen Wasserverteilung zwischen mehreren Bundesstaaten schon heute politisch umkämpft ist.

Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse ist mehr als ein statistischer Zufall. Beobachter in beiden Regionen verweisen auf veränderte Niederschlagsmuster und einen steigenden Pro-Kopf-Verbrauch, die das Risiko von Wasserkonflikten erhöhen. Für den Großraum Teheran mit seinen rund neun Millionen Einwohnern bedeutet die aktuelle Reservoirlage, dass bereits geringe weitere Rückgänge eine strikte Bewirtschaftung erforderlich machen werden. In den USA wiederum stehen die Unterzeichnerstaaten des Colorado River Compact unter Zugzwang, die Zuteilungsquoten abermals nach unten zu korrigieren. Über den Sommer hinaus richtet sich der Blick in beiden Fällen auf die Frage, ob großangelegte Investitionen in Aufbereitung und Leckagesanierung mit dem Tempo der klimatischen Veränderungen Schritt halten können.

Diese Geschichte erschien in

6 Quellen · 3 Sprachen · 24h-Fenster

Donya-e Eqtesad27. Mai, 06:15
Hamshahri Online27. Mai, 08:18
Khabar Online27. Mai, 10:26
Newsweek27. Mai, 16:46
Public Television Service (PTS)27. Mai, 08:20
Liberty Times27. Mai, 08:17