Lebenslange Haft für Tunesiens prominentesten Oppositionspolitiker Rached Ghannouchi
Ein Gericht in Tunis verhängte gegen den 84-Jährigen und weitere Ennahda-Mitglieder lebenslange Haftstrafen. Im Zentrum steht der Vorwurf eines geheimen Sicherheitsapparats mit terroristischen Absichten.

Ein tunesisches Gericht hat Rached Ghannouchi, den 84-jährigen Anführer der islamistischen Ennahda-Bewegung und bekanntesten Widersacher von Präsident Kais Saied, zu lebenslanger Haft verurteilt. Hinzu kommen weitere 30 bis 32 Jahre Freiheitsstrafe, wie übereinstimmend aus Justizkreisen und Medienberichten verlautete. Auch andere führende Köpfe der Partei erhielten drakonische Strafen: der frühere Premierminister Ali Laarayedh wurde zu 42 Jahren Gefängnis verurteilt, der pensionierte Offizier Kamal Badawi zu lebenslanger Haft plus 32 Jahren. Grundlage der Urteile ist die sogenannte „Geheimapparat“-Affäre, in der den Angeklagten die Bildung eines geheimen Sicherheitsapparats zur Planung terroristischer Handlungen vorgeworfen wird.
Die Verurteilung markiert einen weiteren Tiefpunkt in der Zerschlagung der politischen Opposition unter Präsident Saied. Nach seinem Wahlsieg 2019 regiert der frühere Verfassungsrechtler zunehmend autoritär: Er entmachtete das Parlament, schränkte die Justiz ein und ließ die Verfassung per Referendum ändern. Die Präsidentschaftswahl 2024, bei der er mit über 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, gilt international als Farce. Ghannouchi, der mit Ennahda die ersten freien Wahlen nach dem Arabischen Frühling 2011 gewann und die tunesische Politik ein Jahrzehnt prägte, war bereits 2023 festgenommen und in mehreren Verfahren zu insgesamt 40 Jahren Haft verurteilt worden. Nun wurde das Strafmaß nochmals verschärft.
In der arabischen Welt wird das Urteil vor allem als Schlag gegen den politischen Islam und die Muslimbruderschaft-nahe Ennahda gewertet. Kommentatoren in der Region sehen darin das Ende einer Ära und rechnen mit einem behördlichen Verbot der Partei. Aus europäischer Perspektive hingegen überwiegt die Sorge um die demokratischen Rückschritte in Tunesien, dem einstigen Vorzeigeland des Arabischen Frühlings. Die Bundesregierung und die EU hatten die Entwicklung in den letzten Jahren wiederholt kritisiert, jedoch bleibt der Hebel begrenzt, da Tunesien als wichtiger Partner in der Migrationskontrolle gilt. Der tunesische Staat selbst stellt die Verfahren als notwendigen Kampf gegen den Terrorismus dar.
Die langfristigen Folgen für das nordafrikanische Land sind gravierend. Mit der Ausschaltung Ennahdas verliert die politische Landschaft eine ihrer einflussreichsten Kräfte, was den Weg für eine weitere Machtkonzentration bei Saied ebnet. Beobachter befürchten ein endgültiges Abgleiten in ein autoritäres System, das innenpolitische Spannungen verstärken und die wirtschaftliche Krise verschärfen könnte. Für Europa bedeutet dies ein schwieriges Abwägen: Einerseits drängt Berlin auf rechtsstaatliche Mindeststandards, andererseits will man den migrationspolitischen Partner nicht verlieren. Die endgültige Urteilsverkündung ohne Berufungsmöglichkeit dürfte das bilaterale Verhältnis weiter belasten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Der Oppositionsführer Rached Ghannouchi, einst Symbol des demokratischen Aufbruchs, wird von einem Gericht des zunehmend autoritären Regimes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das jüngste Urteil gegen einen politischen Gegner vertieft den illiberalen Kurs von Präsident Saied, der nach der Wahlfarce 2024 jede Opposition mit vorgeschobenen Terrorismusvorwürfen mundtot macht.
Ein tunesisches Gericht schließt das Kapitel des ‚geheimen Apparats‘ der Ennahda und verurteilt ihren historischen Anführer zu lebenslanger Haft. Die harten Strafen wegen Terrorismus markieren einen Wendepunkt im Vorgehen gegen den von der Muslimbruderschaft inspirierten politischen Islam, mit möglichen rechtlichen und politischen Folgen über die Verurteilten hinaus.
Rached Ghannouchi, bereits zu 40 Jahren Haft verurteilt, erhält nun lebenslänglich plus 32 Jahre im Fall des ‚geheimen Apparats‘. Die extrem harten Strafen gegen frühere Regierungspolitiker werfen Fragen zum Einsatz der Anti-Terror-Justiz auf.
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