Irans Präsident Pezeshkian: Kein Rückzug, aber offen für Diplomatie
Nach neuen Raketenangriffen zwischen Iran und Israel bekräftigt Masoud Pezeshkian den Willen zur Verteidigung, betont jedoch gleichzeitig das Festhalten an diplomatischen Gesprächen mit Washington.

Nach dem ersten direkten Schlagabtausch zwischen Israel und Iran seit der Waffenruhe von April hat Irans Präsident Masoud Pezeshkian am Montag eine doppelte Botschaft ausgesendet: Teheran werde keiner Drohung weichen, bleibe aber zugleich der Diplomatie verpflichtet. In einer auf der Plattform X veröffentlichten Erklärung nannte er nationale Sicherheit und den Frieden des eigenen Volkes die oberste Priorität. Die Vereinigten Staaten, so wurde aus Washington bekannt, drängten unverzüglich auf eine Deeskalation; Präsident Donald Trump forderte beide Seiten zu einem sofortigen Stopp der Feindseligkeiten auf.
Die iranische Führung betonte, dass sie die Friedensverhandlungen mit den USA nicht aufgegeben habe, obwohl die jüngsten Stunden von intensiven gegenseitigen Angriffen geprägt waren – israelische Raketen galten Stellungen der Hizbullah in Beiruts Umland, Teheran antwortete mit eigenen Schlägen. Pezeshkian sprach von Diplomatie und Verteidigung als den „zwei Flügeln nationaler Stärke“ und unterstrich: „Wir haben weder das Feld noch den Verhandlungstisch verlassen.“ Irans Streitkräfte erklärten kurz darauf, die Angriffe auf Israel eingestellt zu haben.
Aus westlicher Sicht wird die doppelgleisige Strategie Teherans mit Skepsis beobachtet. In europäischen Hauptstädten wächst die Sorge, ein neuer Flächenbrand im Nahen Osten könnte die Energieversorgung und die Flüchtlingsbewegungen auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz unmittelbar beeinträchtigen. Asiatische Beobachter registrieren, dass Iran ausdrücklich an seiner Kampfbereitschaft festhält und die eigene Verhandlungsbereitschaft als Zeichen regionaler Verantwortung präsentiert. Damit versucht die iranische Führung, sowohl den Hardlinern im eigenen Land als auch der internationalen Gemeinschaft gerecht zu werden.
Die fragile Waffenruhe von April steht auf dem Spiel. Pezeshkian setzt erkennbar auf Einheit und Rationalität, um Iran durch diese „Prüfung“ zu führen. Für den Westen bleibt die Frage, ob das Angebot des Dialogs ernst gemeint ist oder lediglich Zeitgewinn verschaffen soll. Sollte es zu weiteren militärischen Zwischenfällen kommen, droht eine Eskalationsspirale, die den gesamten Nahen Osten und darüber hinaus in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Diese Geschichte erschien in
6 Quellen · 4 Sprachen · 24h-Fenster