Nordkorea testet Marschflugkörper mit KI – Kim Jong-un überwacht neue Präzisionswaffen
Pjöngjang bestätigt den Einsatz künstlicher Intelligenz in taktischen Marschflugkörpern. Die Tests umfassten auch ballistische Raketen und Artilleriegeschosse. Die neuen Systeme sollen unverzüglich an der Grenze zu Südkorea stationiert werden.

Pjöngjang hat erstmals offiziell den Test von Marschflugkörpern mit integrierter künstlicher Intelligenz bestätigt. Staatschef Kim Jong-un überwachte am Dienstag persönlich eine kombinierte Waffenerprobung, bei der neben den neuartigen Lenkflugkörpern auch taktische ballistische Raketen und Artillerieraketen zum Einsatz kamen. Das südkoreanische Militär hatte die Starts aus der Provinz Phyongan des Nordens in Richtung Gelbes Meer bereits am selben Tag registriert und von mehreren Projektilen berichtet.
Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA beschrieb die Marschflugkörper als hochpräzise Waffen, die mithilfe von KI-gestützter Geländenavigation Ziele in einer Entfernung von bis zu hundert Kilometern mit «außergewöhnlicher Genauigkeit» treffen können. Nach Angaben nordkoreanischer Medien sind die Flugkörper nuklearfähig und wurden für den sofortigen Einsatz in vordersten Artillerieeinheiten entlang der Grenze zu Südkorea freigegeben. Damit läge die südkoreanische Hauptstadt Seoul vollständig in ihrer Reichweite. Kim Jong-un erklärte, die Systeme seien erfolgreich modernisiert worden, um den Bedingungen eines modernen Krieges zu entsprechen und die Wirksamkeit im Gefecht zu erhöhen.
Die Erprobung ist Teil des fünfjährigen Modernisierungsplans der nordkoreanischen Streitkräfte, mit dem Pjöngjang trotz internationaler Sanktionen sein Waffenarsenal kontinuierlich ausbaut. Aus südkoreanischer Sicht markiert die Integration von KI einen besorgniserregenden Technologiesprung, der die Abwehrfähigkeit deutlich erschwert. Beobachter in Washington bewerten die Entwicklung als weiteren Beleg für die fortgesetzte Bedrohung der regionalen Stabilität. In Peking, dem wichtigsten diplomatischen Partner Nordkoreas, dürfte man die Provokationen mit gemischten Gefühlen sehen, da sie die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel erhöhen und den amerikanischen Einfluss in der Region stärken könnten.
Mit der offensiven Stationierung an der innerkoreanischen Grenze unterstreicht Pjöngjang seine strategische Priorität: die Fähigkeit, im Konfliktfall rasch und präzise Ziele im Nachbarland zu zerstören. Die Einführung lernfähiger Lenksysteme könnte das Kräftegleichgewicht weiter verschieben und den Druck auf Seoul und seine Verbündeten erhöhen, in Raketenabwehr und Aufklärung zu investieren. Der Test zeigt zudem, dass die selbst auferlegte Testpause für Interkontinentalraketen die Entwicklung taktischer Nuklearfähigkeiten nicht bremst. Vor diesem Hintergrund bleibt eine diplomatische Initiative, die über Appelle hinausgeht, vorerst unwahrscheinlich.
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