Neue US-Schläge am Hormuz gefährden Waffenruhe – Iran droht mit Vergeltung
Teheran wirft Washington eine „eklatante Verletzung“ der seit sieben Wochen geltenden Waffenruhe vor. Ölpreise springen, während Verhandlungen über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz ins Wanken geraten.

Die fragile Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran ist in der Nacht zum Dienstag durch neue amerikanische Luftangriffe massiv beschädigt worden. In der südlichen Provinz Hormozgan, nahe der strategisch vitalen Straße von Hormuz, detonierten Sprengsätze. Das iranische Außenministerium sprach von einer „eklatanten Verletzung“ der seit dem 8. April geltenden Feuerpause und warf Washington „böswilligen Vertrauensbruch“ vor. Die US-Regierung erklärte, es habe sich um defensive Schläge gegen Raketenstellungen und Boote gehandelt, die Seeminen legten. Die Rohölsorte Brent verteuerte sich daraufhin um fast drei Prozent; vor der Küste Omans wurde ein Tanker durch eine externe Explosion beschädigt.
Hinter dem Zwischenfall stehen wochenlange, zähe Verhandlungen. Ein in Aussicht gestelltes Memorandum of Understanding sollte die Kampfhandlungen beenden, die Straße von Hormuz für die internationale Schifffahrt wieder öffnen und den Weg für eine sechzigtägige Frist zur Klärung des iranischen Nuklearprogramms ebnen. Dass Teheran zuletzt die landesweite Internetsperre nach einem der längsten Blackouts der Geschichte aufhob, galt als Zeichen vorsichtiger Normalisierung. US-Außenminister Marco Rubio dämpfte die Erwartungen dennoch: Es könne „einige Tage“ dauern, bis eine Einigung stehe. Irans Revolutionsgarden meldeten zudem, eine US-Drohne abgeschossen und auf ein Kampfflugzeug vom Typ F-35 gefeuert zu haben.
Die Krise weitet sich über den bilateralen Konflikt hinaus. Zeitgleich intensivierte Israel seine Offensive im Libanon mit mehr als 120 Luftschlägen und dehnte die Bodenoperationen gegen die Hisbollah aus. In Gaza wurde der neue Chef des bewaffneten Hamas-Flügels getötet. Aus Sicherheitskreisen verlautete, israelische Jets hätten sich an den Angriffen auf iranische Boote nahe der Insel Larak beteiligt; die halbstaatliche Agentur Fars sprach von vier getöteten Iranern. Aus Peking kam die Aufforderung, die Waffenruhe zu respektieren. Irans oberster Führer warnte, die Staaten der Region könnten „nicht länger ein Schutzschild für US-Stützpunkte“ sein. Ein Offizieller der Revolutionsgarden stufte die Gefahr eines erneuten großen Krieges zwar als „gering“ ein, behielt sich aber ein Vergeltungsrecht vor.
Für Europa und speziell den deutschsprachigen Raum birgt die Lage erhebliches Risiko. Ein dauerhaft blockierter Hormuz würde Energiepreise auf hohem Niveau zementieren und die industrielle Erholung in Deutschland, Österreich und der Schweiz abwürgen. Die Ölmärkte gaben am Mittwoch zwar einen Teil der Gewinne wieder ab – Brent fiel auf knapp 98 Dollar, WTI auf gut 92 Dollar –, doch die Suche nach Klarheit über die Gespräche in Katar hält an. Sollte Washington die Schläge als begrenzte Selbstverteidigung verbuchen und Teherans Drohung rhetorisch bleiben, ist eine Wiederaufnahme der Diplomatie denkbar. Andernfalls droht eine Abwärtsspirale, in der das Zeitfenster für eine Verhandlungslösung rasch schrumpft.
Diese Geschichte erschien in
17 Quellen · 6 Sprachen · 24h-Fenster