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Trump will Vorhersagemärkte fördern – weltweit wachsen die Bedenken

Während Washington Prognoseplattformen zur Chefsache erklärt, gehen Spanien und Australien auf Distanz. Die internen Kontrollmechanismen der Branche werfen zudem Fragen auf.

Finanzen6 Quellen3 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 14:16

Präsident Donald Trump hat mit einer Grundsatzbekundung die Weichen für eine offensive Regulierung von Vorhersagemärkten gestellt. In einem Beitrag auf Truth Social forderte er die „ausschließliche Zuständigkeit“ der US-Terminhandelsaufsicht CFTC für solche Plattformen und versprach, sie würden unter seiner Führung gedeihen. Die Vereinigten Staaten etablierten einen „Goldstandard“ an Regeln, so Trump, und müssten verhindern, dass andere Länder ihnen den Rang der Krypto- und Prognosemarkt-Hauptstadt streitig machen. Die Äußerung fiel zu einem Zeitpunkt, an dem die beiden größten Anbieter – Polymarket und Kalshi – längst nicht mehr nur Nischenphänomene sind: Wöchentlich werden Milliardenbeträge auf ja/nein-Fragen von der Popkultur bis zur Geopolitik gesetzt.

Ganz anders das Bild in Europa. Die spanische Regierung hat den Zugang zu beiden Plattformen vorsorglich gesperrt, während sie die Legalität der Angebote ohne Glücksspiellizenz prüft. Die Blockade gilt als präventive Maßnahme; eine formelle Untersuchung soll binnen vier Monaten klären, ob ein Lizenzierungszwang greift. Der Schritt fügt sich in eine skeptischere Haltung des Kontinents, die auch andernorts spürbar ist. In Australien etwa sind Vorhersagemärkte derzeit untersagt, doch gibt es Bestrebungen, sie unter Auflagen zu legalisieren. Die Plattformen werden mittlerweile auf über zwanzig Milliarden Dollar taxiert, und ihre Vertragsthemen reichen bis zu sensiblen Fragen wie mutmaßlichem menschlichem Leid und Kriegsverläufen – was ethische Diskussionen anheizt.

Jenseits der staatlichen Regulierungsfront rücken zudem interne Governance-Probleme ins Blickfeld. Wie eine Recherche ergab, beherrschen neun anonyme Krypto-Wallets die Streitbeilegungsmechanismen von Polymarket. Sie entscheiden faktisch über Milliardenwetten, darunter Kontrakte zu Kriegen, Wahlen und geopolitischen Konflikten – eine Konzentration, die das Fairnessversprechen der Märkte aushöhlen kann. Diese Schwachstelle zeigt, dass die Glaubwürdigkeit der Branche selbst in einem permissiven regulatorischen Umfeld fragil bleibt.

Aus Washingtoner Sicht ist Trumps Bekenntnis ein Standortsignal und eine Kampfansage gegen regulatorische Konkurrenz aus anderen Finanzplätzen. Beobachter in europäischen Hauptstädten verweisen hingegen auf die Notwendigkeit, Verbraucherschutz und lizenzrechtliche Standards zu wahren. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz dürfte die Debatte bald an Schärfe gewinnen, sobald die EU-Kommission einheitliche Leitlinien für neuartige Prognosemärkte sondiert – eine Regulierungslücke, die zwischen amerikanischer Innovationsoffensive und innerer Marktintegrität aufgerieben zu werden droht. Die Zukunft der Plattformen wird daher nicht nur an Wettbewerbsfähigkeit gemessen werden, sondern auch daran, ob sie die Vertrauensfrage beantworten können.

Diese Geschichte erschien in

6 Quellen · 3 Sprachen · 24h-Fenster

El Espectador27. Mai, 04:15
Australian Broadcasting Corporation (ABC)27. Mai, 10:25
NBC News27. Mai, 02:15
Bloomberg27. Mai, 02:14
The Hill27. Mai, 04:15
Antara News27. Mai, 10:28