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WM 2026: Warum das größte Turnier aller Zeiten weniger Besucher anlockt als erhofft

Trotz über fünf Millionen verkaufter Tickets und 48 teilnehmender Nationen melden US-Gastgeberstädte enttäuschende Hotelbuchungen. Hohe Kosten, Visahürden und Trumps Politik vergrätzen internationale Fans – während Mexiko mit einem Fan-Weltrekord gegensteuert.

Wirtschaft5 Quellen3 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 19:05

Noch nie war eine Fußball-Weltmeisterschaft größer – und doch droht sie, zur touristischen Enttäuschung zu werden. Am 11. Juni beginnt das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko, 48 Teams tragen 104 Partien aus. Über fünf Millionen Eintrittskarten wurden verkauft, doch in den amerikanischen Spielorten bleiben die Hotelbuchungen weit hinter den Erwartungen zurück, wie die American Hotel & Lodging Association bestätigt. Aus Washingtoner Sicht ist dies ein Alarmsignal: Der internationale Tourismus in die Vereinigten Staaten ist im vergangenen Jahr insgesamt um 5,5 Prozent eingebrochen, aus Kanada, dem traditionell wichtigsten Herkunftsland, sogar um 21 Prozent. Die iranische Wirtschaftszeitung Donya-e Eqtesad sieht eine „Kette von Faktoren“ – von Visaschwierigkeiten über geopolitische Verstimmungen bis hin zu drastisch gestiegenen Reisekosten.

In der Tat sind die Ticketpreise ein zentraler Schock. Das Finale im MetLife Stadium kostet fast 8.000 Dollar. Anders als bei der WM 2006 in Deutschland, wo ein „KombiTicket“ die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs am Spieltag ermöglichte, oder in Russland 2018 und Katar 2022, wo Fernzüge und Metros gratis blieben, brechen die USA mit dieser Tradition der Gastfreundschaft. Fans beklagen die „unzugänglichste WM aller Zeiten“, wie The Independent zitiert. Aus europäischer Perspektive wirkt das Sommermärchen von 2006 als leuchtendes Gegenbild: ein offenes, modernes Deutschland, das die Welt willkommen hieß – während die USA nun als Hochpreisfestung erscheinen.

Während in den USA die Kritik wächst, setzt Mexiko auf einen ganz anderen Ton. Die Regierung von Mexiko-Stadt unter Clara Brugada hat für den 6. Juni zu einem Weltrekordversuch der größten „La Ola“ aufgerufen, um sich als kreativstes Fanpublikum ins Guinness-Buch einzutragen. TV Azteca berichtet, dass Infrastruktur und Sicherheit indes auch in Mexiko zentrale Bewertungskriterien bleiben werden. Doch die Initiative zeigt: Während die Amerikaner mit negativen Schlagzeilen kämpfen, versucht der südliche Co-Gastgeber, die globale Aufmerksamkeit mit Volksnähe und Enthusiasmus zu gewinnen.

Die gedämpfte Hotelnachfrage wirft einen Schatten auf die wirtschaftlichen Erwartungen und die Reputation der USA als weltoffenes Reiseland. Aus Washingtoner Sicht wächst die Sorge, dass die Politik der Trump-Administration – protektionistische Rhetorik und harte Einreiseregeln – das Bild von der roten Teppich-Gastgebernation zerstört, wie die Los Angeles Times kommentiert. Die Entwicklung könnte auch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles belasten. Noch bleibt Zeit, das Blatt zu wenden, aber das bislang ausbleibende Besucherwunder macht deutlich: Gastgeber zu sein, verlangt mehr als Stadien und Sicherheit – es braucht eine Willkommenskultur, die derzeit viele schmerzlich vermissen.

Diese Geschichte erschien in

5 Quellen · 3 Sprachen · 24h-Fenster

Donya-e Eqtesad27. Mai, 16:45
BBC News27. Mai, 10:23
Los Angeles Times27. Mai, 15:04
The Independent27. Mai, 15:05
TV Azteca27. Mai, 08:20