Neue US-Zolloffensive trifft Brasilien und 60 Staaten nach Rückschlag vor Gericht
Washington spannt das handelspolitische Netz nach dem Supreme-Court-Urteil enger – mit Folgen für die EU, Brasilien und die globale Handelsarchitektur.

Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die Notfallzölle der Regierung Trump im Februar kassiert hatte, setzt Washington nun auf breiter Front zu neuen handelspolitischen Vorstößen an. Wie aus Handelskreisen verlautet, schlägt das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) einen Strafzoll von 25 Prozent auf Einfuhren aus Brasilien vor – das Ergebnis zweier parallel geführter Untersuchungen. Gleichzeitig wurde eine Sonderabgabe von 10 bis 12,5 Prozent auf Waren aus mehr als 60 Ländern ins Spiel gebracht, offiziell begründet mit unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit. Beobachter werten diese Salve als Versuch, die durch das richterliche Verdikt verlorene handelspolitische Initiative zurückzugewinnen und zugleich innenpolitische Stärke zu demonstrieren.
Die Kommission in Brüssel wiederum sieht sich mit einem doppelten handelspolitischen Sturm konfrontiert. Wie italienische Analysten in einem Beitrag für HuffPost Italia warnen, benötige die EU dringend „Zähne und Klauen“, um sowohl der amerikanischen Zolldrohung als auch dem wachsenden Handelsüberschuss Chinas zu begegnen. In einer vertraulichen Sitzung Ende Mai beriet die Kommission über Strategien gegen den scheinbar unaufhaltsamen Exportdruck Pekings. China, so der Guardian, habe unterdessen seine Handelsbeziehungen zu südostasiatischen Staaten vertieft, während die EU das seit Jahren blockierte Mercosur-Abkommen mit Südamerika reaktivierte – ein Wettlauf um alternative Handelskorridore, der die Fragmentierung der globalen Wirtschaftsordnung beschleunigt.
Aus Brasília verlautet indes, dass die Regierung Lula trotz der harschen Töne auf Dialog mit Washington setzt. Vertraute des Präsidenten sehen noch Verhandlungsspielraum, um die angedrohten 25-Prozent-Zölle abzuwenden, berichtet das portugiesischsprachige Portal Metrópoles. Skepsis herrscht dagegen gegenüber der Zwangsarbeits-Initiative: Die Japan Times zitiert Experten und Menschenrechtsgruppen, wonach die Zölle das Problem moderner Sklaverei kaum lösen, sondern womöglich verschärfen dürften – ein Argument, das in Genf und anderen Handelsmetropolen aufmerksam registriert wird.
In der Gesamtschau offenbart sich eine tektonische Verschiebung der Welthandelsordnung. Der Guardian analysiert, dass die Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der offenen Handelsarchitektur trügerisch seien; vielmehr präge die Eindämmung der chinesischen Exportmacht und der Zugang zu strategischen Rohstoffen die künftigen Allianzen. Für Berlin, Wien und Bern bedeutet dies, dass Lieferketten und Exportmärkte neu justiert werden müssen. Ohne eine geeinte europäische Antwort, so die Mahnung aus Rom, droht der Kontinent zwischen den Handelsfronten zerrieben zu werden – eine Herausforderung, die weit über taktische Zollverhandlungen hinausreicht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Europa muss sich dringend für einen doppelten Handelskrieg wappnen und schärfere Verteidigungsinstrumente entwickeln. Die neuen US-Vorwürfe zur Zwangsarbeit treffen wunde Punkte, etwa bei der Schweiz, und drohen die Handelsspannungen zu verschärfen, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.
Die jüngsten US-Zölle sind kein Rezept gegen Zwangsarbeit, sagen Experten und Menschenrechtsgruppen. Statt moderne Sklaverei zu bekämpfen, könnten sie die Lage verschlimmern und neue Hindernisse für den Welthandel schaffen.
Die brasilianische Regierung hofft weiterhin, dass der Dialog mit der Trump-Regierung die geplanten 25-Prozent-Zölle abwenden kann. Trotz US-Handelsuntersuchungen und vorgeschlagenen Zöllen glaubt Brasília, dass noch Spielraum für eine Einigung besteht, und setzt auf Diplomatie.
Nach einer innenpolitischen rechtlichen Niederlage hat Trump den Handelskrieg mit neuen Strafzöllen wieder angefacht. Die Offensive zielt unter dem Vorwand der Zwangsarbeit auf über sechzig Länder und verhängt gegen Brasilien 25-Prozent-Zölle – eine Eskalation, die die globalen Spannungen wieder ins Rampenlicht rückt.
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