China-Schock 2.0: Europas Industrie in der Existenzkrise
Die Furcht vor einem zweiten China-Schock greift um sich: In Paris, Rom, Berlin und Madrid schrillen die Alarmglocken angesichts eines Handelsdefizits von über 400 Milliarden Dollar und der Übernahme europäischer Fabriken. Doch die Debatte über Gegenmaßnahmen offenbart tiefe Zielkonflikte.

Die Warnungen gleichen sich in fast jedem europäischen Industrieland: Von Frankreich über Italien bis in die Niederlande mehren sich die Stimmen, die vor einem „China Shock 2.0“ sprechen. Das Handelsdefizit der Europäischen Union mit China belief sich im vergangenen Jahr auf 418 Milliarden Dollar (Exporte nach China: 233 Mrd., Importe: 651 Mrd.). Gleichzeitig hängt Europas Industrie existenziell von chinesischen Zulieferungen ab – 90 Prozent der sensiblen Industriekomponenten und 98 Prozent der Solarpaneele stammen aus der Volksrepublik. Diese Abhängigkeit, so der Tenor in den Hauptstädten, gefährde die strategische Autonomie des Kontinents.
Besonders alarmierend erscheint die Entwicklung in der Automobilbranche, dem industriellen Herzstück Europas. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, öffnen europäische Hersteller zunehmend ihre Werke für chinesische Partner, um brachliegende Kapazitäten auszulasten. Was kurzfristig die Produktionsauslastung sichert, könnte langfristig zur technologischen Entkernung führen. In Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo die Autobranche tausende Arbeitsplätze sichert, wächst die Sorge vor einem schleichenden Kontrollverlust.
Aus angelsächsischer Perspektive, etwa von der Denkfabrik Rhodium Group, wird Peking vorgeworfen, eine „Industriepolitik für alles“ zu verfolgen – von Autos über Maschinen bis zu Künstlicher Intelligenz. Diese systemische Überinvestition produziere Überkapazitäten, die der Weltmarkt nicht aufnehmen könne. Die Folge könnte, so das pessimistische Szenario, die Zerstörung der europäischen Industriebasis und letztlich des politischen Projekts EU sein. Doch greift diese Sichtweise zu kurz? In asiatischen Publikationen wie der South China Morning Post wird eingewandt, dass Chinas Industriepolitik sich kaum von den Instrumenten unterscheide, die einst Europa, die USA oder die asiatischen Tigerstaaten nutzten. David Dodwell, ein Handelsexperte in Hongkong, sieht die europäische Debatte von Doppelstandards geprägt.
Die Herausforderung für Brüssel besteht darin, eine Antwort zu formulieren, die weder in blinden Protektionismus verfällt noch die eigene Industrie schutzlos preisgibt. Während Zölle auf Elektroautos kurzfristig Luft verschaffen mögen, bergen sie das Risiko von Vergeltungsmaßnahmen, die exportstarke Länder wie Deutschland und Österreich besonders träfen. Eine vorausschauende Industriepolitik müsste europäische Investionen in Schlüsseltechnologien mobilisieren und zugleich mit Peking eine neue Balance zwischen Kooperation und Wettbewerb aushandeln. Ob der alte Kontinent dazu in der Lage ist, bleibt vorerst offen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
China führt einen Wirtschaftskrieg gegen Europa und droht, dessen industrielle Basis innerhalb eines Jahrzehnts zu zerstören. Die Politik massiver Überinvestitionen und Exportdumping der Kommunistischen Partei Chinas nutzt Europas Schwäche aus und könnte das EU-Projekt selbst zerschlagen. Die europäischen Führungsspitzen erwachen allmählich aus ihrer Lethargie angesichts dieser existenziellen Gefahr.
Die europäischen Ängste vor Chinas Handelsdominanz ignorieren, dass Pekings Industriepolitik jenen gleicht, die der Westen und die asiatischen Tigerstaaten in der Vergangenheit angewandt haben. Vorwürfe der Subventionierung und des Technologiediebstahls lenken ab; Chinas Erfolg beruht auf legitimen Entwicklungsstrategien. Europa sollte lieber vor der eigenen Tür kehren, statt China zum Sündenbock zu machen.
Europa steht nun ohne Karten da, vom industriellen Führer zum Schauplatz einer wirtschaftlichen Invasion degradiert. Erschütternde Handelszahlen – 651 Milliarden Dollar chinesische Exporte gegenüber lediglich 233 Milliarden Dollar Importen – offenbaren eine tiefe Verwundbarkeit, da der Kontinent bei 90 Prozent seiner Schlüsselkomponenten von China abhängig ist. Die Rufe nach dringendem Handeln werden lauter, doch die industriellen Fundamente Europas erscheinen tief erschüttert.
China richtet sich dauerhaft im Hinterhof der EU ein und wird zum wichtigsten Handelspartner von Ländern wie Serbien, während die EU zaudert. Zugleich übergeben europäische Autobauer ihre Werke an chinesische Konkurrenten, um brachliegende Kapazitäten zu retten – eine kurzfristige Lösung, die Europa seine Schlüsseltechnologien kosten könnte. Europa muss an sich selbst denken, bevor es zu spät ist.
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