Anmelden
Ausgabe von 06:00 CETDonnerstag, 11. Juni 2026
287 Quellen · 16 Sprachen0 Briefings heute
Montag, 8. Juni 2026 · Ausgabe von 20:00 CET

Trump verknüpft Iran-Deal mit Zwang zur Ausweitung der Abraham-Abkommen

Der US-Präsident fordert von Saudi-Arabien, Katar, der Türkei, Pakistan und weiteren Staaten die sofortige Normalisierung mit Israel – als Teil eines umfassenden Friedens mit Iran. Neue Militärschläge überschatten die Verhandlungen.

Geopolitik16 Quellen2 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 04:51

Mit einem für seine Truth-Social-Plattform typischen Paukenschlag hat Donald Trump die laufenden Verhandlungen um ein Ende des militärischen Konflikts mit Iran an eine weitreichende Bedingung geknüpft: Die unverzügliche Unterzeichnung der Abraham-Abkommen durch eine Reihe überwiegend muslimisch geprägter Länder. In einem Posting sprach der US-Präsident von einer „obligatorischen“ Forderung, dass Saudi-Arabien, Katar, die Türkei und Pakistan – sowie in späteren Präzisierungen auch Ägypten und Jordanien – gleichzeitig diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen müssten. Trump erklärte, ein Scheitern der Gespräche könne eine Rückkehr an die „Front“ mit noch größerer militärischer Härte bedeuten; zugleich ließ er durchblicken, dass am Ende sogar Iran selbst Teil dieser „beispiellosen Weltkoalition“ werden könnte.

Der Vorstoß fällt in eine Phase höchster Spannungen. Aus Washingtoner Sicht sind die Verhandlungen „auf gutem Wege“, wie Trump betonte, doch parallel dazu führte das US-Militär nach eigenen Angaben „Selbstverteidigungsschläge“ gegen Raketenabschussrampen und Minenlegeboote in der südiranischen Provinz Hormozgan durch. Für Teheran stellt dieser Einsatz eine „grobe Verletzung“ der seit fast sieben Wochen geltenden Waffenruhe dar. Außenminister Marco Rubio räumte ein, eine Einigung könne binnen weniger Tage erzielt werden – oder sich noch deutlich hinziehen. Diese widersprüchlichen Signale unterstreichen die Fragilität der Lage.

Aus der Region kommen verhaltene bis ablehnende Reaktionen. Saudi-Arabien, das von Trump als Schlüsselland genannt wurde, hat in der Vergangenheit mehrfach durch Kronprinz Mohammed bin Salman klargestellt, dass eine Normalisierung mit Israel einen glaubwürdigen Pfad hin zu einer Zweistaatenlösung voraussetze. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu blieb zunächst ohne Stellungnahme, während in pakistanischen und türkischen Regierungskreisen die Forderung als überraschend und politisch schwer vermittelbar gilt. Ägypten und Jordanien, die bereits Friedensverträge mit Israel unterhalten, müssten sich im Rahmen der Abraham-Abkommen auf eine neue Stufe der Kooperation einlassen, was angesichts der aufgeheizten öffentlichen Meinung in beiden Ländern nicht ohne innenpolitische Risiken wäre.

Für die deutschsprachige Staatenwelt ist der Vorstoß in doppelter Hinsicht bedeutsam. Zum einen würde eine derartige Erweiterung der Abraham-Abkommen die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und traditionelle Allianzen verschieben – mit direkten Folgen für europäische Energie- und Sicherheitsinteressen. Zum anderen stellt Trumps Junktim von regionaler Normalisierung und einem Iran-Abkommen die diplomatischen Bemühungen der Europäer vor ein Dilemma: Während Berlin und Wien stets auf eine Deeskalation und eine Einbettung der Atomfrage in einen breiten regionalen Dialog gedrungen haben, könnte eine unter militärischem Druck erzwungene Normalisierung neue Instabilität erzeugen. Beobachter in Brüssel halten es für unwahrscheinlich, dass alle genannten Staaten dem Ansinnen ohne substanzielle Konzessionen – vor allem gegenüber den Palästinensern – folgen werden.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob Trumps Verknüpfung die Gespräche beflügelt oder zum Bumerang wird. Sollte die Drohung eines Abbruchs tatsächlich als Hebel wirken, könnten die Abraham-Abkommen binnen kurzem von vier auf eine zweistellige Zahl an Unterzeichnerstaaten anwachsen und den Iran isolieren. Die gleichzeitige Provokation durch die US-Luftangriffe in Hormozgan lässt jedoch befürchten, dass die ohnehin zögerlichen Regierungen in der Golfregion und darüber hinaus einem Diktat kaum nachkommen werden. Der schmale Grat zwischen Friedensdividende und Eskalationsspirale ist selten so deutlich sichtbar geworden.

Diese Geschichte erschien in

16 Quellen · 2 Sprachen · 24h-Fenster

Helsingborgs Dagblad
Sydsvenskan
Mint
Al-Monitor Iran Pulse
The Sydney Morning Herald
Australian Broadcasting Corporation (ABC)
Västerbottens-Kuriren
Barometern