Air-India-Absturz: Ein Jahr danach noch kein Abschlussbericht
Am ersten Jahrestag des Flugzeugunglücks von Ahmedabad mit 260 Toten legte die indische Untersuchungsbehörde einen Zwischenstand vor. Angehörige und der einzige Überlebende warten weiter auf Klärung der Ursache.

Ein Jahr nach dem schwersten Luftfahrtunglück in Indien seit einem Jahrzehnt hat die Aircraft Accident Investigation Bureau (AAIB) am Freitag eine Zwischenbilanz veröffentlicht, jedoch keinen abschließenden Untersuchungsbericht vorgelegt. Die Behörde sprach den Familien ihr tiefstes Beileid aus und betonte, die Ermittlungen würden ‚umfassend und integriert‘ geführt, um Sicherheitslehren zu ziehen – nicht, um Schuld zuzuweisen. Der Minister für Zivilluftfahrt, Ram Mohan Naidu, bekräftigte, die Untersuchung werde mit ‚Sorgfalt und Professionalität‘ fortgesetzt. Doch für die Hinterbliebenen der 260 Toten, die sich am Freitag zu Gebeten und einer Lichterzeremonie in Ahmedabad versammelten, ist die ausbleibende finale Klärung eine Quelle anhaltender Frustration.
Der einzige Überlebende, der britische Staatsbürger Vishwash Kumar Ramesh, der heute wieder in Leicester lebt, sprach am Jahrestag über seine tiefen psychischen Narben. Er verlor bei dem Absturz seinen Bruder Ajay und kämpft seither mit Traumata und finanziellen Schwierigkeiten. ‚Überleben ist nur ein Teil der Geschichte‘, sagte er und forderte von den Behörden Transparenz und Rechenschaft. Auch andere Angehörige, darunter Atulbhai Patel aus Surat, dessen Tochter als Physiotherapeutin in Großbritannien arbeitete, verlangen endlich Antworten. Viele haben zwar Entschädigungszahlungen erhalten – nach Angaben der Tata Group, der Muttergesellschaft von Air India, wurden in 91 Prozent der Fälle Ex-gratia-Zahlungen von einer Crore Rupien geleistet –, doch das Bedürfnis nach Aufklärung bleibt ungestillt.
Die Ermittler haben nach eigenen Angaben erhebliche Fortschritte bei der Analyse von Flugdatenschreibern, technischen Systemen und menschlichen Faktoren erzielt. Ein vorläufiger Hinweis auf ein Problem mit der Treibstoffzufuhr wurde in einigen Medienberichten erwähnt, doch die AAIB mahnt zur Zurückhaltung: Die Öffentlichkeit solle keine voreiligen Schlüsse ziehen, bevor der Abschlussbericht vorliege. Die Untersuchung folgt den Standards der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), die eigentlich einen Bericht innerhalb eines Jahres vorschreiben; die Behörde hat jedoch signalisiert, dass weitere Zeit benötigt wird. Dieser Schwebezustand nährt Spekulationen, zumal die Boeing 787-8 ‚Dreamliner‘ ein weltweit verbreitetes Modell ist und die Ergebnisse auch für Luftfahrtbehörden in Europa, einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz, von Bedeutung sein werden.
Die Katastrophe vom 12. Juni 2025, bei der die Maschine kurz nach dem Start in Ahmedabad in ein Studentenwohnheim stürzte, hat nicht nur in Indien tiefe Wunden hinterlassen. Auf der Insel Diu, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie, kannte fast jeder eines der Opfer; sieben portugiesische Staatsangehörige und zahlreiche britische Passagiere mit Wurzeln in Diu kamen ums Leben. Während die beschädigten Gebäude des B.J. Medical College noch immer die Narben des Aufpralls tragen, bleibt die Frage nach dem Warum unbeantwortet. Die AAIB verspricht einen gründlichen, evidenzbasierten Abschlussbericht – doch wann er erscheint, ist offen. Für die Luftfahrtindustrie könnte er entscheidende Lehren bereithalten, um die Sicherheit eines der meistgenutzten Langstreckenflugzeuge zu verbessern.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Ein Jahr danach betont die Untersuchungsbehörde, die Ermittlungen seien umfassend und nicht auf Schuldzuweisungen ausgerichtet. Der einzige Überlebende Vishwash Ramesh spricht über seine körperlichen und seelischen Narben, während Angehörige weiterhin Antworten und Rechenschaft fordern.
Angehörige der 260 Opfer versammeln sich in Ahmedabad zu Gebeten und Kerzenwachen. Ein Jahr nach der Tragödie ist die Trauer noch frisch, und das Warten auf offizielle Ursachen verbindet sich mit dem Gedenken.
Das Boeing-787-Unglück wirft neue Fragen zur Sicherheit des Dreamliners auf. Der einzige Überlebende wird zum Gesicht einer Tragödie, die indische Behörden langsam untersuchen, während die Branche globale Auswirkungen befürchtet.
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