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Sanktionen unterlaufen: Putins Elite jetet weiter mit westlichen Luxusflugzeugen

Trotz westlicher Sanktionen nutzen russische Oligarchen neue Geschäftsreiseflugzeuge aus Kanada und den USA. Eine Recherche enthüllt ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen und neutralen Registrierungen – mit Drehkreuz Dubai.

Geopolitik5 Quellen3 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 11:04

Die engsten Vertrauten Wladimir Putins umgehen die nach dem Überfall auf die Ukraine verhängten Sanktionen offenbar systematisch, um weiterhin westliche Luxusjets zu nutzen. Wie eine Recherche des Wall Street Journal enthüllt, fliegen Persönlichkeiten wie der Rostec-Chef Sergej Tschemesow mit einem rund 75 Millionen Dollar teuren Bombardier Global 7500 regelmäßig nach Dubai, in die Türkei und nach Südostasien. Auch der Geschäftsmann Arkadi Rotenberg, ein langjähriger Weggefährte Putins, soll seit Ende 2022 gleich zwei Bombardier-Global-Maschinen nutzen. Diese Fälle werfen ein Schlaglicht auf die anhaltende Dolce Vita einer Elite, die sich von westlichen Restriktionen kaum beeindruckt zeigt.

Die Umgehungsmethode ist ebenso einfach wie effektiv: Ein Netzwerk von Zwischenhändlern erwirbt die begehrten Flugzeuge auf dem Sekundärmarkt und lässt sie in Ländern registrieren, die sich den Sanktionen nicht angeschlossen haben – darunter Oman, Kasachstan, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate. Anschließend werden die Maschinen nach Russland überführt. Dieses Vorgehen offenbart eine zentrale Schwachstelle des Sanktionsregimes, da die Exportkontrollen durch neutrale Jurisdiktionen ausgehebelt werden.

Die Reiseziele der Oligarchen haben sich seit Kriegsbeginn deutlich verschoben. Während vor 2022 europäische Nobeldomizile – für Tschemesow etwa Immobilien in Spanien – beliebt waren, dienen heute Dubai und andere Metropolen außerhalb des westlichen Einflussbereichs als sichere Häfen. Auch Aserbaidschan und die Türkei haben sich zu bevorzugten Destinationen entwickelt. Diese geografische Neuausrichtung spiegelt die generelle Abkehr der russischen Elite von Europa wider und stärkt parallele Finanz- und Logistikzentren.

Aus Washingtoner Sicht untergräbt diese Praxis die Glaubwürdigkeit der Sanktionen. In Brüssel wächst der Druck auf Drittstaaten, die als Drehkreuze für sanktionierte Güter und Dienstleistungen fungieren. Für Deutschland und die Schweiz, traditionelle Knotenpunkte des internationalen Finanz- und Handelsverkehrs, stellt sich die Frage, wie Dienstleistungen rund um solche Transaktionen wirksamer unterbunden werden können. Solange wichtige Akteure wie die Emirate nicht umfassend kooperieren, bleiben die Sanktionen löchrig – ein Problem, das weit über den Jetset der Oligarchen hinausweist und die gesamte Wirksamkeit des westlichen Druckmittels infrage stellt.

Diese Geschichte erschien in

5 Quellen · 3 Sprachen · 24h-Fenster

The Bell6. Juni, 22:49
La Stampa6. Juni, 22:50
Dagens Nyheter6. Juni, 22:52
Meduza6. Juni, 22:50
Mediaset7. Juni, 08:18