Hollywood zwischen Internetmythos und Nostalgie: Zwei Filme, zwei Welten
Mit „Backrooms" und „Masters of the Universe" prallen zwei Pole des gegenwärtigen Kinos aufeinander: digital geborene Legenden treffen auf wiederbelebte Achtziger-Ikonen.

Es ist eine Zäsur, die sich in diesen Wochen an den Kinokassen abzeichnet. Während mit „Backrooms" ein Horrorfilm die Leinwände erobert, der aus einem anonymen Internetfoto und einer Youtube-Serie entstanden ist, kämpft mit „Masters of the Universe" eine der bekanntesten Spielzeug- und Zeichentrickfiguren der 1980er Jahre um Relevanz. Beide Produktionen stehen exemplarisch für eine Filmindustrie, die sich zwischen der Ausschlachtung alter Marken und der Suche nach neuen Mythen bewegt. Aus Washingtoner Sicht ist „Backrooms" ein Triumph des Studios A24, das schon früher mit unkonventionellen Stoffen überraschte, doch diesmal speist sich der Stoff direkt aus dem kollektiven digitalen Unterbewusstsein. Der erst 20-jährige Regisseur Kane Parsons, der seine Karriere als Youtuber begann, greift das Phänomen der sogenannten liminalen Räume auf – unwirtliche Übergangszonen, die Millionen Menschen im Netz faszinierten. In „Masters of the Universe" hingegen müht sich Nicholas Galitzine als neuer He-Man ab, eine überkommene Männlichkeitsikone ins Heute zu transportieren.
Die Resonanz auf „Backrooms" offenbart, wie tief die Grenze zwischen digitaler Folklore und Großproduktion inzwischen durchlässig ist. Ein italienischer Beobachter spricht gar vom „ersten Blockbuster, der aus einer urbanen Internetlegende geboren wurde", und verweist auf die Ablösung klassischer Vorlagen wie Comics und Bücher durch Online-Communitys. Aus Moskauer Perspektive wird Parsons gar in eine Reihe mit David Lynch und Spike Jonze gestellt, weil er die Ästhetik des Unheimlichen souverän beherrsche. Doch nicht überall fällt das Urteil euphorisch aus: So notiert eine Kritik aus Dubai, der Film verliere sich in seinem eigenen Labyrinth und bleibe hinter seinen Anspielungen zurück. Gleichwohl ist bemerkenswert, wie selbstverständlich diese internetgeborenen Mythen nun den Sprung auf die große Leinwand schaffen.
Ganz anders die Aufnahme von „Masters of the Universe". Zwar berichten spanische Medien von der monatelangen körperlichen Tortur, der sich Galitzine unterzog, um den muskelbepackten Helden glaubhaft zu machen – ein Kraftakt, der an die Verwandlungen von Chris Hemsworth für Thor erinnert. Dennoch zeigt sich die internationale Kritik überwiegend ernüchtert. Aus Jakarta heißt es, der Film biete zwar süße Nostalgie, sei aber unerträglich in die Länge gezogen. Die australische Presse verpasst dem Werk magere eineinhalb Sterne und karikiert einen He-Man, der als Adam in der Personalabteilung schmort und von seiner Vorgesetzten gerügt wird. Der heroische Glanz der Vorlage verblasst gegen die ironische Brechung, und die einstige Ikone wirkt wie ein Relikt aus einer Zeit, in der eindimensionale Kraftprotze noch funktionierten.
Für das deutschsprachige Kinopublikum sind diese Entwicklungen doppelt lehrreich: Sie zeigen, dass die Quellen für massentaugliche Stoffe längst nicht mehr nur in etablierten Archiven liegen. Während die einen Studios auf Wiedererkennungswert setzen und dabei oft scheitern, wagen andere den Sprung ins Ungewisse – und treffen damit offenbar einen Nerv. Es ist denkbar, dass wir künftig häufiger Filme sehen werden, die aus sogenannten Creepypastas, Forenbeiträgen oder viralen Bildern hervorgehen. Der Erfolg von „Backrooms" könnte eine ganze Welle solcher Adaptionen lostreten. Gleichzeitig mahnt das Schicksal von „Masters of the Universe" zur Vorsicht: Nostalgie allein trägt keinen Film. Die Zukunft des Kinos liegt vielleicht gerade im Unbekannten, nicht im ewig Gleichen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Von einem anonymen Foto bis zum Hollywood-Blockbuster – die Backrooms zeigen, wie das Netz zur Mythenfabrik der Gegenwart wird und traditionelle Erzählreservoirs wie Bücher und Comics ablöst. Es ist ein kultureller Wandel von unten, bei dem Online-Communities die Unterhaltungsindustrie vorprägen und die Grenzen des Vorstellbaren neu ziehen.
He-Man ist auf harte Zeiten gefallen: Der Muskelheld der 80er kehrt als unbedeutender Typ namens Adam zurück, verbannt und ohne Ausstrahlung. Der Film besiegelt den Niedergang einer Ikone, mit Skepsis und Ironie angesichts einer ausgehöhlten Marke.
Ein liminaler Horror, der mit der Ästhetik endloser Flure lockt, sich aber in einem narrativen Irrgarten ohne Ausweg verliert. Die durch den Online-Mythos geweckten Erwartungen prallen auf ein Finale, das nicht einlöst, was es verspricht, und lassen das Publikum verwirrt und unzufrieden zurück.
Süße Nostalgie, die sich in Längen verliert: He-Man ist ein verblasstes Symbol der 80er, gealtert und für neue Generationen unkenntlich. Der Film versucht, den Zauber einer vergangenen Ära wiederzubeleben, ertrinkt aber in einer Schwerfälligkeit, die die Erinnerung trübt.
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