Nikkei überwindet kurzzeitig 66.000-Punkte-Marke – Rally endet mit Gewinnmitnahmen
Die Tokioter Börse erreichte ein neues Intraday-Hoch, angetrieben von der KI-Euphorie an der Wall Street. Die extreme Konzentration auf Halbleiteraktien dämpft jedoch die Erwartungen an eine nachhaltige Erholung.

Ein historischer Augenblick an der Tokioter Börse, der sogleich wieder verblasste: Der Nikkei-225-Index durchbrach am Mittwoch erstmals die Marke von 66.000 Punkten, nur um den Handel nahezu unverändert zu beenden. Um 9:06 Uhr Ortszeit stieg der Leitindex auf ein Rekordhoch von 66.428,81 Zählern – ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Getrieben wurde der Satz nach oben von kräftigen Käufen bei Halbleiterwerten, die im Windschatten einer fulminanten US-Technologierally standen. Am Abend schloss der Nikkei jedoch bei 64.999,41 Punkten und damit nur 3,32 Zähler über dem Vortagesniveau. Die anfängliche Euphorie wich einer nüchternen Gewinnmitnahmewelle.
Aus Washingtoner Sicht entzündete sich die Rally an den Rekordschlüssen von S&P 500 und Nasdaq vom Vorabend. Der Chiphersteller Micron Technology verzeichnete einen Kurssprung, befeuert von der starken Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren der künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig belasteten geopolitische Risiken die Stimmung: Jüngste US-Luftangriffe auf den Iran und die stockenden Nahost-Friedensgespräche ließen den Dow-Jones-Index fallen. Die Anleger flüchteten in die vermeintliche Sicherheit der KI-Gewinner – ein Muster, das sich in Tokio eins zu eins wiederholte.
Beobachter in Tokio sprechen von einer zunehmend verengten Marktbreite. „Das Geld konzentriert sich auf eine Handvoll hochfliegender Chip-Aktien“, sagte Kazuaki Shimada, Chefstratege bei IwaiCosmo Securities. „Value-Titel werden links liegengelassen, weil es keinen Bedarf gibt, sie zu kaufen, solange Technologieaktien solide Renditen liefern.“ Der breitere Topix-Index erreichte zwar mit 3.971,77 Punkten ebenfalls ein Intraday-Hoch, schloss aber kaum verändert. Die Starre der übrigen Sektoren verdeutlicht den schmalen Grat zwischen KI-getriebener Rekordjagd und fragiler Marktbreite.
Für europäische Anleger – und insbesondere für deutsche Halbleiterwerte wie Infineon – birgt diese Dynamik zwiespältige Signale. Einerseits profitiert die Branche vom globalen KI-Boom, andererseits mahnt die Tokioter Kursentwicklung zur Vorsicht: Wenn selbst an der Spitze der Bewegung Gewinnmitnahmen dominieren, sind die Bewertungen vielerorts ambitioniert. Die Frage, ob die KI-Rally eine nachhaltige technologische Revolution widerspiegelt oder eine Blase nährt, bleibt vorerst unbeantwortet.
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