Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern wird vielerorts wieder grösser
Eine schwedische Prognose verschiebt die Angleichung der Einkommen auf 2063 – während Brasilien strukturelle Hürden dokumentiert und Indiens sinkende Geburtenrate die Debatte über weibliche Erwerbsarbeit anheizt.

Aus Schweden kommt ein alarmierendes Signal: Die Angleichung der Arbeitsinkommen von Frauen und Männern hat sich in den vergangenen drei Jahren spürbar verlangsamt. Nach dem jüngsten Bericht der Swedbank auf Basis von Daten des Statistischen Zentralamts und der Sozialversicherung wird das Lohngefälle erst im Jahr 2063 verschwunden sein – und nicht bereits 2048, wie es noch vor drei Jahren prognostiziert wurde. Die Bankökonomin Madelén Falkenhäll erklärte, sie habe den Eindruck, dass Frauen früher stärker aufholten und die Entwicklung sich nun in die falsche Richtung bewege. Regional zeigt sich ein extremes Gefälle: Während in Jönköping schon 2051 mit Parität gerechnet wird, rückt sie in Nordschweden erst im Jahr 2157 in Reichweite. Hauptursache bleibt die klassische Anpassung der weiblichen Erwerbsbiografien an familiäre Verpflichtungen.
Diese Tendenz bestätigt sich im globalen Vergleich. In Brasilien hat die Erwerbsquote der Frauen laut der Internationalen Arbeitsorganisation zwischen 1990 und 2023 zwar von 34,8 auf 53 Prozent zugelegt, und die Zahl der Unternehmerinnen erreichte 2025 einen Rekord von 10,4 Millionen. Dennoch lebt nach Angaben des brasilianischen Statistikinstituts jede vierte Frau von weniger als sechs Dollar am Tag. Die kürzlich veröffentlichte Studie «Elas Pagam a Conta» des Think Tanks Think Eva und der Organisation Olga macht strukturelle Hindernisse für diese Diskrepanz verantwortlich und kritisiert, dass der Finanzmarkt die besseren Anlageentscheidungen von Frauen nicht honoriere.
Indien wiederum erlebt eine demografische Wende, die neue Debatten über die Rolle der Frauen auslöst. Die Geburtenrate ist unter das bestandserhaltende Niveau gesunken, was die langfristigen Wachstumsaussichten eintrübt. Radhika Gupta, Chefin des Vermögensverwalters Edelweiss Mutual Fund, sieht darin eine Chance für eine «neue wirtschaftliche Konversation»: Weil weniger Kinder geboren würden, müssten Produktivität, Qualifikation und die Erwerbsbeteiligung der Frauen konsequent gestärkt werden.
Hinter diesen nationalen Befunden steht ein globaler Megatrend. Weltweit ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im Jahr 2023 unter die Marke von 2,1 gefallen, die für eine stabile Bevölkerung notwendig wäre. Mehr als zwei Drittel aller Staaten liegen mittlerweile darunter. Besonders auffällig ist, dass der Geburtenrückgang heute weniger auf die Entscheidung für kleinere Familien zurückgeht als darauf, dass insgesamt weniger Paarbeziehungen entstehen – und weniger sexuelle Kontakte stattfinden. Das analysiert die amerikanische Publikation Vox, die vor einer durch KI beschleunigten Vereinsamung warnt.
So unterschiedlich die Ausgangslagen in Schweden, Brasilien und Indien erscheinen, sie fügen sich zu einem Bild: Die wirtschaftliche Emanzipation der Frau stagniert an unsichtbaren Hürden, während die demografische Entwicklung dringend nach höherer weiblicher Erwerbstätigkeit verlangt. Ohne gezielte politische Eingriffe – von besserer Kinderbetreuung über eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit bis zu inklusiveren Finanzmärkten – dürfte sich der Abstand wieder vergrössern, mit Folgen für Wohlstand und soziale Sicherungssysteme in Europa und weltweit.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die Lohngleichheit der Geschlechter in Schweden rückt in immer weitere Ferne: Projektionen nennen jetzt das Jahr 2063 für einen Ausgleich. Ein Bankökonom warnt, der Fortschritt sei nicht nur langsam, sondern gehe derzeit sogar in die falsche Richtung, denn vor drei Jahren wurde die Lücke noch für 2048 prognostiziert.
Brasilianische Frauen verdienen weniger, geben mehr für das Nötigste aus und investieren klüger, doch der Finanzmarkt ignoriert sie weiterhin. Eine Studie deckt die Strukturen auf, die die wirtschaftliche Ausgrenzung von Frauen aufrechterhalten, und zeigt Wege zur Korrektur auf.
Während Indiens Geburtenrate unter das Reproduktionsniveau sinkt, wird die Erwerbstätigkeit von Frauen offen in Frage gestellt. Nach Elon Musk bringt auch ein einflussreicher Fondsmanager einen Zusammenhang zwischen arbeitenden Frauen und dem demografischen Rückgang ins Spiel und warnt vor den Folgen für das Wachstum.
Die Menschheit wischt sich ins Aussterben: Smartphones zerbrachen das Dating, KI könnte den Rest erledigen. Weltweit ist die Geburtenrate längst unter das Reproduktionsniveau gefallen, und die Technik bedroht nun auch die letzten Reste menschlicher Verbindung und Fortpflanzung.
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