Anmelden
Ausgabe von 20:00 CETDonnerstag, 11. Juni 2026
287 Quellen · 16 Sprachen0 Briefings heute
Freitag, 5. Juni 2026 · Ausgabe von 10:00 CET

Backrooms: Wie ein Internet-Mythos zur Horror-Sensation wurde

Mit nur 20 Jahren hat Regisseur Kane Parsons aus einem viralen YouTube-Universum den erfolgreichsten A24-Film aller Zeiten gemacht – ein Beleg für die Macht digitaler Kreativität.

Gesellschaft6 Quellen1 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 15:40

Dass ein Film über scheinbar endlose, mit gelber Tapete ausgekleidete Büroflure zum meistgesehenen Horror-Streifen eines renommierten Independent-Studios avanciert, unterstreicht den tektonischen Wandel im Genre. Das Langfilm-Debüt des 20-jährigen Kane Parsons, „Backrooms“, hat in den USA beim Produzenten A24 einen Startrekord aufgestellt und begeistert weltweit ein junges Publikum. So wie die mythischen Korridore selbst einer unentrinnbaren Sogwirkung folgen, scheint der Hype um den Film unaufhaltsam.

Die Ursprünge liegen tief im Internet. 2019 tauchte auf dem anonymen Forum 4chan eine düstere Kurzgeschichte auf – ein sogenannter Creepypasta –, die das Bild eines liminalen Raums entwarf: verlassene, schlicht beleuchtete Hinterzimmer, aus denen es kein Entkommen gibt. BBC Persian verweist auf 30 Milliarden Aufrufe auf TikTok, die das Phänomen zum globalen Bildgedächtnis der Generation Z machten. Parsons, damals 13 Jahre alt, griff den Stoff auf, verwebte ihn ab 2022 in eine Found-Footage-Webserie auf YouTube und erntete Millionen Klicks. Schon mit 16 galt er als digitales Wunderkind.

Aus europäischer Perspektive, etwa in italienischen und französischen Medien, wird „Backrooms“ als Teil einer Welle gewertet, in der sich YouTuber und TikToker von komödiantischen Sketchen zu anspruchsvollen Horrorfilmen wandeln – von Talk to Me bis Iron Lung. Le Devoir zitiert Branchenexperten, die darin nicht nur eine vorübergehende Mode, sondern eine strukturelle Verschiebung der Filmbranche sehen. Lateinamerikanische Kommentatoren wie in El Espectador und Clarín betonen wiederum die kulturelle Aufladung der liminalen Ästhetik: Sie appelliere an ein tiefes Unbehagen in einer von Digitalisierung geprägten Alltagswelt, die längst selbst zu einem Labyrinth geworden sei.

Dass Parsons dem blanken Horror eine psychologische Tiefe verleiht, bemerken insbesondere spanische Beobachter. El Confidencial verweist auf C.G. Jungs Schattenkonzept; der Protagonist Clark, ein gescheiterter Architekt, muss sich in den Räumen seiner eigenen verdrängten Ängste stellen – ein Narrativ, das im zeitgenössischen Therapiediskurs widerhallt. Ob der Hype von Dauer ist, bleibt offen. Sicher ist, dass die Grenzen zwischen Social-Media-Kreativität und klassischem Kino endgültig verschwimmen.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa iraniana e affini · regimeStampa atlantica / anglosfera · progressistaStampa europea continentale · mediterraneaStampa latinoamericana · bolivariana_progressista
Stampa iraniana e affini/ regimedistaccoironia

Eine weitere Kreatur der Hollywood-Industrie entspringt dem gewaltigen Bilderarchiv des Internets. Endlose gelbe Gänge voller anonymer Monster fesseln Millionen junge Zuschauer, ein Phänomen, das die westliche Presse vorbehaltlos feiert. Die eigentliche Nachricht ist die Macht des digitalen Marketings, das eine kollektive Angst in ein Kinoprodukt verwandelt.

Stampa atlantica / anglosfera/ progressistatrionfopragmatismo

Die neuen Meister des Horrors kommen nicht von Filmhochschulen, sondern von YouTube. Backrooms und andere aktuelle Filme beweisen, dass auf Videoplattformen herangewachsenes Talent kritischen und kommerziellen Erfolg haben und die Horror-Industrie umgestalten kann. Expertinnen sehen darin eine unvermeidliche und vielversprechende Weiterentwicklung, eine Einpflanzung digitaler Energie in das traditionelle Kino.

Stampa europea continentale/ mediterraneatrionfoironia

Vom 4chan-Creepypasta zum besten A24-Start aller Zeiten – Backrooms ist ein Triumph des von unten gewachsenen Sci-Fi-Horrors. Der erst zwanzigjährige, autodidaktische Regisseur verwandelt liminale Albträume in eine Bildsprache, die Found Footage und Videospiel vereint. Die bittere Ironie einer therapiebesessenen Moderne findet in diesem Film ihren treuesten Spiegel.

Stampa latinoamericana/ bolivariana_progressistascetticismopaternalismo

Eine virale liminale Ästhetik reicht nicht aus, um einen Spielfilm zu tragen. Das Labyrinth von Kane Parsons hebt, ausgehend von einer faszinierenden Idee über Übergangsorte, nicht ab und verfängt sich in einer Verpackung, die dem Webformat verhaftet bleibt. Kinematografische Ambitionen treffen auf eine Inszenierung, die über die digitale Faszination nicht hinauskommt und die Zuschauer in einem Sinnvakuum zurücklässt.

Diese Geschichte erschien in

6 Quellen · 1 Sprachen · 24h-Fenster

El Espectador5. Juni, 11:29
Wired Italia5. Juni, 06:55
Clarín5. Juni, 12:40
BBC Persian5. Juni, 06:55
Le Devoir5. Juni, 06:55
El Confidencial5. Juni, 12:39