Anmelden
Ausgabe von 20:00 CETDonnerstag, 11. Juni 2026
287 Quellen · 16 Sprachen77 Briefings heute
Donnerstag, 4. Juni 2026 · Ausgabe von 10:00 CET

Rohstoffexporte treiben Handelsüberschüsse – Argentinien warnt vor einseitiger Abhängigkeit

Während Brasilien, Kolumbien und Indonesien von Agrar- und Bergbauausfuhren profitieren, wächst in Argentinien die Sorge vor einer schleichenden Primarisierung der Wirtschaft.

Wirtschaft5 Quellen2 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 13:32

Die Exportwirtschaft mehrerer Schwellenländer verzeichnet derzeit deutliche Zuwächse, getragen von einer robusten Nachfrage nach Rohstoffen. Brasilien profitiert von einer Rekordsojaernte, Kolumbien steigert seine Öl- und Kohleausfuhren, und selbst Argentinien kann im Handel mit dem Nachbarn Brasilien zulegen. In Indonesien sorgt die Provinz West-Java für einen kräftigen Überschuss. Gemeinsam ist diesen Regionen eine starke Abhängigkeit von Primärgütern – ein Umstand, der in Buenos Aires zunehmend kritisch gesehen wird.

Aus brasilianischer Sicht verlief das erste Halbjahr 2026 außergewöhnlich gut. Die Sojaernte erreichte 180 Millionen Tonnen; von Januar bis Mai wurden 55,1 Millionen Tonnen exportiert, 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse kletterten um 14,5 Prozent auf 22,9 Milliarden US-Dollar. Auch Sojaschrot und -öl legten zu, sodass der Agrarsektor insgesamt um 7 Prozent wuchs. In Kolumbien stiegen die Ausfuhren in den ersten vier Monaten um 14,5 Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar, vor allem dank Erdöl und Kohle, deren Verkäufe um 16,2 beziehungsweise 5,4 Prozent zunahmen.

In Indonesien meldete die Statistikbehörde für West-Java einen Handelsbilanzüberschuss von 8,9 Milliarden Dollar im Zeitraum Januar bis April 2026. Die Exporte der Provinz erhöhten sich um 4,15 Prozent auf 12,58 Milliarden Dollar, wobei Nicht-Öl-Exporte mit 12,51 Milliarden Dollar dominierten. Dies unterstreicht die Bedeutung verarbeiteter Güter im Archipel, obgleich die Abhängigkeit von wenigen großen Posten bleibt.

Argentinien verzeichnete indes einen Lichtblick: Die Exporte nach Brasilien wuchsen im Mai um 2,8 Prozent, bereits den dritten Monat in Folge. Allerdings fiel der bilaterale Handel im Jahresvergleich um 11,8 Prozent auf 2,52 Milliarden Dollar. Gleichzeitig warnt die Cámara Argentina de Comercio y Servicios vor einer bedenklichen Entwicklung: Die Wirtschaft primarisiere zunehmend; innerhalb von zwei Jahrzehnten sank die Zahl der mit komparativen Vorteilen exportierten Güter von 515 auf ein deutlich niedrigeres Niveau. „Mit den natürlichen Ressourcen allein kommt man nicht weit“, mahnte Kammerpräsident Natalio Grinman und forderte mehr Investitionen in Bildung und Wertschöpfung.

Für Europa und insbesondere Deutschland als Industriestandort bedeuten diese Trends eine gesicherte Versorgung mit Rohstoffen, aber auch eine wachsende Konkurrenz aus Schwellenländern, die selbst in die Weiterverarbeitung drängen. Die Warnung aus Argentinien illustriert, dass dauerhafter Wohlstand nur durch Diversifizierung und Qualifikation zu erreichen ist – eine Lektion, die viele rohstoffreiche Volkswirtschaften noch lernen müssen.

Diese Geschichte erschien in

5 Quellen · 2 Sprachen · 24h-Fenster

Viva.co.id4. Juni, 12:23
El Nuevo Siglo4. Juni, 03:29
Noticias Argentinas (NA)4. Juni, 03:28
Ámbito Financiero4. Juni, 12:24
UOL4. Juni, 04:28