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Easyjet wehrt sich gegen Übernahmeversuch von US-Fonds Castlelake

Der Billigflieger bezeichnet das Interesse als „hoch opportunistisch“, der Aktienkurs steigt dennoch zweistellig. EU-Regeln könnten den Deal erschweren.

Finanzen4 Quellen3 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 14:25

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet hat das Übernahmeinteresse des US-Investmentfonds Castlelake scharf zurückgewiesen. Das Unternehmen bezeichnete die Avancen am Montag als „hoch opportunistisch“ und betonte, dass bislang weder Gespräche noch ein formelles Angebot vorlägen. Dennoch reagierte die Börse euphorisch: Der Aktienkurs in London stieg zeitweise um mehr als elf Prozent und erreichte den höchsten Stand seit Anfang März. Anleger spekulieren darauf, dass der Vorstoß eine Konsolidierungswelle im europäischen Luftverkehr einläuten könnte.

Castlelake hatte am späten Freitagabend mitgeteilt, sich in einem frühen Stadium der Prüfung eines Kaufangebots zu befinden. Der Fonds mit Sitz in Minneapolis hält über von ihm verwaltete Fonds derzeit rund 2,14 Prozent an Easyjet und stellte ein Mindestgebot von 403,23 Pence je Aktie in Aussicht. Dies würde die Gesellschaft mit mindestens 3,06 Milliarden Pfund bewerten. Easyjet konterte, der Zeitpunkt sei bewusst gewählt, da die Aktie durch den Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundene Verunsicherung der Kunden sowie gestiegene Kerosinpreise vorübergehend niedrig notiere. Das Management sei jedoch verpflichtet, jedes seriöse Angebot im Interesse der Aktionäre zu prüfen.

Aus europäischer Perspektive rücken die strengen Eigentums- und Kontrollvorschriften der EU in den Fokus. Diese verlangen, dass Airlines mit einer Betriebsgenehmigung in der Europäischen Union mehrheitlich von EU-Staatsangehörigen oder -Unternehmen gehalten und tatsächlich kontrolliert werden müssen. Castlelake müsste daher eine komplexe Beteiligungsstruktur aufbauen, um die faktische Kontrolle zu erlangen, ohne gegen diese Regeln zu verstoßen. Branchenbeobachter in der Schweiz und in Österreich, wo Easyjet bedeutende Basen unterhält, sehen darin eine der größten Hürden für eine Übernahme. In Großbritannien, das nach dem Brexit nicht mehr an die EU-Vorschriften gebunden ist, gelten ähnliche Regeln, die jedoch eine Übernahme durch einen außereuropäischen Investor nicht grundsätzlich ausschließen.

Nach dem britischen Übernahmekodex hat Castlelake nun bis zum 26. Juni Zeit, ein festes Angebot vorzulegen oder seine Absichten aufzugeben. Bis dahin werden die Aktienkurse volatil bleiben. Für Easyjet, die vor allem in der Erholungsphase nach der Pandemie wieder an Fahrt gewinnen will, kommt die ungebetene Annäherung zur Unzeit. Die Airline ist mit zahlreichen Verbindungen fest im deutschsprachigen Markt verankert und bedient allein von Deutschland aus mehr als ein Dutzend Ziele. Ein Eigentümerwechsel könnte die Strategie des Unternehmens durcheinanderwirbeln – sofern die regulatorischen Hürden überwunden werden können.

Diese Geschichte erschien in

4 Quellen · 3 Sprachen · 24h-Fenster

Dagens Industri1. Juni, 09:39
The Independent1. Juni, 11:46
Tages-Anzeiger1. Juni, 11:46
Bloomberg1. Juni, 08:27