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Papst-Audienz und Puristen-Zorn: Ferraris erster Elektro-Ferrari «Luce»

Ferrari präsentiert den vollelektrischen Gran Turismo «Luce» und erhält päpstlichen Segen – doch Puristen und Märkte rebellieren gegen die Zeitenwende aus Maranello.

Wirtschaft16 Quellen7 Sprachen3 Min. LesezeitAkt. 06:05

Die Geschichte der Scuderia Ferrari ist seit fast acht Jahrzehnten eine der brüllenden Zwölfzylinder. Am Dienstag aber präsentierte der Luxusautohersteller in Rom sein erstes vollelektrisches Modell – und suchte sogleich höheren Beistand: In Castel Gandolfo empfing Papst Leo XIV. die Delegation um Stellantis-Präsident John Elkann und Ferrari-CEO Benedetto Vigna. Der «Luce», italienisch für Licht, sollte die Straße in die Zukunft erhellen; ein fünfsitziger, viertüriger Gran Turismo mit 1.050 PS und einem Preis von 640.000 Dollar. Elkann überreichte dem Pontifex das Lenkrad als Symbol. Die Inszenierung war beispiellos, doch die Gnade der Märkte blieb aus – die Ferrari-Aktie stürzte an der Mailänder Börse um mehr als acht Prozent ab.

Die Reaktionen aus Italien fielen vernichtend aus. Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sprach von der «Zerstörung einer Legende» und wünschte, das aufbäumende Pferd möge von diesem Auto entfernt werden – «wenigstens ein Wagen, den die Chinesen nicht kopieren werden». Politiker wie Matteo Salvini und Carlo Calenda schmähten das Design als «ästhetische Beleidigung», während in sozialen Netzwerken Vergleiche mit japanischen Billigmodellen kursierten. Der einflussreiche Designer Jony Ive, der mit seinem Studio LoveFrom die Linien des Luce verantwortet, geriet zwischen die Fronten: Einst Schöpfer des iPhones, muss er sich nun vorwerfen lassen, die Seele Maranellos verraten zu haben.

Aus brasilianischer Perspektive ist der Vertrauensverlust der Anleger ein Warnsignal für die gesamte Luxusbranche. Die Strategie Ferraris, als «multienergia» Verbrenner und Elektroantrieb parallel weiterzuentwickeln, soll zwar das Design befreien, doch Investoren zweifeln, ob ein geräuschloser Ferrari jene Aura transportieren kann, für die Kunden tief in die Tasche greifen. Währenddessen setzen andere Premiumhersteller stiller auf Elektrifizierung: In Argentinien präsentierte Lexus den vollelektrischen SUV RZ 500e und den hybriden IS 300h – ein Beispiel für den weltweit wachsenden Druck, auch in Schwellenländern emissionsfreie Modelle anzubieten.

Die Irritation reicht über das Auto hinaus. In Israel sorgte ein von Epic Games veröffentlichtes Konzeptbild mit einem Porsche Cayenne Turbo Electric für Aufruhr, weil die Grafik eindeutig von einer KI generiert worden war – inklusive eines fremden Riot-Games-Logos. Der Vorfall illustriert die tiefe Verunsicherung der automobilen Symbolwelt: Künstliche Intelligenz produziert Illusionen, während Traditionsmarken wie Ferrari ihre akustische Identität verlieren. Dass ausgerechnet Ive, der mit OpenAI an mysteriösen Projekten arbeitet, nun das elektrische Cavallino gestaltet, schließt den Kreis zwischen analoger Mythologie und digitaler Disruption.

Vorausschauend wird die Frage nicht sein, ob der Luce ein kommerzieller Erfolg wird – die ersten 500 Exemplare sind trotz des Spotts längst reserviert –, sondern ob Ferrari seine Doppelstrategie kulturell durchhält. Die Marke braucht den Nimbus der Exklusivität ebenso wie die Lizenz zum technologischen Wandel. Sollte die E-Mobilität im Luxussegment zum Standard werden, könnte der päpstliche Segen sich rückblickend als kluger Schachzug erweisen. Vorerst aber hallen Montezemolos Worte nach: Zerstört Strom, was Benzin unsterblich machte?

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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In Italien spaltet der elektrische Ferrari die Meinungen: Für die einen ist er ein Schlag gegen das Markenerbe, für die anderen ein unvermeidlicher Schritt in die Zukunft. Die päpstliche Audienz macht die Premiere zu einer beinahe theologischen Frage, während ehemalige Chefs die Entfernung des Cavallino-Logos fordern.

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Jenseits der Alpen lacht man über das Ferrari-Drama: Der Luce wird als seelenloses Spielzeug dargestellt, als iPhone auf Rädern, das eine Legende zerstört. Der Besuch beim Papst ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass dieses Elektroauto göttlichen Beistand braucht, um angenommen zu werden.

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Auf den lateinamerikanischen Märkten begegnet man dem ersten elektrischen Ferrari mit Skepsis: Der Kurssturz und die heftige Kritik ehemaliger Bosse nähren die Wahrnehmung eines Fehltritts. Die Vorführung beim Papst wird als Marketingkniff oder als Vertrauensakt in eine ungewisse Zukunft gedeutet.

Diese Geschichte erschien in

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La Nación27. Mai, 16:41
Bild27. Mai, 16:37
Affari Italiani27. Mai, 17:16
HuffPost Italia27. Mai, 16:37
Blick27. Mai, 16:44
Valor Econômico27. Mai, 17:17
An-Nahar27. Mai, 17:20
Band27. Mai, 19:19