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Ötzis Hefe lebt: Forscher backen Brot mit 5300 Jahre alter Mikrobe

Wiederbelebte Kältehefen aus dem Darm der Gletschermumie beweisen ihre Backtauglichkeit und wecken Hoffnungen für die Biotechnologie – während sie die Konservierung gefährden.

Gesundheit & Wissenschaft9 Quellen5 Sprachen2 Min. LesezeitAkt. 20:02

In einem archäobiologischen Coup haben Wissenschaftler aus der 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi Hefestämme isoliert und damit ein schmackhaftes Sauerteigbrot gebacken. Das berichtet ein Forscherteam um Eurac Research in der Fachzeitschrift Microbiome. Der vermeintlich tote „Mann aus dem Eis“ birgt demnach noch immer Mikroben, die Jahrtausende im gefrorenen Zustand überdauerten – und nun unter kontrollierten Bedingungen ihre Vitalität unter Beweis stellten. Der Erkenntniswert reicht weit über die Kuriosität hinaus: Die kälteadaptierten Hefen könnten neue Wege für die Lebensmittelproduktion und die biotechnologische Forschung eröffnen.

Ötzi, 1991 von deutschen Wanderern in den Ötztaler Alpen an der Grenze zwischen Südtirol und Österreich entdeckt, gilt als eine der am besten erhaltenen natürlichen Mumien Europas. Seither wird sein Körper ununterbrochen bei minus sechs Grad Celsius konserviert, was eine einzigartige Momentaufnahme seiner letzten Lebensmomente ermöglicht. Jüngste Genanalysen hatten bereits enthüllt, dass er dunkelhäutig, kahlköpfig und genetisch aus Anatolien stammte. Die neue Studie, die sein Mikrobiom an Haut, Darm und Mageninhalt kartiert, differenziert erstmals anhand metagenomischer Methoden zwischen den Mikroorganismen, die Ötzi lebend bewohnten, und jenen, die seinen Leichnam nach dem Tod besiedelten. Dabei stießen die Forscher auf überraschend vielfältige Pilzgemeinschaften – darunter mehrere Hefearten, die an niedrige Temperaturen angepasst sind.

Besonders Aufsehen erregten die Kultivierungsversuche: Die entnommenen Hefen ließen sich im Labor vermehren und zu einem Hefestück verarbeiten, das beim Brotbacken eine unerwartet gute Triebkraft und ein aromatisches Krustenergebnis lieferte. Laut Frank Maixner vom Institut für Mumienforschung der Eurac liege nun die Idee nahe, als nächstes ein Bier nach Ötzis Art zu brauen. Doch die wiedererwachte Aktivität der Mikroorganismen birgt auch konservatorische Risiken. Beobachter aus Madrid warnen etwa, dass das Erwachen von Pilzen und Bakterien unter den stabil gekühlten Lagerbedingungen den langfristigen Erhalt der Mumie gefährden könnte – ein Paradox, das die Denkmalpflege vor neue Herausforderungen stellt.

Die Entdeckung fügt sich in eine wachsende Forschungsrichtung, die das Potenzial von Mikroorganismen aus Permafrostböden und Gletschereis für industrielle Anwendungen auslotet. Kälteaktive Enzyme könnten in der Lebensmittelverarbeitung, Waschmittelindustrie oder Pharmazie zum Einsatz kommen. Gleichzeitig mahnen Experten, dass mit dem Auftauen uralter Eisproben auch nicht absehbare Wechselwirkungen einhergehen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, in deren alpinen Regionen Gletschermumien und -funde zunehmen, könnten die Ergebnisse aus Bozen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesem Erbe beitragen. Ötzi, so zeigt sich erneut, ist ein Fenster in eine verschollene Welt, das mit jedem neuen Blick neue Fragen aufwirft.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Die detaillierte Kartierung des Mikrobioms des Gletschermannes hat urzeitliche Hefepilze zutage gefördert, die Jahrtausende im Eis überlebt haben. Es gelang, einen dieser Mikroorganismen zu kultivieren und ein Sauerteigbrot zu backen – ein möglicher Impuls für die Lebensmittelherstellung unter extremen Kältebedingungen. Zugleich sorgt man sich: Die wiedererweckten Pilze könnten die Konservierung der Mumie gefährden.

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Forscher, die die Überreste des Ötzi untersuchten, fanden lebensfähige Hefe in seinem Darm und backten daraus ein Sauerteigbrot. Das schmackhafte Ergebnis holt einen 5.300 Jahre alten Mikroorganismus zurück in die Küche. Die Geschichte wird mit einer Prise Ironie erzählt – ein Lebewesen aus der Kupferzeit kann auch heute noch für guten Teig sorgen.

Diese Geschichte erschien in

9 Quellen · 5 Sprachen · 24h-Fenster

Wired Italia3. Juni, 12:20
El País3. Juni, 10:04
La Repubblica3. Juni, 16:43
Storm Media3. Juni, 10:04
The Japan Times3. Juni, 10:05
Metrópoles3. Juni, 19:20
Adnkronos3. Juni, 18:02
CBS News3. Juni, 16:44