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Zwischen den Feuerpausen: Iran und USA tauschen erneut Luftschläge aus

Nach US-Angriffen auf iranische Drohnenstellungen antwortet Teheran mit Vergeltung auf eine US-Basis. Der fragile Waffenstillstand gerät ins Wanken, während die Ölpreise weltweit anziehen.

Geopolitik23 Quellen10 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 04:02

Die kriegsgeplagte Region am Persischen Golf erlebte in der Nacht zum Donnerstag eine weitere gefährliche Eskalation. Das US-Militär griff nach eigenen Angaben eine Bodenkontrollstation für Drohnen bei Bandar Abbas an und schoss vier iranische Angriffsdrohnen ab, die eine Bedrohung für amerikanische Kräfte und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus dargestellt hätten. Nur wenige Stunden später meldete das iranische Staatsfernsehen unter Berufung auf die Revolutionsgarden einen Vergeltungsschlag: Um 4:50 Uhr Ortszeit sei jene US-Luftbasis attackiert worden, von der die vorangegangenen Angriffe ausgegangen seien. Kuwait, ein enger Verbündeter Washingtons, bestätigte zeitgleich den Einschlag von Raketen und Drohnen auf seinem Territorium, was die Vermutung nährt, dass sich die getroffene Basis dort befindet.

Der neuerliche Schlagabtausch reiht sich in eine Serie von Zwischenfällen ein, die den erst Anfang April vereinbarten Waffenstillstand zunehmend aushöhlen. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um „maßvolle, rein defensive“ Aktionen zur Aufrechterhaltung der Feuerpause. Präsident Donald Trump selbst hatte wenige Stunden zuvor Berichte über eine kurz bevorstehende Einigung mit Teheran zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt im Hormus dementiert und dabei unverhohlen gedroht: Sollte Oman versuchen, die Wasserstraße zu kontrollieren, werde man das Land „in die Luft jagen“. Die iranische Führung wies diese Drohungen als Beweis für die Unzuverlässigkeit Washingtons zurück und kündigte für den Fall weiterer Aggression eine „entschlossenere“ Antwort an.

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen bekamen die internationalen Rohstoffmärkte zu spüren. Der Preis für die Nordseesorte Brent schnellte nach den Explosionen in Bandar Abbas um über drei Prozent auf fast 98 Dollar pro Barrel, bevor er sich nach Gerüchten über eine mögliche Einigung wieder leicht abschwächte. Auch die asiatischen Leitbörsen gaben überwiegend nach. Beobachter in Peking vermerkten, dass die erneuten Spannungen die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten offenlegten – rund ein Fünftel des weltweiten Öltransits passiert die Straße von Hormus. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die gemeinsam stark von Energieimporten abhängig sind, bedeutet jeder länger anhaltende Konflikt an dieser Nadelöhr-Passage steigende Preise und konjunkturelle Risiken.

Die militärischen Kämpfe im Nahen Osten blieben nicht auf den Persischen Golf beschränkt. Zeitgleich bombardierte die israelische Luftwaffe erneut Ziele in Beirut und im Südlibanon, wobei Dutzende Menschen getötet wurden. Damit verknüpfen sich die Spannungen zwischen Washington und Teheran mit den fortgesetzten israelischen Operationen gegen die Hisbollah und die Hamas, was einen umfassenden regionalen Flächenbrand befürchten lässt. Die diplomatischen Bemühungen um eine umfassende Waffenruhe gleichen derweil einer Hängepartie: Während iranische Unterhändler auf eine rasche Unterzeichnung drängten, ließ Trump über seinen Stab mitteilen, er benötige „einige Tage zur Prüfung“.

Ob der kaum noch atmende Waffenstillstand hält, hängt nicht zuletzt von der Glaubwürdigkeit der amerikanischen Zusicherung ab, dass die Luftschläge kein Vorspiel für eine neue Offensive seien. In Teheran und unter verbündeten Milizen wächst die Überzeugung, dass Washington den Konflikt bewusst am Köcheln hält. Gleichzeitig signalisieren die schwankenden Ölpreise die Nervosität der Märkte, die jede neue Eskalation als Vorboten einer dauerhaften Blockade des Hormus interpretieren. Ohne eine belastbare diplomatische Lösung droht der Schlagabtausch zur neuen Normalität im Persischen Golf zu werden – mit unabsehbaren Konsequenzen für die Weltwirtschaft.

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