Nach US-Einreiseverbot: Schiedsrichter Artan pfeift UEFA-Supercup
Der somalische Referee, von den USA für die WM 2026 gesperrt, wird das Finale zwischen PSG und Aston Villa in Salzburg leiten – eine symbolische Geste der UEFA.

Nur wenige Tage nachdem ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde, hat der somalische Schiedsrichter Omar Abdulkadir Artan eine ebenso überraschende wie ehrenvolle Berufung erhalten. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) ernannte den 34-Jährigen zum Leiter des Supercup-Finales zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa, das am 12. August in Salzburg ausgetragen wird. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin erklärte, der Fußball sei geschaffen worden, um Menschen zu verbinden, und man wolle Respekt für Artans herausragende Fähigkeiten auf dem Platz zeigen. Die Entscheidung folgte auf Gespräche mit der Confédération Africaine de Football (CAF) und ist Teil eines kürzlich unterzeichneten Kooperationsabkommens.
Der Fall Artan hatte zuvor die Schattenseiten der US-amerikanischen Einreisepolitik im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2026 offengelegt. Der Schiedsrichter, 2025 von der CAF als Afrikas Referee des Jahres ausgezeichnet und von der FIFA für das Turnier nominiert, war mit einem gültigen Visum und einem Diplomatenpass in Miami gelandet, jedoch von den Behörden festgehalten und zurückgewiesen worden. Aus Washingtoner Sicht verwies Heimatschutzminister Markwayne Mullin auf grundsätzliche Sicherheitsbedenken: „Wir lassen keine Personen mit Vorstrafen oder möglichen Verbindungen zur Kriminalität ins Land.“ Konkrete Vorwürfe gegen Artan wurden indes nicht öffentlich gemacht. FIFA-Präsident Gianni Infantino bedauerte den Vorfall, betonte aber die Machtlosigkeit des Weltverbands: „Wir sind nicht die Könige der Welt, die über Regierungen und Polizeikräfte herrschen können. Wir sind eine Sportorganisation.“
Die Zurückweisung Artans, der als erster Somalier ein WM-Spiel hätte leiten sollen, ist kein Einzelfall. Wie amerikanische Medien berichten, wurden bereits vor Turnierbeginn mehrere Offizielle, Betreuer und Fans aus verschiedenen Ländern an der Einreise gehindert. Die unter Präsident Donald Trump verschärften Immigrationsregeln werfen einen langen Schatten auf das erste WM-Turnier, das von drei nordamerikanischen Staaten gemeinsam ausgerichtet wird. Während die Eröffnungsspiele in Mexiko und Guadalajara sportlich reibungslos verliefen, bleibt die Visa-Problematik ein politischer Begleitton, der die universelle Botschaft des Fußballs herausfordert.
Die UEFA-Entscheidung, Artan mit einem europäischen Spitzenspiel zu betrauen, ist mehr als eine individuelle Wiedergutmachung. Aus europäischer Perspektive setzt sie ein Zeichen gegen die zunehmende Politisierung von Einreisefragen im Sport und unterstreicht die Eigenständigkeit der Verbände gegenüber staatlichen Restriktionen. Für das deutschsprachige Publikum rückt die Partie in Salzburg den Fall zudem geografisch nah. Langfristig dürfte die Kontroverse die Debatte darüber befeuern, ob sportliche Großereignisse noch bedingungslos an Gastgeber mit restriktiven Visa-Regimen vergeben werden können. Artan selbst wird unterdessen auf der europäischen Bühne zeigen können, was ihm auf der weltgrößten verwehrt blieb.
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