Wall Street unterbricht Rekordjagd: Ölpreis steigt nach neuen US-Schlägen auf Iran
Erneute Luftangriffe und Sanktionen der USA gegen Teheran lassen den Ölpreis in die Höhe schnellen und dämpfen die Hoffnung auf einen raschen Friedensschluss – die asiatischen Märkte reagieren mit deutlichen Kursverlusten.

Die Wall Street hat am Mittwoch ihre Rekordserie vorerst unterbrochen. Nachdem S&P 500 und Nasdaq erst tags zuvor Höchststände verzeichnet hatten, kehrte mit den frischen US-Luftangriffen auf iranische Stellungen die Ungewissheit zurück. Rohöl der Sorte Brent näherte sich wieder der Marke von 96 Dollar je Fass, nachdem es zwischenzeitlich auf über 90 Dollar gestiegen war. Zwar bleibt der Optimismus rund um die Künstliche Intelligenz und die Halbleiterindustrie ein starker Kurstreiber, doch die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran droht zu kippen – Außenminister Marco Rubio dämpfte die Aussicht auf einen raschen Friedensschluss und warnte, ein Abkommen könne noch einige Tage auf sich warten lassen.
Am sensibelsten spiegelte sich die neue Nervosität an der australischen Börse. Der S&P/ASX 200 stürzte um 1,4 Prozent ab und vernichtete 45 Milliarden australische Dollar an Marktwert. Bis auf die Konsumwerte schlossen alle Sektoren im Minus, besonders hart traf es Goldminen und Banken. Ein Marktteilnehmer in Sydney kommentierte: „Die Märkte bekommen kalte Füße, während sie auf das Zustandekommen einer US-iranischen Einigung warten.“ Die Renditen von Staatsanleihen zogen an, und der australische Dollar gab gegenüber dem US-Dollar spürbar nach.
Aus Washingtoner Perspektive sind die neuen Militärschläge und die parallel verhängten Sanktionen Teil einer Strategie, Teheran daran zu hindern, vom Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu profitieren. In Teheran hingegen signalisiert man weiterhin Gesprächsbereitschaft: Ein iranischer Regierungsvertreter erklärte, die indirekten Kontakte mit den USA liefen, und das hochangereicherte Uran sei nicht Teil der Verhandlungen. Beobachter in Peking und Moskau dürften die Eskalation mit Sorge registrieren, würde eine Blockade der Meerenge doch die gesamte Weltwirtschaft treffen und die Energiepreise für Europa zusätzlich in die Höhe treiben.
Bemerkenswert bleibt, dass die Gewalt im Nahen Osten den breiten Aufwärtstrend an den US-Technologiebörsen bisher kaum erschüttern konnte. Getrieben von enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz und Halbleitertechnik, haben der Nasdaq und der Dow Jones seit Jahresbeginn um nahezu 15 beziehungsweise knapp 10 Prozent zugelegt – ein Anstieg, der die Rückschläge der letzten Tage rasch abfederte. In der Schweiz und in Österreich beobachtet man diese Gegenläufigkeit mit einer Mischung aus Erleichterung und Skepsis, denn sowohl ein Ende des KI-Booms als auch dauerhaft hohe Ölpreise würden die exportorientierte Zulieferindustrie empfindlich treffen.
Für den Ausblick wird entscheidend sein, ob die diplomatischen Kanäle eine weitere Eskalation verhindern können. Die jüngsten Kursausschläge belegen, dass die Märkte jede Nachricht vom Persischen Golf unmittelbar in Preisbewegungen übersetzen. Sollte sich die Lage zuspitzen, drohen nicht nur höhere Energiekosten für die deutsche und europäische Industrie, sondern auch neue Verwerfungen an den Anleihemärkten. Zugleich ruht die Hoffnung der Anleger auf den Innovationsimpulsen aus dem Silicon Valley – ein fragiles Gleichgewicht, das jede geopolitische Erderschütterung zunichtemachen kann.
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