Spielbergs 'Disclosure Day': Verschwörung, Hoffnung und die Suche nach dem Unbekannten
Steven Spielbergs neuester Alien-Film polarisiert die Kritik – parallel dazu liefert die Wissenschaft reale Funde, die das Nachdenken über außerirdisches Leben und irdische Evolution neu entfachen.

Steven Spielberg versammelt in „Disclosure Day“ noch einmal sein gesamtes ufologisches Universum. Das Werk, das am 10. Juni in die deutschen Kinos kommt, versteht sich als Abschluss einer Trilogie, die mit „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ begann und über „E.T.“ zu einem Film führt, in dem staatliche Geheimhaltung und persönliche Erweckung aufeinanderprallen. In Rom verwandelte sich der Piazza della Repubblica kürzlich in eine Leinwand für die Trailerpremiere, und in Jakarta wird der Film bereits als eine der stärksten Arbeiten des Regisseurs gefeiert. Das Interesse an außerirdischen Kontakten ist ungebrochen – weltweit und über Generationen hinweg.
Die internationale Kritik zeigt ein gespaltenes Bild. Amerikanische Blätter wie The Atlantic und The Independent erkennen in dem Film eine Hoffnungsbotschaft für polarisierte Zeiten; Spielberg habe die Unschuld des Staunens bewahrt und verpacke Gegenwartsdiagnosen in eine Alien-Metapher. Europäische Stimmen sind zurückhaltender. Die schwedische Dagens Nyheter spricht von einer substanzlosen Suppe, die italienische Millennium gar von einem gealterten Regisseur, dessen Werk an längst vergangene Supermarktregale erinnert. Le Figaro konstatiert, man müsse Spielberg sehr schätzen, um den Film nur ein wenig zu mögen. Aus deutschsprachiger Perspektive überwiegt die Skepsis: Der Regisseur verliere sich im sentimentalen Knabenraum der Verschwörungstheorien und verpasse den Anschluss an ein KI-beschleunigtes Kino.
Parallel zu Spielbergs Fiktion liefert die Wissenschaft eine eigene, nüchternere Annäherung an das Unbekannte. In der ägyptischen Wüste haben Paläontologen ein 62 Millionen Jahre altes Fossilienlager freigelegt, das die Wiederkehr des Lebens nach dem Dinosauriersterben dokumentiert. In den Westghats Indiens entdeckten Forscher eine neue Fischart, die jahrzehntelang falsch identifiziert worden war – ein evolutionäres Rätsel, das nun gelöst scheint. In kambodschanischen Höhlen tauchten bisher unbekannte Schlangen und Tausendfüßer auf. Und während die Astrobiologie über mögliche Biosignaturen auf dem Exoplaneten K2-18b debattiert und eine Umfrage unter Fachleuten die Zweifel an außerirdischem Leben schrumpfen sieht, wird die Debatte über die Herkunft des Lebens auf der Erde neu entfacht: Eine Studie legt nahe, dass Phosphor und Stickstoff nicht von fernen Meteoriten, sondern aus dem inneren Sonnensystem – und dank Jupiter – auf die Erde gelangten.
Der französische Wissenschaftssoziologe Pierre Lagrange sieht in Spielbergs wiederkehrender Alien-Obsession eine Spiegelung des gesellschaftlichen Verhältnisses zu Wissenschaft und Macht. Die Filme erzählten nicht nur von Außerirdischen, sondern von der Sehnsucht, Kontrolle und Wissen zu demokratisieren. Tatsächlich inszeniert „Disclosure Day“ den Kampf einer Whistleblower-Gruppe, die jahrzehntelange Vertuschung zu brechen. Dass ausgerechnet eine Wettermoderatorin und ein Informatiker zu Helden werden, zeigt den Spielberg’schen Glauben an das Individuum. Der Film wirkt wie eine Antwort auf die Skepsis seiner eigenen Figuren: „Ich glaube, Sie haben Ihren Glauben an die Menschen verloren“, heißt es an einer Stelle. Es ist dieser unbedingte Humanismus, der den Regisseur auch im Alter von 79 Jahren mit der gleichen Verletzlichkeit ausstattet, die einst den kleinen Elliott bewegte, sein Fahrrad in den Nachthimmel zu heben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Spielbergs neuer Alien-Film stößt auf Skepsis und Ironie: eine substanzlose Suppe, ein Werk eines Regisseurs, der in Kindheitserinnerungen steckengeblieben ist und den Zauber von einst nicht wiederfinden kann. Das Altern seines Kinos wird mit einem verstaubten alten Supermarkt verglichen, in dem die Waren in den Regalen schal schmecken.
Der Film wird als Allegorie auf den gegenwärtigen Augenblick gelesen: Spielberg hat die Hoffnung für die Menschheit nicht aufgegeben und nutzt das Alien-Sci-Fi, um politische und soziale Fragen unserer Zeit zu kommentieren. Statt eines nostalgischen Rückblicks zeigt das Werk einen Regisseur, der noch immer aktuelle und tiefgründige Botschaften vermitteln kann.
Der Film enthüllt ein großes Geheimnis des Universums, das jahrzehntelang von den Weltbehörden verborgen wurde: ein Kampf zwischen Wahrheit und Machtinteressen. Es ist ein Sci-Fi-Thriller, der warnt, was passieren könnte, wenn die Wahrheit über Aliens endlich ans Licht käme.
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