Rosneft-Chef warnt vor Ölpreis über 250 Dollar – und geißelt US-Vorteile aus Hormuz-Krise
Igor Sechin sichert Indien und China stabile russische Lieferungen zu, warnt aber vor Preisexplosion bei verschärften Sanktionen. Trotz Blockade des Persischen Golfs bleibt Rohöl unter 100 Dollar.

Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg hat Igor Sechin, Vorstandsvorsitzender des russischen Energieriesen Rosneft, eine ambivalente Analyse der globalen Ölmärkte vorgelegt. Einerseits versprach der langjährige Putin-Vertraute, Russland werde trotz anhaltender Verwerfungen stabile Lieferungen an strategische Partner wie Indien und China gewährleisten. Andererseits warnte er vor einem drastischen Preisanstieg auf über 250 US-Dollar je Fass, sollten die westlichen Sanktionen gegen russisches Rohöl verschärft und die Blockade der Straße von Hormus aufrechterhalten werden. Die derzeitige Lage sei bereits durch einen beispiellosen Angebotsschock gekennzeichnet, doch die Marktmechanismen hätten das Schlimmste verhindert.
Seit Februar 2026 ist die für etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels zentrale Meerenge durch iranische Kräfte blockiert. Auslöser war ein Militärschlag der USA und Israels, bei dem das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Washington verhängte seinerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen. Entgegen jahrzehntealten Schreckensszenarien blieb der befürchtete Super-Preisschock jedoch aus. Wie Fachleute und Quellen aus Handelskreisen bestätigen, wird ein Barrel Rohöl derzeit unter 100 Dollar gehandelt. Ermöglicht wird dies durch ein Bündel von Ausweichstrategien: Rekordexporte aus den Vereinigten Staaten, ein unerwartet starker Nachfragerückgang in China sowie ein Rinnsal von Öllieferungen, das die Blockade noch passiert.
Die Perspektiven der beteiligten Mächte könnten unterschiedlicher nicht sein. Aus Moskauer Sicht – von Sechin unverblümt artikuliert – sind die US-Energiekonzerne die eigentlichen Nutznießer der Krise. Der Rosneft-Chef deutete die Schließung Hormus’ gar als einen Versuch, die Spielregeln des globalen Energiemarktes zugunsten amerikanischer Interessen umzuschreiben; die strategischen Risiken seien nicht annähernd abgeschätzt. Washington und Riad hingegen verweisen auf die Stabilität der Märkte und die Rolle der amerikanischen Schieferölförderer, die Versorgungsengpässe abfedern. Beobachter in Peking und Neu-Delhi, die von russischen Lieferungen profitieren, zeigen sich vor allem um langfristige Bezugsquellen bemüht – auch um den Preis einer vertieften Abhängigkeit von Moskau.
Für die deutsche und europäische Energiepolitik bleibt die Lage paradox. Einerseits ist die akute Preisexplosion ausgeblieben, was die Belastung für Verbraucher und Industrie dämpft. Andererseits offenbart Sechins Warnung die Fragilität des Systems: Schon eine geringfügige Verschärfung der Sanktionen oder eine Eskalation in Nahost könnten die Preise in Höhen treiben, die die Wirtschaft schwer belasten würden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Notbehelfe der Märkte – allen voran der massive US-Export – von Dauer sein können oder ob ein zweiter Schock droht. Bis dahin empfiehlt sich für Berlin und Brüssel eine Politik der Lagerhaltung und der Diversifizierung, um die Abhängigkeit von geopolitischen Beben zu verringern.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Rosneft sichert Indien stabile russische Öllieferungen zu, bezeichnet es als strategischen Partner, trotz des Kriegs in Westasien und globaler Lieferkettenstörungen. Auch China wird weiterhin regelmäßig beliefert, so CEO Igor Setschin auf dem St. Petersburger Forum.
Der Chef von Rosneft sagt, US-Energiekonzerne seien die Hauptprofiteure der Schließung der Straße von Hormus, was er als Versuch wertet, die globalen Energiemärkte zugunsten Washingtons umzugestalten. Die Blockade folgte auf amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran und unterbrach ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen.
Eine Reihe von Umgehungslösungen hält Rohöl unter 100 Dollar pro Barrel, entgegen den Prognosen eines Anstiegs auf über 200 Dollar nach dem größten Angebotsschock der modernen Geschichte. Trotz effektiver Sperrung der Straße von Hormus seit mehr als drei Monaten ist das Katastrophenszenario ausgeblieben.
Öl könnte 250 Dollar pro Barrel überschreiten, wenn sich die Sanktionen gegen russisches Rohöl verschärfen, während die Straße von Hormus weiter blockiert ist, warnt der Rosneft-CEO. US-Energiefirmen würden unterdessen von der Krise profitieren, obwohl einige fragen, warum die Preise noch nicht 200 Dollar erreicht haben, und auf alternative Routen verweisen. Der lateinamerikanische Block betont sowohl das extreme Risiko als auch das Paradox der weiterhin gezähmten Märkte.
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