Zweite Jacke, kein ‹woker› Bond: Kultfiguren zwischen Artefakt und Identität
Idris Elba hält einen schwarzen 007 für kaum durchsetzbar, Komiker Alfons rettet seine Bühnenexistenz mit einem Fundstück, und Katy Perry zeigt sich mit Justin Trudeau auf dem roten Teppich.

Die Frage, ob James Bond auch ein schwarzer Geheimagent sein könnte, treibt die Filmwelt seit Jahren um. Der britische Schauspieler Idris Elba, über ein Jahrzehnt als möglicher Nachfolger gehandelt, hat nun im Gespräch mit dem Magazin «GQ» für klare Worte gesorgt. Er selbst habe die Rolle wegen seiner Hautfarbe stets für unrealistisch gehalten, ein schwarzer 007 komme realistisch gesehen in manchen Märkten einfach nicht an, erklärte der 53-Jährige. Aus italienischer Perspektive spitzt Adnkronos die Aussage zu: Bond werde nie eine «woke» Figur sein, so Elba. Hinter der nüchternen Marktanalyse steht eine Debatte, die weit über das Kino hinausreicht – sie berührt kulturelle Erwartungen in Asien ebenso wie die Repräsentationsdebatte in den Vereinigten Staaten. Dass ausgerechnet ein globales Franchise vor kulturellen Tabus kapitulieren könnte, ist ein Befund, der auch im deutschsprachigen Raum aufmerksam registriert wird, wo öffentlich-rechtliche Sender und private Streamingdienste zunehmend auf Diversität setzen.
Dass kulturelle Identität manchmal an einem einzigen Gegenstand hängt, beweist ein ganz anderer Fall aus Deutschland. Der Comedian Emmanuel Peterfalvi, besser bekannt als Alfons, hat nach über zwanzig Jahren endlich eine zweite orangefarbene Trainingsjacke aufgetrieben. Das Original lieh er sich im Jahr 2000 beim Kostümausstatter «Theaterkunst» in Hamburg aus – und erschuf damit die Kunstfigur des Franzosen mit Puschelmikrofon und akzentgefärbtem Deutsch. Doch eine Ersatzjacke war nie zu beschaffen, bis Peterfalvi die gleiche Jacke kürzlich in der Berliner Filiale der Kette zwischen DDR-Reliquien wiederentdeckte. Ohne sie, so der 59-Jährige, würde es Alfons nicht mehr geben. Ein banaler Bekleidungsfund wird so zur Existenzgeschichte einer deutschen Bühnenfigur, die auf absurde Weise Nostalgie mit der Fragilität komischer Kunst vereint.
Auf der anderen Seite des Atlantiks inszeniert sich derweil ein neues Glamour-Paar, das die Grenzen zwischen Popkultur und Politik sprengt. Die Sängerin Katy Perry und der frühere kanadische Premierminister Justin Trudeau sind beim Tribeca Film Festival in New York erstmals gemeinsam über den roten Teppich geschritten. Perry trug ein weißes Vintage-Kleid des Hauses Lanvin aus der Kollektion von 1987 mit griechisch inspirierter Drapierung und floralen Details, Trudeau erschien im Smoking. Nachrichten aus dem arabischen Raum und aus Indonesien heben hervor, wie die beiden zärtliche Blicke austauschten und sich mit den Stirnen berührten – eine symbolische Geste, die CNN Arabic zu einer Geschichte über die öffentliche Zurschaustellung einer Beziehung macht, die Ende 2025 bekannt wurde.
Was die drei Erzählungen verbindet, ist die fragile Konstruktion öffentlicher Personen und die Frage, für welches Publikum sie eigentlich gedacht sind. Idris Elbas Bond-Debatte zeigt, wie weltweite Vermarktbarkeit rassifizierte Grenzen reproduzieren kann – und wie schwer sich ein globales Eigentum mit lokalen Befindlichkeiten vereinbaren lässt. Alfons’ zweite Jacke hingegen zelebriert das Gegenteil: die Treue zu einer Kleinigkeit, die in einem sehr spezifischen kulturellen Kosmos verankert ist und dennoch Generationen von Fernsehzuschauern begeistert. Das Auftreten von Perry und Trudeau schliesslich deutet auf eine Zukunft, in der politische Vergangenheit nahtlos in Celebrity-Präsenz übergeht – eine Entwicklung, die in europäischen Monarchien und Republiken gleichermassen mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis beobachtet wird. Für die Bond-Produzenten dürfte die Frage der nächsten Besetzung zu einer diplomatischen Gratwanderung werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Kontinentaleuropäische Medien stellen Idris Elbas Aussage heraus, ein schwarzer Bond käme in manchen Kulturen nicht an, die Figur solle nicht „woke“ werden. Dazu kommt die heitere Geschichte von Komiker Alfons, der nach über zwanzig Jahren eine zweite orangefarbene Trainingsjacke ergattern konnte.
Die Golfpresse stellte das gemeinsame Red-Carpet-Debüt von Katy Perry und Justin Trudeau beim Tribeca Film Festival heraus, mit Schwerpunkt auf ihrem weißen Vintage-Kleid von Lanvin und dem innigen Miteinander vor den Fotografen.
Südostasiatische Medien berichteten mit liebevoll-spielerischen Worten über das gemeinsame Red-Carpet-Debüt von Katy Perry und Justin Trudeau, hoben die verliebten Blicke und die romantische Ausgehstimmung hervor – sie in betagtem Weiß, er im Smoking.
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