Deutschlands historische Schlappe im UN-Sicherheitsrat – und wer davon profitiert
Bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder 2027/28 scheiterte Deutschland erstmals seit Jahrzehnten. Die Reaktionen aus Teheran, Berlin und anderen Hauptstädten zeigen eine veränderte Weltordnung.

Bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates für die Amtszeit 2027/28 erlitt Deutschland eine historische Niederlage. Mit nur 104 Stimmen blieb Berlin deutlich unter der erforderlichen Zweidrittelmehrheit von 127 Stimmen und unterlag Österreich (131) und Portugal (134) im Kampf um die beiden Sitze der westeuropäischen Gruppe. Es war das erste Mal seit dem UN-Beitritt 1973, dass die Bundesrepublik den Einzug in das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen verpasste – ein Ergebnis, das deutsche Medien als „blamable Wahlniederlage“ werteten. Die intensive diplomatische Kampagne Berlins war ins Leere gelaufen.
Die Reaktionen auf das Scheitern fielen international scharf aus. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, bezeichnete die Abstimmung als „klare Abfuhr der Weltgemeinschaft“ für die verantwortungslose und heuchlerische Haltung Berlins gegenüber dem „Völkermord in Gaza“ und der militärischen Aggression gegen Iran. Deutschland sei einer der größten Waffenlieferanten Israels und habe den israelischen Angriff als „schmutzige Arbeit, die Israel für uns alle erledigt“, verharmlost. In Berlin selbst forderte der CSU-Außenexperte Stephan Mayer eine lückenlose Aufarbeitung und die Befragung der ehemaligen Außenministerin Annalena Baerbock. Der deutsche Diplomat Johann Wadephul machte eine russische Kampagne gegen Deutschland für die Niederlage verantwortlich und deutete an, dass die Bundesregierung ihre finanziellen Beiträge an die UN überdenken könnte.
Gleichzeitig fanden Wahlen zu weiteren UN-Gremien statt, bei denen sich die Gewichte verschoben. Marokko wurde mit 178 von 187 Stimmen in den Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) gewählt und sieht dies als Beleg für sein Engagement in multilateraler Zusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung. Brasilien zog mit 181 Stimmen ebenfalls in den ECOSOC ein. Im asiatisch-pazifischen Rennen um einen Sicherheitsratssitz unterlagen dagegen die Philippinen deutlich Kirgisistan – ein Ergebnis, das Analysten auf innenpolitische Turbulenzen in Manila und die enge Bindung an die USA zurückführen.
Die Wahlen offenbaren tektonische Verschiebungen im internationalen System. Während Nationen des Globalen Südens selbstbewusster auftreten und regionale Mächte wie Marokko oder Brasilien ihre diplomatische Statur ausbauen, stößt die einstige Exportmacht Deutschland an Grenzen. Die neu gewählten Sicherheitsratsmitglieder – neben den Genannten auch Simbabwe und Trinidad und Tobago – könnten Diskussionen über den Westsahara-Konflikt oder die Reform des Sicherheitsrats neu beleben. Die erstmalige Abwesenheit Deutschlands im Rat seit über 50 Jahren markiert eine Zäsur, die weit über das tagespolitische Geschehen hinausweist. Für Berlin wird die Niederlage eine Überprüfung der bisherigen Außenpolitik nach sich ziehen, während die Drohung mit finanziellen Kürzungen die Glaubwürdigkeit des multilateralen Engagements auf die Probe stellt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Deutschlands historisches Scheitern bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat ist eine deutliche internationale Ablehnung der Berliner Mitschuld am Völkermord in Gaza und der Lieferung tödlicher Waffen an Israel. Die Abstimmung spiegelt die weltweit wachsende Empörung über die heuchlerische Haltung der Bundesregierung zu Palästina und ihre Unterstützung der US-israelischen Aggression wider. Iran betrachtet dies als moralischen Sieg und Mahnung an diejenigen, die sich mit ungerechter Politik verbünden.
Die peinliche Niederlage Deutschlands bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat entfacht ein heftiges innenpolitisches Schuldzuweisungsspiel, bei dem Konservative eine Bundestagsbefragung der Ex-Außenministerin Baerbock fordern. Das als 'Blamage' bezeichnete Scheitern gilt als tiefe diplomatische Demütigung, die Zweifel am internationalen Ansehen des Landes unter der Außenpolitik der Vorgängerregierung aufwirft. Der Ruf nach Aufklärung und die scharfe Kritik an Berlins Kampagne werden lauter.
Das Scheitern der Philippinen bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat wird auf innenpolitisches Chaos und eine zu enge Anlehnung an die USA zurückgeführt, so Analysten. Der Erfolg Kirgisistans gilt hingegen als Belohnung für dessen wahrgenommene Neutralität und die Unterrepräsentation Zentralasiens. Das Ergebnis zeigt, wie Großmachtrivalität und Parteizugehörigkeitswahrnehmung UN-Wahlen beeinflussen, wobei Manilas 'politischer Zirkus' deren internationale Glaubwürdigkeit beschädigt habe.
Kirgisistan hat erstmals einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat errungen, ein historischer Meilenstein für den zentralasiatischen Staat. Russische Medien betonen den Erfolg und vermerken zugleich das unerwartete Scheitern Deutschlands. Die Darstellung reiht die Wahl in das postsowjetische Erbe ein, erinnert an andere ehemalige Sowjetrepubliken im Rat und deutet einen Wandel des diplomatischen Einflusses an.
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