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NASA priorisiert Mondbasis – und stellt das Gateway-Projekt in den Schatten

Mit einem Drei-Phasen-Plan und dem Test eines Blue-Origin-Landers bis Ende 2026 will die NASA ab 2032 dauerhaft Menschen auf dem Mond stationieren. Der orbitale Außenposten Gateway tritt in den Hintergrund.

Geopolitik5 Quellen4 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 19:03

Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hat am 26. Mai in Washington eine strategische Neuausrichtung ihres bemannten Mondprogramms bekannt gegeben. Erstmals räumt die Behörde dem Bau einer festen Basis nahe dem lunaren Südpol absoluten Vorrang ein – und stuft dafür das lange geplante orbitale Gateway, eine Raumstation in der Mondumlaufbahn, faktisch herab. Konkret sieht der nun präsentierte Drei-Phasen-Plan vor, bereits 2028 mit der Artemis-4-Mission wieder Astronauten auf der Mondoberfläche zu landen und ab 2032 eine kontinuierliche menschliche Präsenz zu ermöglichen. Als technologischer Wegbereiter gilt ein für Ende 2026 angesetzter Test des Landers Blue Moon Mark 1 Endurance von Blue Origin. NASA-Administrator Jared Isaacman sprach von der Basis als dem „ersten Außenposten der Vereinigten Staaten und der Menschheit auf einer anderen Himmelswelt“.

Aus Washingtoner Sicht ist die forcierte Hinwendung zur Oberflächenbasis vor allem geopolitisch motiviert. Während die erste Missionsphase bis 2029 auf verlässliche Transportkapazitäten und erhöhte Taktung der Mondflüge zielt, soll die zweite Phase bis 2032 die notwendige Infrastruktur schaffen, um Astronauten längerfristig in der lebensfeindlichen Umgebung arbeiten zu lassen. Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklung mit besonderem Interesse, denn auch China treibt seine Pläne für eine bemannte Mondstation voran und hat zuletzt gemeinsam mit Russland das Konzept der Internationalen Mondforschungsstation vorangetrieben. Die NASA ihrerseits betont, dass die Mondbasis als globales Gemeinschaftsprojekt unter ihrer Führung entstehen soll, doch der wachsende Wettbewerb mit privaten Akteuren und staatlichen Konkurrenten ist unübersehbar.

In europäischen Raumfahrtkreisen ruft die neue Prioritätensetzung gemischte Reaktionen hervor. Das Gateway-Programm, an dem die europäische Weltraumorganisation ESA mit Wohn- und Versorgungsmodulen maßgeblich beteiligt ist und in das auch Deutschland, Österreich und die Schweiz über ihre Beiträge zu ESA-Technologievorhaben investiert haben, verliert nun an strategischem Gewicht. Zwar bleibt die europäische Industrie über das Orion-Servicemodul in Artemis eingebunden, doch die Verschiebung von einem orbitalen Außenposten hin zu einer reinen Oberflächenbasis könnte bestehende Kooperationsmodelle und industrielle Zulieferketten vor neue Herausforderungen stellen. Die NASA hatte bereits Anfang 2026 begonnen, ihr Mondprogramm zu straffen und das Gateway zurückzustellen; nun liegt erstmals ein detaillierter Zeitplan auf dem Tisch, der den neuen Kurs zementiert.

Für die kommenden Jahre zeichnet sich damit ein mehrsträngiges Kräftemessen ab: zwischen den USA und China um die erste dauerhafte Präsenz auf einem anderen Himmelskörper, zwischen den etablierten Raumfahrtnationen und kommerziellen Newcomern wie Blue Origin oder SpaceX um lukrative Transportaufträge und nicht zuletzt innerhalb der westlichen Allianz um den Einfluss auf die Architektur künftiger Weltraumforschung. Die NASA setzt darauf, dass die Mondbasis als Sprungbrett für spätere Marsmissionen dienen wird. Ob Europa in diesem veränderten Koordinatensystem eine stabile Rolle findet, hängt davon ab, wie rasch es seine industriellen Fähigkeiten auf die neuen Schwerpunkte – Landetechnologie, Oberflächeninfrastruktur und Ressourcennutzung vor Ort – ausrichtet.

Diese Geschichte erschien in

5 Quellen · 4 Sprachen · 24h-Fenster

Poder36027. Mai, 16:41
El Espectador27. Mai, 06:19
Wired Italia27. Mai, 15:09
C5N27. Mai, 16:39
Newsweek27. Mai, 16:46