Putin in St. Petersburg: BRICS überflügeln G7, Kampfjet-Angebot an Indien
Russlands Präsident skizziert eine multipolare Ordnung, rühmt die Wirtschaftsstärke der BRICS-Staaten und vertieft die Militärkooperation mit Neu-Delhi.

Mehrere tausend Kilometer von den europäischen Hauptstädten entfernt inszenierte sich Russland auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg erneut als Zentrum einer sich neu formierenden Welt. Vor einem Publikum aus Staatsgästen und Investoren bot Präsident Wladimir Putin Indien die Lieferung des Tarnkappen-Kampfflugzeugs Su-57 an – ein deutliches Signal, dass Moskau seine militärische Zusammenarbeit mit Neu-Delhi vertiefen will. „Wir sind bereit, diese Maschine zu liefern“, erklärte Putin und rühmte zugleich das Fachkräftepotenzial Indiens, das weltweit für seine Programmierer bekannt sei. Die Moderation des von India Today übertragenen Plenums unterstrich den hohen Stellenwert der indisch-russischen Beziehungen, die Putin als „brüderlich und vertrauensvoll“ charakterisierte.
Zentrales Narrativ der Rede war der Aufstieg der BRICS-Staaten und der relative Niedergang des Westens. Putin bezifferte den Anteil der BRICS am globalen BIP-Wachstum der vergangenen fünf Jahre auf 49 Prozent, während die G7 nur 18 Prozent beigetragen hätten. Der Binnenhandel der Gruppe überschreite eine Billion Dollar jährlich. Das schwindende Vertrauen in Dollar und Euro führt er auf die Einfrierung russischer Reserven zurück – ein Schritt, der den westlichen Währungen letztlich selbst schade. Aus Moskauer Sicht zementiert diese Entwicklung den Übergang zu einer multipolaren Ordnung, in der die ehemaligen Finanzzentren ihre Instrumentalisierung für „unlauteren Wettbewerb“ einbüßen.
Die europäischen Eliten griff der Kremlchef scharf an: Ihre Bürokratie verfolge eine kurzsichtige, aggressive Politik, die das Chaos in der Welt befördere und Europas eigene Position schwäche. Ungeachtet der rhetorischen Offensive räumt selbst das kritische Moscow Times ein, dass Putin die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Russlands eher beiläufig behandelte. Zwar verwies er auf ein bewusst herbeigeführtes Abkühlen der Konjunktur, doch Lohnsteigerungen von real über 30 Prozent und eine Arbeitslosenquote von nur 2,2 Prozent stünden für eine stabile, wenn auch „verhaltene“ Wirtschaftsentwicklung.
Gegenüber Washington sandte Putin eine unmissverständliche Botschaft: Indien habe sich noch nie Diktaten von außen unterworfen und werde dies auch unter Premierminister Modi nicht tun. Sanktionsdrohungen würden wie ein Bumerang zurückwirken. Die übermittelten Grüße eines amerikanischen Regierungsvertreters an Putin illustrieren, dass die USA trotz aller Konflikte den Dialog nicht vollends abbrechen. Für Deutschland und Europa bleibt die Erkenntnis, dass der wirtschaftliche und technologische Einfluss des globalen Südens weiter zunimmt – und dass Russland entschlossen ist, diesen Trend politisch zu nutzen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Russland stellt sich als stabile und wachsende Macht dar: Die Reallöhne sind in fünf Jahren um über 30% gestiegen, die Wirtschaft wird bewusst abgekühlt, um die Makrostabilität zu stärken, und die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordtief. Moskau ist bereit, seine fortschrittliche Militärtechnologie mit vertrauenswürdigen Partnern wie Indien zu teilen, und bietet das Kampfflugzeug Su-57 an. Unterdessen werden die europäischen Eliten als kurzsichtige Chaoten dargestellt, die den Kontinent in den Niedergang treiben.
Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg wird zur Bühne, auf der Putin Europa vorwirft, Chaos zu stiften, während eine Seedrohne in einem rumänischen Hafen explodiert und regionale Alarmstimmung auslöst. Der russische Präsident demonstriert Zuversicht bei Löhnen und Wirtschaftsstabilität, doch die Berichte betonen die versteckten Belastungen, die er herunterspielt. Hinter der multipolaren Rhetorik ist der Druck auf die Wirtschaft spürbar.
Von der Bühne des St. Petersburger Forums aus adelt Putin Indien als Schlüsselpartner und brüderlichen Verbündeten und lobt dessen Techniktalente und strategische Unabhängigkeit. Nachdrücklich wird betont, dass die BRICS-Staaten die G7 wirtschaftlich überholt haben und dass Sanktionsdrohungen gegen Delhi unter Modi wie ein Bumerang zurückkommen werden. Das Ereignis wird zur Plattform, um die Rolle des Globalen Südens zu behaupten und den Aufstieg einer multipolaren Ordnung zu feiern.
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