Brasiliens WM-Auftakt unter Ancelotti: Zwischen Skepsis und Favoritenrolle
Am Samstag beginnt für Rekordweltmeister Brasilien die Jagd nach dem sechsten Titel. Gegen Marokko steht Trainer Carlo Ancelotti unter Druck – die Partie in New Jersey verspricht taktische Brisanz.

Der Samstag (13. Juni) markiert für Brasilien den Beginn der Weltmeisterschaft 2026. Im MetLife Stadium von New Jersey trifft die Seleção auf Marokko, den amtierenden Afrika-Meister. Es ist zugleich das WM-Debüt von Carlo Ancelotti als Nationaltrainer – eine Konstellation, die nicht nur in seiner italienischen Heimat, sondern auch im deutschsprachigen Raum aufmerksam verfolgt wird, wo man den früheren Bayern-Coach bestens kennt. Die Ausgangslage ist widersprüchlich: Während italienische Wettanbieter Brasilien klar als Favoriten sehen (Siegquote 1,62), beschreiben südamerikanische Beobachter den Zustand des Teams als „sehr schwach“ und verweisen auf die diskreteste Qualifikationskampagne seit 1998.
Aus lateinamerikanischer Perspektive überwiegen die Zweifel. Brasilien habe in den südamerikanischen Eliminatorias zwar keine Not, aber auch wenig Glanz gehabt, heißt es übereinstimmend aus Argentinien und Brasilien. Die Mannschaft wirke unregelmäßig und sei von wichtigen Ausfällen geschwächt. Dennoch ruhen die Hoffnungen auf der individuellen Klasse von Spielern wie Vinícius Júnior und Raphinha, die im offensiven 4-3-3-System für Durchschlagskraft sorgen sollen. Marokko hingegen, das seit fast drei Jahren in regulären 90 Minuten kein Pflichtspiel mehr verloren hat, gilt als taktisch diszipliniert und defensiv schwer zu überwinden. Die Wettmärkte erwarten daher eher ein verhaltenes Spiel: Die Quote für unter 2,5 Tore liegt bei 1,72.
Eine französische Analyse betont, dass vor allem die schnellen Umschaltmomente den Ausschlag geben könnten. Unter Ancelotti setzt Brasilien auf ein mobiles 4-3-3 mit hoher Geschwindigkeit in der Offensivtransition. Marokko sei darauf vorbereitet, müsse aber eigene Konter sorgfältig ausspielen. Die vermutete Aufstellung Brasiliens, wie sie brasilianische Medien unter Berufung auf das Training melden, zeigt große Kontinuität zum Auftaktspiel 2022: Acht der elf Startspieler von damals dürften erneut beginnen. Neu sind Matheus Cunha im Sturm, Gabriel Magalhães in der Abwehr und Bruno Guimarães im Mittelfeld – Anpassungen, die auf mehr physische Präsenz zielen.
Der slowenische Schiedsrichter Slavko Vinčić leitet die Partie, die um 19:00 Uhr Ortszeit angepfiffen wird (in Mitteleuropa in der Nacht auf Sonntag). Für die Gruppe C könnte das Duell vorentscheidend sein: Beide Teams gelten als Anwärter auf den Gruppensieg. Gelingt Brasilien ein überzeugender Start, könnte das die Stimmung im anspruchsvollen Heimatland beruhigen und Ancelotti Rückhalt geben. Scheitert der Favorit jedoch an der marokkanischen Defensive, droht frühe Kritik. Aus deutscher Sicht ist die Partie auch deshalb bemerkenswert, weil Ancelottis Wirken bei Bayern München noch in Erinnerung ist – und die taktische Entwicklung der Canarinha unter einem europäischen Trainer ein Lehrstück sein könnte.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die italienische Sportpresse rahmt das Spiel Brasilien-Marokko als Wettbewerb ein und hebt Brasiliens Favoritenstatus mit einer Quote von 1,62 hervor. Die Vorschau erwähnt den Druck auf Ancelottis Brasilien und das historische Debüt von Curaçao, bleibt aber distanziert und auf das Spektakel fokussiert.
Lateinamerikanische Medien präsentieren das Spiel als Beginn von Brasiliens Jagd nach dem sechsten Weltmeistertitel, mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis. Sie betonen die Kontinuität zu 2022, die Zweifel am Team und das symbolische Gewicht des 'Hexa'-Traums.
Die marokkanische Presse analysiert das Spiel als taktisches Duell, bei dem die Umschaltmomente entscheidend sein werden. Sie stellt fest, dass Brasilien unter Ancelotti weniger spektakulär, aber immer noch gefährlich ist, während Marokko mit Selbstvertrauen aus seiner langen Serie ohne Niederlage in der regulären Spielzeit antritt.
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