Mojtaba Khamenei beschwört Einheit und prangert psychologische Kriegsführung an
Nach militärischen Niederlagen versuchten die USA und Israel, die iranische Gesellschaft zu spalten, warnte Revolutionsführer Mojtaba Khamenei in einer schriftlichen Erklärung.

Irans neuer oberster Führer, Mojtaba Khamenei, hat die Vereinigten Staaten und Israel in einer schriftlichen Botschaft beschuldigt, nach ihren militärischen Rückschlägen nun die innere Widerstandskraft des Landes zersetzen zu wollen. Die anlässlich des schiitischen Ghadir-Festes und des Todestags von Revolutionsgründer Ruhollah Khomeini verlesene Erklärung markiert den bislang deutlichsten Versuch des erst im März an die Macht gekommenen Geistlichen, die unter Druck stehende Bevölkerung auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. »Ihr Hauptwerkzeug ist es, die Saat des Zweifels, der Verzweiflung, der Angst und des Misstrauens zu säen«, zitierte das Regime-nahe Al-Manar aus dem Text.
Die staatlichen iranischen Medien, darunter Mehr News, stellten die Warnung als Teil einer umfassenden »hybriden Kriegsführung« dar, die sowohl militärische als auch psychologische Dimensionen umfasse. Aus Teheraner Sicht hat der Gegner seine konventionellen Schlachten verloren und sucht nun, durch die Verbreitung von Pessimismus und die Anstachelung innerer Differenzen das System zu destabilisieren. Westliche Beobachter, etwa die Jerusalem Post, unterstrichen hingegen, dass Khamenei selbst vor einem wachsenden Legitimitätsverlust stehe und seine öffentliche Unsichtbarkeit – seit seiner Ernennung hat er sich nur schriftlich geäußert – die Autorität des Amtes untergrabe. Le Figaro wies darauf hin, dass der Revolutionsführer damit ein Regierungsvakuum hinterlasse, das Hardliner aus dem Umfeld der Revolutionsgarden zu füllen versuchten.
Die schwedische Zeitung Aftonbladet griff die anti-amerikanische Rhetorik auf und zitierte Khamenei mit den Worten, die USA hätten mit Israel eine »Militärbasis geschaffen«, von der aus sie nun versuchten, die iranische Gesellschaft zu spalten. Gleichzeitig berichtete die indonesische Republika unter Berufung auf ein Interview von Ex-Präsident Trump, dass Washington weiterhin Interesse an einem direkten Gespräch mit Khamenei habe – obwohl derselbe Trump im Februar die Militäroperation befohlen hatte, bei der Mojtabas Vater Ali Khamenei getötet und er selbst verletzt worden sein soll. Diese widersprüchlichen Signale aus den USA spiegeln die Zerrissenheit einer amerikanischen Nahost-Politik, die zwischen militärischem Druck und dem Drang nach Deeskalation schwankt.
Für Deutschland und Europa wächst der Handlungsdruck. Die psychologische Kriegsführung, die Khamenei anprangert, zielt auf die nukleare Pattsituation und die brüchige Waffenruhe vom Frühjahr. Sollte es Teheran gelingen, das Narrativ der ausländischen Bedrohung glaubhaft zu verankern, wird der Spielraum für diplomatische Angebote – etwa eine Wiederbelebung des Wiener Atomabkommens – noch enger. US-Außenminister Rubio erklärte unterdessen, Khamenei sei »zunehmend auf operativer Ebene engagiert«, was darauf hindeutet, dass er trotz fehlender öffentlicher Auftritte die Kontrolle fest in Händen hält.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Appell zur nationalen Einheit innenpolitisch verfängt oder als Zeichen der Schwäche gedeutet wird. Der Ausgang der sporadischen Gespräche über eine dauerhafte Waffenruhe dürfte davon ebenso abhängen wie die Frage, ob es Mojtaba Khamenei gelingt, das Erbe seines Vaters in einer zerrissenen Region zu konsolidieren.
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