Unicredit vor Mehrheit an Commerzbank – Bank ruft BaFin an
Während Unicredit mit ihrem Umtauschangebot die kritische Schwelle von 50 Prozent überschreiten könnte, schaltet die Commerzbank die Finanzaufsicht ein: Sie vermutet unerlaubte Absprachen zwischen der italienischen Bank und Marktteilnehmern.

Im Ringen um die Commerzbank hat die italienische Großbank Unicredit einen entscheidenden Schritt getan. Nach jüngsten Meldungen hat das laufende öffentliche Umtauschangebot (Ops) eine Beteiligung von potenziell über 50 Prozent erreicht – eine psychologisch und strategisch kritische Marke. Unicredit hielt zuletzt direkt 26,7 Prozent der Aktien, hinzu kamen 7,6 Prozent bereits angedienter Anteile sowie weitere 3 Prozent aus laufenden Transaktionen, wie aus italienischen Quellen verlautet. Mit dem Überschreiten der Mehrheitsschwelle rückt die vollständige Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank in greifbare Nähe – sehr zum Missfallen von Politik und Gewerkschaften in Berlin.
Das Angebot, das zu 0,485 Unicredit-Aktien je Commerzbank-Titel lockt, galt über weite Strecken als wirtschaftlich unattraktiv. Lediglich am 3. Juni, gegen 15 Uhr, notierten beide Papiere kurzzeitig bei einem rechnerischen Gleichstand von 35,90 Euro, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Davor und danach lag die Bewertung der Commerzbank-Aktie stets über dem Gegenwert der Unicredit-Papiere. Dass dennoch so viele Aktionäre das Angebot annahmen, nährt in Frankfurt Zweifel an einem regulären Marktgeschehen. Die Commerzbank-Führung vermutet, dass nur wenige Banken, die zugleich als Derivate-Gegenparteien für Unicredit agieren, in großem Stil Aktien angedient haben könnten – ein Vorgang, der wirtschaftlich keinen Sinn ergebe, wie es in einer internen Mitteilung heißt.
Diese Verdachtsmomente veranlassten die Commerzbank, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einzuschalten. Man stehe in Kontakt mit der Behörde, bestätigte ein Topmanager gegenüber Bloomberg. Die Prüfung soll klären, ob Marktteilnehmer in verbotener Absprache mit Unicredit handelten und dadurch das Übernahmeverfahren manipuliert wurde. Aus römischer Sicht dagegen bewegt sich die italienische Bank im Rahmen des geltenden Rechts; sie betont den rein marktgetriebenen Charakter des öffentlichen Angebots. In Deutschland indes haben Regierung, Parteien und Gewerkschaften seit der ersten Beteiligung von neun Prozent im September 2024 geschlossen Widerstand gegen die „feindliche Übernahme" geleistet.
Der Konflikt beleuchtet ein strukturelles Spannungsfeld im europäischen Bankensektor. Während Unicredit-Chef Andrea Orcel eine grenzüberschreitende Konsolidierung vorantreiben will, fürchtet Berlin um den Verlust eines systemrelevanten Geldhauses. Die BaFin steht vor der schwierigen Aufgabe, einen kapitalmarktrechtlichen Sonderfall zu bewerten und gleichzeitig politischen Druck auszublenden. Beobachter rechnen mit einem langwierigen Verfahren, zumal die Frist für das Umtauschangebot noch bis in den Juli läuft und weitere Aktien angedient werden könnten. Der Ausgang wird Signalwirkung für künftige Übernahmeschlachten im Euroraum haben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Die deutsche Bank hat die Finanzaufsicht gebeten, das Ausmaß der Unterstützung für das Milliarden-Euro-Übernahmeangebot der italienischen Bank zu prüfen, nachdem diese mitgeteilt hatte, Verpflichtungen zur Überschreitung der 30-Prozent-Schwelle erhalten zu haben und zusätzliche Risikopositionen über Finanzkontrakte offengelegt hat.
Die deutschsprachige Presse äußert den Verdacht abgestimmten Verhaltens zwischen wenigen Gegenparteien, die Commerzbank-Aktien an Unicredit verkauft haben, obwohl dies wirtschaftlich keinen Sinn ergab; die deutsche Bank rief daraufhin die BaFin an, um mögliche Absprachen bei Derivaten prüfen zu lassen, was als schleichende Übernahme bewertet wird.
Die italienischen Medien beschreiben eine schrittweise Belagerung: Das öffentliche Umtauschangebot hat den potenziellen Anteil von Unicredit auf über 50 Prozent steigen lassen, was eine geschlossene Front aus deutscher Regierung, Parteien und Gewerkschaften auf den Plan ruft, während sich die Commerzbank an die Aufsichtsbehörden wendet und schiedsgerichtliche Abwehrmaßnahmen prüft.
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