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Das Ende des FCAS: Wie der europäische Superjet zum Scherbenhaufen wurde

Nach jahrelangen industriellen Grabenkämpfen geben Deutschland und Frankreich ihr milliardenschweres Kampfjet-Projekt auf. Der Schaden für Europas Verteidigungsautonomie ist tief.

Geopolitik8 Quellen5 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 19:32

Es war ein stiller Abgesang, der keine Verlierer schonen sollte – und doch alle Beteiligten bloßstellte. Am Rande eines Gipfels in Montenegro zogen Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron den Stecker des Future Combat Air System (FCAS), des teuersten Rüstungsvorhabens Europas mit einem geschätzten Volumen von 116 Milliarden Dollar. Aus Pariser Sicht hatte Merz den Franzosen empfohlen, das Projekt nicht weiterzuverfolgen; in Berlin wiederum hieß es, eine Einigung sei schlicht nicht mehr erreichbar. Verteidigungsminister Boris Pistorius fand dafür Worte, die für die deutsch-französische Entfremdung stehen: „Mich schmerzt das sehr.“ Dennoch war der Schritt überfällig. Die Gräben zwischen Dassault und Airbus – den industriellen Kronjuwelen beider Nationen – waren unüberwindbar geworden.

Die Ambition von 2017, als Macron in seiner Sorbonne-Rede ein souveränes Europa beschwor und das Kampfjet-Projekt mit Kanzlerin Angela Merkel als Leuchtturmvorhaben aus der Taufe hob, ist einer ernüchternden Realität gewichen. Frankreich pochte auf eine Führungsrolle und bestand auf einer trägertauglichen Version, Deutschland suchte einen gleichberechtigten Partner und stellte andere Missionsprofile in den Vordergrund. Hinter den Kulissen stritten Dassault und Airbus unerbittlich um Patente, Arbeitsanteile und den Zugriff auf die Softwarearchitektur. Aus italienischer Perspektive, wie die Zeitung Internazionale kommentierte, offenbarte sich ein Scheitern, das „politisch, industriell und symbolisch“ zugleich ist. Beobachter in Madrid ließen keinen Zweifel: Verteidigungsministerin Margarita Robles nannte das Aus ein „Desaster“ und warf der Industrie vor, wirtschaftliche Interessen über die Sicherheit Europas gestellt zu haben.

Militärisch mag das Ende des FCAS keine Katastrophe sein – so argumentierte die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Analyse. Deutschland und Frankreich könnten ihre Luftflotten anderweitig modernisieren; für Paris eröffnet sich die Möglichkeit, die Rafale weiterzuentwickeln, während Berlin auf den Eurofighter-Evolution-Pfad setzt. Politisch wiegt der Rückschlag allerdings schwer. Er illustriert, wie brüchig das Fundament der europäischen Verteidigungszusammenarbeit geblieben ist, so sehr Macron auch die „strategische Autonomie“ beschwor. Einem hebräischen Medienbericht zufolge war die Entscheidung in Montenegro das endgültige Eingeständnis, dass die Kluft zwischen den nationalen Rüstungskulturen nicht mehr zu überbrücken war.

Für die deutsch-französische Achse stellt das Aus einen harten Schlag dar, doch pragmatische Stimmen wie jene der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mahnen zur Nüchternheit: Europa brauche keine Prestigeprojekte, sondern Koalitionen der Willigen, die effizient und rasch handeln. Der neue Bundeskanzler Merz signalisiert, dass er künftig auf kleinere, flexiblere Formate setzen könnte – womöglich unter Einbeziehung Großbritanniens oder Italiens. Für Österreich und die Schweiz, die zwar nicht direkt beteiligt waren, aber auf einen stabilen europäischen Sicherheitsrahmen angewiesen sind, unterstreicht das Scheitern eine unbequeme Lehre: Die viel beschworene Handlungsfähigkeit des Kontinents bleibt eine Illusion, solange nationale Egoismen und industrielle Partikularinteressen die Oberhand behalten.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Stampa europea continentaleindignazionescetticismopragmatismo

Das Aus für den europäischen Kampfjet FCAS ist eine bittere Niederlage für die gemeinsame Verteidigung und die deutsch-französische Achse. Industrielle Eifersüchteleien und politischer Durchsetzungsmangel haben das Projekt in den Misserfolg gezogen. Europa ist nun gezwungen, seine strategische Autonomie neu zu denken, ohne sich an Prestigeprojekte zu klammern.

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Europa hat seine Schlacht um einen Kampfjet der sechsten Generation verloren: Das 116-Milliarden-Dollar-Programm FCAS landete im Müll. Paris und Berlin konnten die industriellen Gräben nicht überbrücken, womit der Traum von strategischer Autonomie in weiter Ferne bleibt. Das Scheitern lässt den Kontinent weiterhin von den USA bei der Lufthoheit abhängig.

Stampa atlantica / anglosfera/ sicurezzascetticismopragmatismoironia

Das Scheitern des europäischen Kampfjet-Projekts offenbart die chronische Unfähigkeit des Blocks, Verteidigungskräfte zu bündeln. Trotz feierlicher Erklärungen haben nationale Interessen und Streitigkeiten zwischen Industriegiganten eine weitere Vorzeigeinitiative zum Entgleisen gebracht. Ergebnis: ein Europa, das für seine eigene Sicherheit weiter an US-Systeme gebunden bleibt.

Stampa russa e CSI/ statotrionfoschadenfreuderevanscismo

Der vielgepriesene europäische Gemeinschaftsjäger ist abgestürzt und legt die Heuchelei von Macrons strategischer Autonomie offen. Die erbitterten Streitereien zwischen Paris und Berlin bestätigen, dass die EU ein Haufen zerstrittener Staaten bleibt, die sich ohne den US-Schirm nicht verteidigen können. Moskau kann mit Genugtuung zusehen, wie der Rivale immer weiter zersplittert.

Diese Geschichte erschien in

8 Quellen · 5 Sprachen · 24h-Fenster

France 249. Juni, 14:31
Internazionale9. Juni, 14:34
Süddeutsche Zeitung (SZ)9. Juni, 17:18
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)9. Juni, 14:31
Kikar HaShabbat9. Juni, 17:20
Il Post9. Juni, 17:21
El Mundo9. Juni, 18:18
Neue Zürcher Zeitung (NZZ)9. Juni, 18:18