Japan: Wachstumsdämpfer trotz Exportstärke – Pensionsfonds auf Rekordjagd bei Auslandsanleihen
Japans Wirtschaft wuchs im ersten Quartal nur noch 1,8 Prozent – schwächere Investitionen trüben das Bild. Indes kaufen Pensionskassen so viele ausländische Anleihen wie nie, und die Unternehmensverschuldung steigt.

Die japanische Wirtschaft hat zu Jahresbeginn an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal auf annualisierter Basis nur noch um 1,8 Prozent, wie das Kabinettsbüro am Montag mitteilte. In einer ersten Schätzung war noch ein Plus von 2,1 Prozent verzeichnet worden. Ausschlaggebend für die Revision war eine schwächere Investitionstätigkeit der Unternehmen: Die Ausgaben für Ausrüstungen fielen um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nachdem zunächst ein Minus von 0,3 Prozent angenommen worden war. Ökonomen hatten eine Korrektur erwartet, nachdem Umfragen einen Rückgang der Investitionspläne signalisiert hatten. Zwar stützten der private Konsum und die Exporte die Konjunktur, doch die Eskalation des Iran-Konflikts gegen Ende des Berichtszeitraums mit stark steigenden Ölpreisen dämpfte die Zuversicht.
Das überarbeitete Bild relativiert die anfängliche Wachstumsfreude. Auf nichtannualisierter Basis legte das BIP nur um 0,45 Prozent zu, nach zuvor gemeldeten 0,51 Prozent. Die Korrektur ist vor allem der monatlichen Unternehmensbefragung des Finanzministeriums geschuldet, die eine deutliche Zurückhaltung bei den Investitionen offenbarte. Aus Tokioter Sicht wiegt das schwer, denn die Binnennachfrage sollte die exportabhängige Wirtschaft stützen. Beobachter in Berlin sehen Parallelen zur deutschen Konjunktur, die ebenfalls unter Investitionszurückhaltung leidet, während die Außenwirtschaft robust bleibt.
Kontrastierend dazu präsentiert sich die Außenbilanz. Im April wies die Leistungsbilanz einen Überschuss von 3,91 Billionen Yen aus, 15 Monate in Folge positiv. Getrieben wurde der Anstieg von höheren Einkommen aus Auslandstöchtern und einem Handelsüberschuss von 396 Milliarden Yen, nach einem leichten Defizit im Vorjahr. Die Exporte schnellten um 13,9 Prozent in die Höhe, befeuert von der robusten Nachfrage nach Halbleitern und Elektronikkomponenten. Aus Washingtoner Sicht ist diese Entwicklung zwiespältig: Sie stärkt den Yen, signalisiert aber auch die anhaltende Wettbewerbsfähigkeit japanischer Technologiekonzerne.
Während die Realwirtschaft hadert, suchen japanische Großanleger ihr Heil im Ausland. Treuhandkonten der Pensionsfonds erwarben im Mai per Saldo ausländische Anleihen im Rekordwert von 3,16 Billionen Yen, so viel wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen 2005. Ein großer Teil der Mittel sei vermutlich in US-Staatsanleihen geflossen, so Miki Den von SMBC Nikko Securities, angelockt von auf 4,69 Prozent gestiegenen Renditen. Gleichzeitig fahren Japans Unternehmen ihre Verschuldung hoch: Die Kredite der im Nikkei 225 gelisteten Firmen summierten sich auf 678 Billionen Yen – ein Plus von 4,6 Prozent – befeuert durch Rekord-Fusionen, hohe Investitionen und den Druck der Aktionäre. Ratingagenturen reagieren mit vermehrten Herabstufungen. Damit kehrt sich das traditionelle Bild des bargeldhortenden japanischen Konzerns um.
Der Ausblick bleibt von geopolitischen Risiken überschattet. Die Lage im Nahen Osten könnte den Ölpreis weiter treiben und die globale Nachfrage belasten. Für Europa, insbesondere exportorientierte Länder wie Deutschland und Österreich, bedeutet ein schwächeres Japan geringere Impulse für den Handel. Zugleich birgt die japanische Schuldenwelle Risiken für die Finanzstabilität, falls die Zinsen weiter steigen. Die Bank of Japan steht vor einem schwierigen Balanceakt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Japanische Medien heben die rekordhohen Abflüsse in ausländische Anleihen und die steigende Unternehmensverschuldung hervor und warnen vor Rating-Druck. Die Abwärtskorrektur des BIP wird auf Investitionskürzungen aufgrund der Iran-Turbulenzen zurückgeführt, was Zweifel an der Wachstumsstabilität aufkommen lässt. Ein nüchterner Bericht über in- und externe Risiken.
Europäische Medien vermelden Japans wachsenden Leistungsbilanzüberschuss und die Abwärtskorrektur des BIP, wobei sie die Zahlen distanziert darlegen. Auch der starke Rückgang der asiatischen Aktienmärkte wird erwähnt und fügt eine besorgte Note hinzu. Eine sachliche Momentaufnahme ohne Wertung.
Südostasiatische Medien stellen fest, dass Japans Wirtschaft trotz robuster Konsum- und Exportwerte aufgrund eines einbruchsartigen Investitionsrückgangs im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt nach unten korrigiert wurde. Die Widerstandsfähigkeit in Schlüsselbereichen wird anerkannt, die Gesamtrevision jedoch mit Enttäuschung aufgenommen.
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