Mai-Rekorde und Gewitter: Europas Hitzewelle klingt ab, doch global steigen die Temperaturen weiter
In mehreren europäischen Ländern entspannt sich die Hitzelage mit Gewittern und kühlerer Luft, während Taiwan einen Temperaturrekord meldet. Die WMO warnt: Schon bald könnte ein noch heißeres Jahr bevorstehen.

Die Weltwetterorganisation (WMO) prognostiziert mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent, dass zwischen 2026 und 2030 ein Jahr den bisherigen Hitzerekord von 2024 brechen wird. Das globale Temperaturmittel könnte dabei bis zu 1,9 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau steigen, wie das britische Met Office und die WMO mitteilten. Bereits jetzt ächzen weite Teile der Nordhalbkugel unter einer außergewöhnlichen Mai-Hitze, die in mehreren Regionen neue Bestmarken setzt.
In Großbritannien kündigt sich jedoch eine leichte Entspannung an. Nachdem in London Anfang der Woche noch 35,1 Grad gemessen wurden, sollen die Temperaturen am Donnerstag auf 31 Grad zurückgehen. Das Met Office schließt eine weitere tropische Nacht mit Werten über 20 Grad aus und erwartet ab dem Wochenende gewittrige Schauer und kühlere Luft. In Südostengland riefen die Behörden tausende Einwohner in Kent dazu auf, Wasser zu sparen, da die hohe Nachfrage die Versorgung gefährdete; landesweit kam es zu mehreren hitzebedingten Todesfällen. Frankreich verzeichnete am Donnerstag mit 37,8 Grad einen neuen Mai-Rekord und hielt 14 Départements in Alarmstufe Orange, während in Italien vier Städte, darunter Rom, die höchste Warnstufe ausriefen. Auch Deutschland lag unter einer sogenannten Hitzeglocke, doch von Nord- und Ostsee strömt laut Meteorologen kühlere Luft heran, die das Quecksilber etwas sinken lässt und ab dem Wochenende teils kräftige Gewitter mit Starkregen bringen kann.
Die Hitzewelle macht auch vor Taiwan nicht halt. In Taipeh stieg das Thermometer auf 38,3 Grad – der höchste Mai-Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1896. Die Wetterbehörde führte dies auf ein pazifisches Hoch, geringe Bewölkung und absinkende Luftmassen aus südwestlichen Winden zurück, die im Becken der Hauptstadt einen Föhneffekt erzeugen. Unterdessen warnt eine technische Studie in Brasilien vor einem „El Niño Godzilla“ für den Frühling und Sommer 2026/27. Demnach drohen dem Norden und Nordosten Dürren, die die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen und Waldbrände verstärken könnten, während der Süden mit heftigen Überschwemmungen rechnen müsse. Starke Hitzewellen könnten beide Extreme verschärfen.
Die synchrone Häufung von Wetterextremen – von Taipeh bis London, von Paris bis São Paulo – ist kein Zufall. Die WMO betont, dass die Wahrscheinlichkeit, die 1,5-Grad-Schwelle schon im Fünfjahresmittel zu überschreiten, auf 75 Prozent gestiegen ist. Während sich die unmittelbare Hitzewelle in Europa mit kühlerer und gewittriger Luft entspannt, bleibt der grundlegende Erwärmungstrend ungebrochen.
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