WHO startet 518-Millionen-Dollar-Plan gegen Ebola-Ausbruch im Kongo
Neue Zahlen zeigen 71 bestätigte Infektionen binnen 24 Stunden. US-Behörden warnen vor über 20.000 Fällen und drängen Europa zu schärferen Screenings vor der Fußball-WM.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die afrikanische Seuchenschutzbehörde Africa CDC haben einen mit 518 Millionen Dollar dotierten Sechs-Monats-Plan zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda vorgestellt. Der am Freitag angekündigte Plan soll von Juni bis November Notfallkoordination, Überwachung, Labortests und klinische Versorgung stärken. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von einem „Wettlauf gegen die Zeit“ – das Virus habe einen Vorsprung, da der Ausbruch wochenlang unentdeckt blieb.
Die jüngsten Zahlen aus Kinshasa zeigen eine rasante Ausbreitung: Binnen 24 Stunden wurden 71 Neuinfektionen bestätigt, womit die Gesamtzahl auf 452 Fälle und 82 Tote stieg. Noch vor wenigen Tagen hatten die Behörden von über 1.000 Verdachtsfällen gesprochen; die nun niedrigeren Zahlen spiegeln jedoch lediglich bessere Labordaten wider, keineswegs eine Entspannung. Der seltene Bundibugyo-Stamm, gegen den es weder Impfstoffe noch spezifische Therapien gibt, breitet sich vor allem in der abgelegenen Provinz Ituri aus, wo eine marode Gesundheitsinfrastruktur und gewaltsame Übergriffe auf Helfer die Bekämpfung erschweren. So flohen kürzlich Patienten aus Isolierstationen, und bei Bestattungen kam es zu Angriffen.
Aus Washingtoner Sicht zeichnen die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ein noch düstereres Bild. Modellrechnungen zufolge könnten sich bei unzureichender Isolierung der Erkrankten über 20.000 Menschen infizieren – ein Szenario, das an die verheerende Epidemie von 2014 in Westafrika mit über 28.000 Fällen und 11.000 Toten erinnert. Die US-Regierung hat zusätzlich 38 Millionen Dollar bereitgestellt, womit sich das amerikanische Engagement auf mehr als 200 Millionen summiert. Gleichzeitig drängt Washington laut einem internen Schreiben europäische Staaten, ihre Ebola-Screenings vor der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zu verschärfen – andernfalls könnten Konsequenzen drohen.
Die Diskrepanz zwischen dem optimistischen internationalen Plan und den alarmierenden Prognosen verdeutlicht die Fragilität der Lage. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, das Vertrauen der lokalen Bevölkerung zu gewinnen und die Mittel rasch zu mobilisieren. Sollte die Eindämmung scheitern, droht nicht nur eine humanitäre Krise in Zentralafrika, sondern auch eine globale Gesundheitsgefahr mit unabsehbaren politischen Folgen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Russische Medien betonen den starken Anstieg der Ebola-Todesfälle und -Fälle im Kongo, berichten von verspätetem Zugang medizinischer Teams zu entlegenen Gebieten und von Patienten, die aus Isolationseinheiten geflohen sind, und zeichnen das Bild eines sich unkontrolliert ausbreitenden Ausbruchs.
Die schwedische Presse begrüßt den von WHO und Africa CDC gestarteten 518-Millionen-Dollar-Plan zur Bekämpfung von Ebola im Kongo und in Uganda, beschreibt dessen Säulen (Koordination, Überwachung, Prävention) und betont das internationale Engagement.
US-Medien verbreiten die Worst-Case-Szenarien der CDC (über 20.000 Fälle) und berichten über den Druck Washingtons auf Europa, die Gesundheitskontrollen vor der Weltmeisterschaft zu verschärfen, und rahmen die Epidemie als Bedrohung der globalen Sicherheit, die ein striktes Vorgehen erfordert.
Die englischsprachige afrikanische Presse misstraut dem scheinbaren Rückgang der offiziellen Zahlen, erklärt, dass dieser auf den Wechsel von Verdachts- zu bestätigten Fällen zurückzuführen ist, und mahnt zur Wachsamkeit, wobei sie auch auf US-Modelle verweist, die vor einer möglichen Katastrophe im Ausmaß von 2014 warnen.
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