Spritpreise in Europa geben nach – doch Normalität bleibt fern
In Schweden sinken die Preise das fünfte Mal in Folge, in Deutschland ist Diesel wieder günstiger als Benzin. Die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten lässt Öl billiger werden, doch die Belastung für Verbraucher bleibt hoch.

Die europäischen Kraftstoffmärkte atmen spürbar durch. In Schweden senkten die großen Tankketten am Mittwoch zum fünften Mal in Folge die Preise – Benzin und Diesel verbilligten sich jeweils um 55 Öre je Liter. Innerhalb einer Woche gab der Benzinpreis um 1,45 Kronen nach, Diesel um 1,55 Kronen. Damit kostet der Liter Super nun knapp unter 18 Kronen, Diesel etwas mehr als 20 Kronen. Die Bewegung erreicht auch die Zapfsäulen im deutschsprachigen Raum. Erstmals seit Wochen liegt Diesel in Deutschland wieder unter dem Preis für Super E10; am 26. Mai notierte E10 im Bundesschnitt bei 1,96 Euro, Diesel bei 1,93 Euro – ein kleiner, aber symbolträchtiger Vorteil von drei Cent, mit dem eine verkehrte Tankstellenwelt vorerst endet.
Der Treiber hinter der Entspannung trägt einen geopolitischen Namen: Hoffnung auf eine baldige Waffenruhe im Nahen Osten lässt die Rohölnotierungen an den Weltmärkten sinken. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die darauffolgende Blockade der Straße von Hormus hatten die Energieversorgung zuvor in eine tiefe Krise gestürzt. Normalerweise passiert etwa ein Fünftel der globalen Kraftstoffexporte die Meerenge; ihr Verschluss ließ die Preise explosionsartig in die Höhe schnellen. Vor diesem Hintergrund wirkt die schwedische Preisserie wie ein erster Lichtblick – getragen von der Erwartung, dass geopolitisches Risiko langsam aus dem Ölpreis weichen könnte.
Doch die Entlastung an der Kasse bleibt halbherzig. Der ADAC zieht eine vernichtende Bilanz: Trotz des seit einem Monat geltenden Tankrabatts und der 12-Uhr-Regel, die höchstens eine Preiserhöhung am Tag zulässt, seien die Spritpreise in Deutschland weiterhin zu hoch. Die Ölpreise seien gesunken, an den Zapfsäulen komme davon aber zu wenig an. Aus Washingtoner Sicht mag der Druck auf Teheran strategisch erwünscht sein, für Verbraucher in Berlin, Wien und Zürich bedeutete er eine anhaltende Kostenbelastung – zumal auch die österreichischen und Schweizer Märkte ähnlich stark am Tropf der internationalen Ölkonjunktur hängen.
Selbst in Schweden, wo die Regierung die Steuerlast auf Benzin um eine Krone und auf Diesel um 40 Öre gesenkt hat, liegt das Preisniveau dramatisch über den Werten vor der Eskalation. Am 28. Februar, dem Tag vor Kriegsbeginn, kostete Benzin noch gut 15 Kronen, Diesel rund 17 Kronen. Die aktuelle Serie von Preissenkungen mag deshalb zwar ein Zeichen der Entspannung sein. Sie bleibt jedoch eine fragile Atempause: Der Golf ist ein Unruheherd, der jederzeit wieder auf die Lieferketten durchschlagen kann. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Energiesysteme einen erheblichen Teil des Öls über die Weltmärkte beziehen, ist die Abhängigkeit von der Region ein strukturelles Risiko. Die fallenden Preise spiegeln noch keine nachhaltige Trendwende wider – eher ein Innehalten der Märkte vor dem nächsten Sturm.
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