Washington forciert Truppenabzug aus Europa: Pentagon legt Nato-Partnern neue Pläne vor
Washington treibt die Reduzierung seiner militärischen Präsenz voran. Das Pentagon will der Nato schon im nächsten Monat konkrete Vorschläge unterbreiten. Der Schritt verschärft die Debatte über Europas Sicherheitsautonomie.

Die Vereinigten Staaten planen einem Medienbericht zufolge, den Abzug ihrer Truppen aus Europa zu beschleunigen und werden der Nato bereits im kommenden Monat entsprechende Vorschläge unterbreiten. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf eine anonyme Quelle im Pentagon. Demnach soll die Neuaufstellung der US-Streitkräfte bei der nächsten Force-Sourcing-Konferenz des Bündnisses konkretisiert werden. Schon im Mai hatte Washington angekündigt, 5.000 der rund 35.000 in Deutschland stationierten Soldaten abzuziehen – ein Prozess, der ursprünglich sechs bis zwölf Monate dauern sollte.
Die neuen Pläne werden in Washington mit dem Erfordernis größerer strategischer Flexibilität begründet. Gegenüber der Zeitung sprach der Pentagon-Insider von Szenarien, in denen die USA „mehreren Konflikten gleichzeitig gegenüberstehen“ könnten. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die Sorge vor einer Überdehnung der Kräfte, etwa in der indopazifischen Region oder im Nahen Osten. Aus europäischer Perspektive indes bestätigt sich der seit langem gehegte Verdacht, dass Präsident Donald Trump die transatlantische Sicherheitsarchitektur grundlegend umbauen will. Bereits seit Amtsantritt drängt er die Verbündeten, ihre Verteidigungsausgaben massiv zu erhöhen, und droht unverhohlen mit einer Reduzierung des US-Engagements.
In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten löst die Nachricht Besorgnis aus. Die Stationierung amerikanischer Truppen gilt nicht nur als militärischer Schutzschirm, sondern auch als politisches Symbol der Westbindung. Ein beschleunigter Abzug könnte das Vertrauen in die Beistandsgarantie des Bündnisses untergraben und die Debatte über eine europäische strategische Autonomie neu entfachen. Beobachter in Moskau dürften die Entwicklung hingegen mit Genugtuung registrieren, verspricht sie doch eine Schwächung der Nato-Präsenz an der Ostflanke, auch wenn die konkreten Standorte des Abzugs noch nicht feststehen.
Als zusätzlicher Treiber der Entfremdung gilt der tiefgreifende Dissens über den Umgang mit dem Iran. Das im Mai verkündete Rückzugsarrangement wurde vielfach als Reaktion Washingtons auf die Weigerung Berlins und anderer Europäer gewertet, den harten Kurs der Trump-Administration gegenüber Teheran mitzutragen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die für den kommenden Monat anberaumte Konferenz zur Truppengestaltung an Brisanz. Sollten die USA dort weitreichende Kürzungen vorlegen, stünde die Nato vor einer ihrer größten Belastungsproben. Für Deutschland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, erwächst daraus die doppelte Herausforderung, sowohl den Bündniszusammenhalt zu wahren als auch Impulse für eine eigenständigere europäische Sicherheitspolitik zu setzen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Washingtons Entscheidung, den Truppenabzug aus Europa zu beschleunigen, offenbart wachsende strategische Schwierigkeiten und die Notwendigkeit, Kräfte neu zu verteilen. Moskau wertet dies als Eingeständnis, dass das bisherige Stationierungsniveau nicht haltbar war, und gibt Europa die Chance, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen und Spannungen abzubauen.
Der beschleunigte Abzug ist ein weiteres Zeichen für den amerikanischen Rückzug aus dem europäischen Schauplatz, angetrieben durch die Kluft beim Iran. Dies löst in Jerusalem große Besorgnis aus, da es die westliche Koalition gegen Teheran schwächt und die iranischen Ambitionen ermutigen könnte, wodurch Israel exponierter würde.
Der amerikanische Schritt signalisiert einen beunruhigenden Rückzug von den Verpflichtungen gegenüber europäischen Verbündeten, verursacht durch die Pattsituation beim Iran. Für die Golfstaaten unterstreicht dies die Unberechenbarkeit Washingtons und das Risiko, dass es seine Präsenz im Nahen Osten ähnlich reduziert, sodass die regionalen Partner dem Iran allein gegenüberstehen.
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