Wim Wenders zieht „Falsche Bewegung“ nach jahrzehntelangem Streit um Nacktszene zurück
Nach Kritik von Nastassja Kinski an einer Aufnahme aus ihrer Jugend entschuldigt sich der Regisseur und stoppt die Verbreitung des Films – eine Zäsur mit Signalwirkung.

Die Entscheidung kam am Mittwoch und sorgte international für Aufsehen: Wim Wenders, der renommierte deutsche Filmemacher, hat seinen Spielfilm „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 aus dem Verkehr gezogen. Die gemeinnützige Wim Wenders Stiftung, die die Rechte an dem Werk hält, wies alle Streaming-, TV- und Vertriebspartner an, den Film nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Wenders, inzwischen 80 Jahre alt, entschuldigte sich öffentlich bei der Hauptdarstellerin Nastassja Kinski: „Als einziger der damals Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals besser hätte geschützt werden müssen.“ Der Rückzug erfolgt nach einer jahrzehntelangen Kontroverse um eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Schauspielerin.
Der Streit entzündet sich an einer rund zweiminütigen Sequenz, in der Kinski mit nacktem Oberkörper auf einem Bett liegt, während ein deutlich älterer Mann sie zunächst ohrfeigt und dann streichelt. Sie trug lediglich einen Slip. Kinski, heute 65, hatte erst vor wenigen Wochen in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ geschildert, sie habe sich schon damals unwohl gefühlt: „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.“ Seit Jahren forderte sie von Wenders, die Szene zu entfernen oder den Film nicht mehr zu zeigen – zunächst vergeblich. Wenders hatte noch vor Kurzem argumentiert, dass man Filme nicht nachträglich verändern könne, ohne eine Büchse der Pandora zu öffnen.
In der internationalen Rezeption traten markante regionale Akzente hervor. Während deutschsprachige Blätter wie die „Neue Zürcher Zeitung“ und der „Tages-Anzeiger“ vor allem die rechtlichen und stiftungsinternen Aspekte beleuchteten, betonten italienische Medien wie „Il Giornale“ und „Il Post“ die #MeToo-Dimension. Sie erinnerten daran, dass Kinski später mit Wenders noch in „Paris, Texas“ und „In weiter Ferne, so nah!“ drehte und zur internationalen Stilikone wurde. Die nun erfolgte Kehrtwende Wenders’ wird dort als später Sieg einer lange überhörten Forderung gewertet. Das englischsprachige Portal „The Independent“ hob die generationsübergreifende Bedeutung des Falls hervor: Die Frage, wie mit Werken aus einer Zeit umgegangen werden soll, in der die Schutzstandards für Minderjährige andere waren, beschäftigt Filmarchive weltweit.
Mit der Entscheidung, die Publikation des Films vorerst vollständig zu stoppen, geht Wenders weiter, als von vielen erwartet. Er hatte ursprünglich eine einvernehmliche Lösung mit Kinski und Fachleuten in Aussicht gestellt. Nun bleibt der Film vorerst unsichtbar – eine Zäsur für ein Werk, das als Schlüsselfilm des Neuen Deutschen Films gilt. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie sollen Filmschaffende und Rechteinhaber mit künstlerischen Arbeiten umgehen, die das Wohl Minderjähriger verletzen könnten, ohne in nachträgliche Zensur zu verfallen? Die Diskussion dürfte weit über „Falsche Bewegung“ hinausweisen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die Entscheidung von Wim Wenders, 'Falsche Bewegung' zurückzuziehen, wird als verspäteter, aber notwendiger Akt der Verantwortung aufgenommen. Die Berechtigung von Nastassja Kinskis Forderung, die Szene von damals 13-Jährigen zu entfernen, wird weithin anerkannt, und die Debatte schwankt zwischen Zensur und zivilisatorischem Schritt, wobei die Chance zur Modernisierung des Werks begrüßt wird.
Der preisgekrönte Regisseur Wim Wenders hat seinen Film 'Falsche Bewegung' von 1975 nach einer Kampagne der Schauspielerin Nastassja Kinski wegen einer Oben-Ohne-Szene, die sie mit 13 zeigte, zurückgezogen. Die Stiftung wies Vertriebspartner an, den öffentlichen Zugang einzustellen, und Wenders entschuldigte sich.
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