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Sonntag, 31. Mai 2026 · Ausgabe von 06:00 CET

US-Militärschläge gegen Narcolanchas verfehlen ihr Ziel

Trotz Dutzender Angriffe mit über 190 Toten bleibt Kokain in den USA nach Experteneinschätzung so leicht verfügbar wie zuvor. Die fast fünf Milliarden Dollar teure Militäroperation könnte den Drogenstrom lediglich umleiten – mit Folgen für Europa.

Geopolitik5 Quellen8 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 06:03

Das US-Südkommando hat erneut ein mutmaßliches Drogenschmugglerboot im östlichen Pazifik angegriffen. Bei dem Einsatz unter Leitung von General Francis L. Donovan am 30. Mai kamen drei Menschen ums Leben, wie das Kommando mitteilte. Es handelt sich um den jüngsten einer Serie Dutzender kinetischer Schläge in den vergangenen Monaten, bei denen insgesamt mehr als 190 Personen getötet wurden. Die Operationen richten sich gegen sogenannte Narcolanchas, die Kokain aus Südamerika in Richtung Norden transportieren.

Doch fast neun Monate nach Beginn der Offensive ziehen Epidemiologen, Suchtforscher und Experten des öffentlichen Gesundheitswesens eine ernüchternde Bilanz: Kokain ist in weiten Teilen der Vereinigten Staaten nach wie vor so leicht verfügbar wie vor den Angriffen. Analysen der Straßenpreise, der Zahl tödlicher Überdosierungen, der Kokainreinheit und der Sicherstellungen an den US-Grenzen zeigen keine nachhaltige Verknappung, so die Fachleute. Aus Washingtoner Sicht wachsen damit die Zweifel an der Wirksamkeit des größten US-Militäreinsatzes in Lateinamerika seit Jahrzehnten.

Die Kosten der Operation belaufen sich nach Berechnungen des „Costs of War“-Projekts der Brown University auf mittlerweile 4,7 Milliarden Dollar. Beobachter aus der Region verweisen darauf, dass der massive Militäraufwand die Anpassungsfähigkeit der Kartelle unterschätzt. Diese reagieren flexibel auf verstärkten Verfolgungsdruck, weichen auf alternative Routen aus und nutzen teils noch unauffälligere Transportmethoden.

Für Europa sind diese Entwicklungen nicht ohne Belang. Der Kokainmarkt in der Europäischen Union, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz, hat in den vergangenen Jahren ein Rekordwachstum verzeichnet. Sollte der Druck auf die pazifischen Schmuggelrouten anhalten, ist mit einer Verlagerung der Ströme in den Atlantikraum zu rechnen, was die Lieferungen nach Europa weiter erhöhen könnte. Eine rein militärische Bekämpfung des Angebots droht damit lediglich Symptome zu verschieben, ohne die Nachfrage zu adressieren.

Vor diesem Hintergrund mehren sich Forderungen nach einem Strategiewechsel. Neben der Strafverfolgung bedürfe es verstärkter internationaler Zusammenarbeit bei der Prävention, der Geldwäschebekämpfung und der Entwicklungszusammenarbeit in den Anbauländern. Andernfalls, so die Mahnung, werde die Operation zum teuren Katz-und-Maus-Spiel, während die Drogen weiterhin die Märkte überschwemmen.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Knapp neun Monate nach Beginn der Operation betonen lateinamerikanische Gesundheitsexperten und Epidemiologen, dass Kokain in weiten Teilen der USA weiterhin leicht verfügbar ist, und stellen die Wirksamkeit des größten US-Militäreinsatzes in der Region infrage. Preis-, Überdosis- und Beschlagnahmedaten deuten darauf hin, dass der Nachschub nicht unterbunden wurde, was eine pragmatische Bilanz erzwingt: Die kinetischen Angriffe haben den Drogenstrom nicht gestoppt.

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Das US-Militär hat ein weiteres mutmaßliches Drogenschmugglerboot im Ostpazifik angegriffen, dabei drei Menschen getötet und die Gesamtopferzahl seit September auf über 200 steigen lassen – ohne dass Beweise für die Vorwürfe vorgelegt wurden. Die hohe Zahl der Todesopfer und die mangelnde Transparenz lösen Alarm und Empörung aus und zeichnen das Bild einer Praxis, bei der tödliche Kinetik auf unbewiesenen Verdacht gründet.

Diese Geschichte erschien in

5 Quellen · 8 Sprachen · 24h-Fenster

Bild31. Mai, 00:33
Reforma31. Mai, 04:56
El Norte31. Mai, 04:56
El Universal31. Mai, 04:58
Aftonbladet31. Mai, 04:58