Ölpreise stürzen unter 90 Dollar – Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten
Nachdem Trump Militärschläge gegen Iran abgesagt und ein Abkommen in Aussicht gestellt hat, fielen Brent und WTI auf den tiefsten Stand seit April. Die Märkte reagieren weltweit mit Erleichterung, doch Teheran dämpft die Erwartungen.

Die globalen Rohölmärkte erlebten am Freitag einen drastischen Kursrutsch. Die richtungsweisenden Sorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) verloren binnen weniger Stunden mehr als drei Prozent und fielen deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 90 Dollar je Barrel. Auslöser war die überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, geplante Vergeltungsschläge gegen Iran abgesagt zu haben. Stattdessen sprach Trump von weit fortgeschrittenen Verhandlungen und stellte die Unterzeichnung eines Friedensmemorandums noch an diesem Wochenende in Europa in Aussicht. Die Nachricht ließ die Risikoaufschläge, die seit den gegenseitigen Angriffen zu Wochenbeginn auf den Preisen lasteten, binnen Stunden kollabieren.
Im frühen europäischen Handel notierte Brent für Lieferung im August 2026 bei rund 87 Dollar, nachdem der Kurs zeitweise bis auf 86 Dollar gefallen war – das niedrigste Niveau seit dem 17. April. WTI sackte auf etwa 84,60 Dollar ab. Auch die arabische Referenzsorte Murban, maßgeblich für asiatische Abnehmer, gab um 3,74 Prozent auf 83,99 Dollar nach. Aus Teheraner Sicht blieb die Lage jedoch widersprüchlich: Während Trump von einer baldigen Öffnung der Straße von Hormuz sprach, meldete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars, es gebe noch keine endgültige Zustimmung zum Vertragstext. Analysten verwiesen darauf, dass die Märkte bereits mehrfach auf falsche Hoffnungen hereingefallen seien – ein endgültiges Ende der Krise sei keineswegs gesichert.
Die Entspannungssignale wirkten weit über den Ölsektor hinaus. An den europäischen Gasmärkten fiel der richtungsweisende niederländische TTF-Frontmonatskontrakt um 3,49 Euro auf 46,20 Euro je Megawattstunde. Auch der Dollar, der in den Wochen zuvor von der geopolitischen Unsicherheit profitiert hatte, gab gegenüber wichtigen Währungen nach. In den USA stiegen die Aktienindizes, während die europäischen Börsen freundlich schlossen. Aus Washingtoner Sicht ist das Kalkül klar: Ein Abkommen würde nicht nur die Energiepreise drücken, sondern auch den innenpolitischen Druck auf die Administration mindern. Beobachter in Peking und Neu-Delhi, deren Volkswirtschaften stark von Ölimporten abhängen, registrierten die Entwicklung mit vorsichtigem Optimismus.
Für eine nachhaltige Rückkehr zu Vorkrisenniveaus reicht die gegenwärtige Entspannung jedoch nicht aus. Vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten Ende Februar hatte Brent noch bei rund 72 Dollar notiert. Selbst die jetzigen, deutlich niedrigeren Preise liegen damit rund 15 Dollar über jenem Niveau. Marktstrategen betonen, dass erst ein vollständiges Ende der Konfrontation und eine verlässliche Wiederöffnung der Handelswege die Risikoprämie vollständig abbauen würden. Bis dahin bleibt der Ölpreis ein Seismograf für die fragile Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten.
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