Iran und Israel stoppen direkte Angriffe – doch der Konflikt schwärt weiter
Nach heftigen gegenseitigen Attacken haben Iran und Israel auf Druck Washingtons die Kampfhandlungen eingestellt. Israels Regierung droht jedoch mit weiteren Schlägen gegen die Hisbollah im Libanon.

Die direkte militärische Eskalation zwischen Iran und Israel ist am Montag abrupt gestoppt worden. Nach einer Serie gegenseitiger Raketenangriffe, bei denen nach Teheraner Angaben mindestens 15 Menschen verletzt und eine petrochemische Anlage in Mahschahr getroffen wurden [A1], erklärten beide Seiten nahezu zeitgleich die Einstellung der offensiven Operationen. Auslöser der Wende war ein dringender Appell von US-Präsident Donald Trump, der auf seiner Plattform Truth Social eine sofortige Waffenruhe forderte und von der Bereitschaft beider Staaten sprach, die Angriffe zu beenden [A4].
Doch die Interpretationen der Feuerpause könnten unterschiedlicher kaum sein. Aus Teheraner Sicht, so die Darstellung des iranischen Generalstabs, sei die Operation zur Unterstützung des „unterdrückten libanesischen Volkes“ beendet worden, und man warne Israel vor „sehr viel heftigeren und vernichtenderen Maßnahmen“, sollte es seine Angriffe insbesondere im Südlibanon fortsetzen [A4]. Das regierungsnahe Wirtschaftsblatt Donya-e Eqtesad betonte, Ministerpräsident Netanjahu habe einräumen müssen, dass er die Angriffe erst nach Trumps Anordnung gestoppt habe und dass Iran zuvor die Attacken gegen Israel eingestellt habe [A3]. Ganz anders die israelische Lesart: Netanjahu erklärte in einer Fernsehansprache, der Beschuss sei gestoppt, „weil wir dem terroristischen Regime in Teheran einen schweren Schlag versetzt haben und es daraufhin seine Angriffe auf uns beendete“ [A5]. Israel habe auf seinen Befehl hin militärische und wirtschaftliche Ziele im gesamten Iran angegriffen, so Netanjahu nach Berichten des Senders Iran International [A6]. Damit sei das Feuer an der Iran-Front vorerst „eingedämmt“.
Die entscheidende Bruchstelle der Vereinbarung liegt im Libanon. Teheran knüpft seine Zurückhaltung explizit an das Ende israelischer Militäroperationen gegen die Hisbollah. Die libanesische Zeitung An-Nahar zitiert eine iranische Stellungnahme, wonach man die Attacken wiederaufnehmen werde, falls Israel die Bombardierung der Schiitenmiliz fortsetze [A2]. Genau dies jedoch kündigte die israelische Führung an: Netanjahu sagte, die Mission gegen die Hisbollah sei noch nicht abgeschlossen, Verteidigungsminister Katz gelobte, die Armee werde ihre Kampagne im Libanon fortsetzen und auf jeden Angriff aus dem Norden mit Schlägen auf die südlichen Vororte Beiruts reagieren [A2]. Eine gemeinsame Definition dessen, was die Waffenruhe eigentlich umfasst, existiert nicht.
Damit erweist sich die Ruhe als äußerst fragil. Mehrere Beobachter weisen darauf hin, dass schon die von den USA vermittelte Feuerpause vom April dieses Jahres nicht in der Lage war, die verstreuten Gefechte in der Region vollständig zu beenden [A7]. Die nun erzielte Verabredung ist noch vager. Aus Washingtoner Sicht mag der direkte Schlagabtausch vorerst unterbrochen sein; für die europäischen Verbündeten, darunter Deutschland, das mit wachsender Sorge auf eine mögliche neue Flüchtlingsbewegung und Energiepreisschocks blickt, bleibt die Lage hochgefährlich. Solange Israel seine Operationen in Libanon nicht einstellt und Iran mit einer Wiederaufnahme der Raketenangriffe droht, ist jeder Tag nur eine Atempause, nicht der Beginn eines stabilen Friedens.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die westliche Presse betont, dass Israel trotz iranischer Warnungen seine Handlungsfreiheit gegen die Hisbollah aufrechterhalten hat und dass der Feldzug gegen das iranische Regime und seine Stellvertreter noch lange nicht beendet ist. Die Einstellung der direkten Angriffe wird als fragile Pause gesehen, die an die Zurückhaltung Irans geknüpft ist, während Israel bereitsteht, auf jede neue Aggression mit aller Härte zu antworten.
Die iranische Darstellung präsentiert die Einstellung der Operationen als Sieg: Netanjahu musste zugeben, dass er die Angriffe stoppte, weil Iran seine Angriffe einstellte, und das zionistische Regime habe in früheren Konfrontationen eine schwere Niederlage erlitten. Iran warnt, dass jede fortgesetzte israelische Aggression, insbesondere im Libanon, eine noch härtere Antwort auslösen wird, und rahmt die Pause als Zeichen iranischer Stärke und israelischen Scheiterns.
Arabische Medien heben hervor, dass die Einstellung der Angriffe nach einem direkten Appell des US-Präsidenten erfolgte, Israel jedoch sofort erklärte, seine Mission gegen die Hisbollah sei nicht beendet, und der Verteidigungsminister versprach, den Militäreinsatz fortzusetzen, wobei er Teherans Warnung ignorierte. Der Bericht zweifelt an der Dauerhaftigkeit der Ruhe und verweist auf die konditionale Haltung Irans und die Entschlossenheit Israels, den Libanon weiter anzugreifen.
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