Google-Mitarbeiter wegen Insider-Wetten auf Polymarket angeklagt
Ein Ingenieur von Google soll mit internen Suchdaten Wetten auf der Prognoseplattform Polymarket platziert und 1,2 Millionen Dollar Gewinn erzielt haben. Die US-Justiz wirft ihm Betrug und Geldwäsche vor.

Die US-Bundesstaatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York hat Anklage gegen einen Software-Ingenieur von Google erhoben, der über seine dienstlichen Zugriffsrechte auf vertrauliche Unternehmensdaten fast 1,2 Millionen Dollar auf Polymarket gewonnen haben soll. Michele Spagnuolo, ein 36-jähriger italienischer Staatsbürger mit Wohnsitz in der Schweiz, wurde am Mittwoch festgenommen und einem Bundesrichter vorgeführt. Ihm werden Warenterminbetrug, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen. Es ist bereits die zweite Insiderhandelsanklage gegen einen Nutzer der beliebten Vorhersageplattform innerhalb weniger Monate.
Laut den Gerichtsunterlagen nutzte Spagnuolo zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres ein internes Software-Werkzeug von Google, um auf die nicht öffentlichen Ranglisten der meistgesuchten Personen in der „Year in Search“-Auswertung für 2025 zuzugreifen. Dieses Wissen setzte er ein, um auf Polymarket Millionenbeträge darauf zu wetten, ob bestimmte Prominente in den jährlich veröffentlichten Trendlisten erscheinen würden. Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant präzisiert, dass eine der erfolgreichsten Wetten darauf abzielte, der Sänger D4vd werde die am häufigsten gesuchte Person werden. Dadurch soll Spagnuolo seinen Gegenparteien, die keinen Einblick in die Google-Daten hatten, systematisch überlegen gewesen sein.
Aus Washingtoner Sicht zeigt der Fall, wie die fließenden Grenzen zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Informationen auf dezentralen Wettplattformen neue Grauzonen schaffen. Polymarket, das als Prognosemarkt konzipiert ist, sieht sich zunehmend mit regulatorischer Aufmerksamkeit konfrontiert. Anders als an traditionellen Börsen fehlen hier oft institutionelle Kontrollmechanismen, die den Missbrauch von Insiderwissen erschweren. Dass Spagnuolo trotz eines Arbeitsverhältnisses in der Schweiz und einer italienischen Staatsbürgerschaft in New York angeklagt wird, unterstreicht die extraterritoriale Reichweite der US-Strafverfolgung.
Google selbst hat nach Angaben der BBC eine Sprecherin mit den Worten zitiert, das Unternehmen kooperiere umfassend mit den Behörden und sehe in dem Missbrauch von Mitarbeiterzugängen einen klaren Verstoß gegen interne Richtlinien. In der Berichterstattung des Kommersant wird hervorgehoben, dass der Ingenieur Zugang zu einem spezifischen internen Programm hatte, das vertrauliche Metadaten über Suchtrends lieferte – ein Detail, das in der amerikanischen Presse weniger prominent war. Die NBC News präzisieren die Anklageschrift dahingehend, dass Spagnuolo die Wetten im Wissen um das Ergebnis platzierte, was den Kern des Betrugsvorwurfs ausmacht.
Für die Schweiz und Europa wirft der Fall Fragen zur Compliance bei grenzüberschreitenden Technologiekonzernen auf. Mitarbeiter, die von ausländischen Standorten aus auf sensible Informationen amerikanischer Unternehmen zugreifen, unterliegen dennoch den strengen US-Insiderhandelsgesetzen, sobald ihre Tätigkeit amerikanische Märkte oder Infrastrukturen berührt. Der Ausgang des Verfahrens könnte Signalwirkung für die Ausgestaltung interner Kontrollsysteme bei global agierenden Plattformbetreibern haben und zugleich den Druck auf Prognosemärkte erhöhen, strengere Identitäts- und Handelsüberwachungen zu implementieren.
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