Nach NHL-Tod: Hirnforschung soll Rätsel um Kopftraumata lösen
Claude Lemieux’ Angehörige spenden sein Gehirn der Boston University, um chronisch-traumatische Enzephalopathie zu erforschen. Schwedische Experten erklären die tückischen Spätfolgen wiederholter Gehirnerschütterungen.

Der überraschende Tod des kanadischen Eishockeyprofis Claude Lemieux im Alter von 60 Jahren, mutmaßlich durch Suizid, hat die Diskussion um Langzeitschäden durch wiederholte Kopfverletzungen neu entfacht. Seine Familie gab bekannt, das Gehirn des viermaligen Stanley-Cup-Siegers dem CTE-Zentrum der Boston University zu spenden, um die Forschung zur chronisch-traumatischen Enzephalopathie (CTE) voranzutreiben. Aus Washingtoner Sicht unterstreicht der Fall die Dringlichkeit, mit der nordamerikanische Profiligen die Sicherheitsstandards überprüfen müssen. In der Schweiz, wo Lemieux’ Sohn Brendan beim HC Davos spielt, hat die Nachricht eine besonders persönliche Note erhalten.
CTE ist eine neurodegenerative Erkrankung, die erst nach dem Tode diagnostiziert werden kann und mit Aggressionen, Depressionen und Gedächtnisverlust einhergeht. Niklas Marklund, Professor für Neurochirurgie in Lund, erklärt gegenüber schwedischen Medien, dass sich dabei ein Demenzprotein namens Tau in den Nervenbahnen ansammelt – ein Prozess, der bereits bei Boxkämpfern der 1920er Jahre beobachtet wurde. Die Debatte, inwieweit die Risiken überhöht werden, bleibt umstritten. Während US-Sportligen vermehrt in Präventionsprogramme investieren, mahnen schwedische Physiotherapeuten zur Vorsicht bei der Rückkehr verletzter Athleten auf das Eis.
Kajsa Johansson, Dozentin für Physiotherapie an der Universität Linköping, verweist auf die Komplexität der Heilungsprozesse. „Das Gehirn benötigt Zeit, um seine Energiebalance wiederherzustellen“, betont sie. Gerade im Eishockey, wo das Spieltempo und die physische Härte zunehmen, werde dieses Zeitfenster oft nicht respektiert. Parallel dazu illustriert der schwedische Allgemeinmediziner Marcus Olausson, wie sehr Störungen des Gleichgewichtssystems – eine typische Begleiterscheinung von Kopftraumata – die Lebensqualität beeinträchtigen können. „Es gibt viele Wege, wie unser Balancesystem fehlgehen kann“, so Olausson in einem Fernsehbeitrag.
Die Spende von Lemieux’ Gehirn erfolgt in einem Moment, in dem auch im deutschsprachigen Raum die Sensibilität für Sportfolgeschäden wächst. Aus mitteleuropäischer Perspektive drängt sich die Frage auf, ob nationale Ligen dem nordamerikanischen Beispiel bei der systematischen Erfassung von Gehirnerschütterungen folgen sollten. Die Bostoner Forscher, die bereits Hunderte Gehirne ehemaliger Athleten untersucht haben, dürften die Analyse mit der gebotenen Zurückhaltung betreiben – die Familie warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Der Fall Lemieux könnte so zum Katalysator für eine transatlantische Kooperation in der Präventionsforschung werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
Der Suizid der NHL-Legende Claude Lemieux hat die Alarmstimmung zu Hirnverletzungen im Eishockey neu entfacht. Die Entscheidung der Familie, sein Gehirn der Forschung zu spenden, wirft die dringende Frage auf: Sind die wiederholten Checks schuld? Während Skepsis an der CTE-Diagnose besteht, werden die emotionale Belastung und die langfristigen Hirnschäden in Kontaktsportarten scharf beobachtet.
Ein Statement der Familie kündigt an, dass Claude Lemieux' Gehirn an das CTE-Zentrum der Boston University gespendet wird. Der ehemalige NHL-Star starb im Alter von 60 Jahren durch Suizid, nach einer Karriere mit hartem Körperspiel und fast 1500 Spielen. Die Spende soll die Erforschung wiederholter Hirntraumata voranbringen.
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